Matte-Zytig Februar 1999
Der Leist- Vorstand lädt alle Matte - Anwohner und - GewerbIer ein zur
Traktanden:
Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und danken für das Interesse am Leist-Geschehen im voraus bestens.
PS.
Leist-Mitglieder wurden mit Schreiben von Ende November darauf aufmerksam
gemacht, dass sie keine separate schriftliche Einladung erhalten. (MATTE-CARD
bitte als Ausweis mitbringen!)
Nicht-Mitglieder sind ebenfalls teilnahmeberechtigt. Sie haben kein
Stimm- und Wahlrecht. Mit sofortigem Beitritt (s. Abschnitt «Beitrittserklärung»)
können sie dies ändern! Zugleich mit den Vorteilen der MATTE- CARD Vergünstigungen
(s. exklusive Angebots-Liste).
Jahresprogramm / Leist. Tätigkeiten
Unmittelbar nach HV demissionierten die Initianten des MATTE-ZYTIG Neukonzepts;
der Leist-Vorstand übernahm darauf die redaktionelle Weiterführung (im bisherigen
Format A5) zu drei Ausgaben.
Mittagessen mit Ehrenmitgliedern in der Spysi am 9.2.98.
Ausserord. Versammlung zum Thema Einbahnstrasse am 9.6. im Rest. z.Zähringer.
Übergabe des Vorschlags an Polizeidirektion im Erlacherhof, im Beisein des
Stadtpräsidenten, am 28.10. (Weitere Infos hierzu erfolgen an Versammlung v.
18.1.99.)
Seniorenausflug am 29.8. (Rolf Badertscher).
Matte-Höcks für Anwohner & Gewerbler im Wöschhüsi, jeden 1. Dienstag des
Monats, erstmals am 6. Oktober (Wirtin: Sonja Reber).
Offene Adventsfenster im Dezember (Org.: Jacqueline Vuillien).lnstallation
Weihnachtssterne auf dem Wöschhüsi.
MATTE-CARD ab Mitte Dezember: Vergünstigungen aller Art für Leist-Mitglieder
bei (vorläufig) 17 Matte-Betrieben.
Realisierung Auffangnetz an Plattform Ende Dez. (Leist-Anliegen seit vier
Jahren)!
11 Vorstandssitzungen - Kontakte zu VMW, V AL, etc.
Acht Jahre sind genug! So freue ich mich als Präsident an der kommenden Vereinsversammlung
zurücktreten zu können. Egal wie auch die Wahlen ausfallen, wünsche ich dem
Nachfolgeteam viel Ausdauer und Erfolg. Ich meinerseits danke bei dieser Gelegenheit
allen «Mitstreitern»: dem Vorstand für das Verständnis und die Unterstützung
- oft auch gegenüber meinen eigenwilligen Handlungen! - aber auch allen Matte-Bewohnern,
Gewerblern und Arbeitnehmern für ihr Wohlwollen.
Als gebürtiger Mätteler kann ich behaupten, dass unser Quartier immer lebte
- und zwar immer auf seine eigene, vielleicht absonderliche Art!
Die «Zeiten» haben geändert. Damit auch unsere Gesellschaft, mit ihren Erwartungen
und Vorstellungen. Wir sehen uns neuen Problemen gegenüber.
In meinem Jahresbericht 1997 zählte ich die mannigfaltigen Veränderungen
in unserem Quartier auf und ich möchte diese nicht wiederholen. Abgesehen davon
dürften sie bekannt sein!
Ich empfinde die Matte als schönstes, lebendigstes Quartier Berns. Dabei
muss ich gewisse Nachteile in Kauf nehmen, welche manchmal auch mir schwergefallen,
und nicht immer bloss «mattenspezifisch» sind! Aber ich fühle mich hier wohl.
Ich möchte nirgendwo anders leben.
Dass dies nicht alle Matte-Bewohner so sehen, muss ich zur Kenntnis nehmen.
Und der Leist bemühte sich stets um Lösungen zu Nachtlärm, Parkierungsproblemen
etc. Leider wurden jeweils alle Vorschläge durch Interventionen Einzelner verunmöglicht.
Demokratisch gefasste Mehrheitsbeschlüsse werden blockiert. Und da gibt es Anwohner,
welche finden, der Leist unternehme nichts oder sei überfordert.
Gleichzeitig wird sehr oft übersehen, dass unsere Behörde sich auch nicht
zu helfen weiss! Die «Regierung» erliess, zur Linderung der Quartierprobleme,
in den vergangenen Jahren einige Verbote. Allerdings können diese nicht oder
nur sehr selten durchgesetzt werden. Dieser Gegensatz ist für mich störend!
Nun werde ich die nächsten Jahre wieder als gewöhnlicher Mätteler erleben
dürfen, ohne Rücksichtnahme auf irgendwelche «Etiketten». Vielleicht beteilige
ich mich vermehrt an Partys mitten auf der Strasse - als fröhlicher Beitrag
zu Verkehrshemmungen.
Es lebe die Matte!
Weihnachten 1998, mit unzähligen, leuchtenden Dekorationen und Adventsfenstern.
Wir erinnern uns gerne an die vielen Bemühungen, in unserem Quartier weihnachtliche
Stimmung zu verbreiten.
Wir danken herzlich allen Mitwirkenden, sei es für den festlichen Schmuck,
sei es für die Durchführung der gemütlichen «offenen Adventsfenstern» oder für
die vielen gegenseitigen Kontaktnahmen.
Mitarbeiter des Redaktionsteams der MATTE-ZYTIG beurteilten und wählten die
schönsten, originellsten Weihnachts-Dekorationen aus - die Entscheidungen fielen
nicht leicht!
Zur Prämierung wurden ausgewählt:
Badgasse 43, Familien Pascarella und Schmid (Fenster und Treppenhaus)
Bowäger 23, Erika Sidler (Fenster und Tannenbaum)
Schifflaube 18, Marlies und Albert Strüby (Dachfenster, Balkon)
Schifflaube 16, Nick Huber (Fassade)
Ebenfalls positiv aufgefallen sind:
Badgasse 39, Denise Heyl (Aarstr.)
Bowäger 15, Agnes und Hans Gozzer
Schifflaube 50, Eva Banlaki (im Vorjahr schon prämiert)
Schifflaube 22, Greti und Hans Hirsbrunner (Strassenseite und Baum Rückseite)
Schulhäuser Matte mit Kathrin und Peter Fuhrer
Wasserwerkgasse 12, A. Hilber
Mühlenplatz 6, Beat Wyttenbach
Gerberngasse 31, Atelier Kursiv
Gerberngasse 24, Sonja Reber
Gerberngasse 21, Rene und Marianne Stirnemann (ausser Konkurrenz)
Mattenenge 2, Twike
Läuferplatz 8, Schüpbach Ernst
(Restaurant z.Zähringer wurde im Vorjahr prämiert - Fassadenbeleuchtungen von
Ritter Kreativ und Restaurant Moitié-Moitié beurteilen wir als Ganzjahres-Installation.)
Besonders erfreut haben uns die E WB, welche die Aareschwelle beleuchtet
haben.
Wie im Märchen leuchteten die Sterne auf dem Wöschhüsi, als Ersatz für die
ehemaligen Weihnachtsbäume des Leistes. Wir danken bei dieser Gelegenheit den
Realisatoren Peter Jüni, Hans Kehrli (Dachdecker) und Bernhard Bürkli (Matte-Elektriker).
Am Wunsch könnten gleiche Sterne zur Fassadendekoration für folgende Weihnachten
hergestellt werden. Kostenpunkt ca. Fr. 250.- (ohne Montage). Interessenten
müssten sich bis spätestens Ende Februar beim Leist melden.
Die grosse Menge der anwesenden Anwohner beweist, dass der Verkehr in der
Matte immer noch ein aktuelles Thema ist.
Rene Stirnemann eröffnet den Abend und darf unsere Gäste, Polizeidirektor
Dr. Kurt Wasserfallen und Eric Stadtmann, Chef der Verkehrsabteilung der Stadtpolizei,
begrüssen.
Ein kurzer Rückblick zeigt, dass der Matteleist sich seit 6 Jahren um eine
umfassende Lösung des Verkehrsproblems bemüht. Die blaue Zone sowie ein Nachtfahrverbot
wurden diskutiert, die jüngste Idee war nun die nächtliche Einbahnstrasse. die
der Leistpräsident im Detail erläutert. Bereits kundgemachte Argumente gegen
diese Lösung sind die vermutlich erhöhte Fahrgeschwindigkeit sowie eine erhöhte
Belastung für die Bewohner der Aarstrasse / Badgasse.
Eine spontane Abstimmung zu diesem Thema erfolgt: Die Mehrheit der Anwesenden
spricht sich gegen die nächtliche Einbahnstrasse aus.
Bereits hier werden aber auch Stimmen laut, dass der dringendste Wunsch der
Mätteler mehr Unterstützung seitens der Polizei ist.
Kurt Wasserfallen hingegen fordert eine Lösung, die von den Quartierbewohnern
kommt. So müsste man weniger (oder ev. keine) Einsprachen befürchten, die jeweils
den ganzen Entscheidungsprozess verlangsamen.
Das Gebot des Zubringerdienstes hat vor Gericht praktisch keinen Wert mehr.
Darauf können wir uns also nicht verlassen...
Der Polizeidirektor erläutert des weitern, dass die Polizei ihr Personal
in der Stadt hauptsächlich tagsüber einsetzen muss, und dies bei einem Personalbestand,
der sich in den vergangenen 12 Jahren kaum verändert hat. Eric Stadtmann erläutert
nun die Verkehrsentwicklung und Ideen zur Zukunft:
Der Durchschnittsverkehr pro Woche konnte in den letzten 15 Jahren von 10000
auf ungefähr 4000 Fahrzeuge reduziert werden.
Durch die Einführung der Tempo-30-Limite (seit 1994) erreichte man in der
Matte eine deutliche Lärm- und Verkehrsberuhigung. Hohe Geschwindigkeiten wurden
aber trotzdem auch gemessen, besonders zwischen 1.00 Uhr und 4.00 Uhr.
Entscheide bezüglich der blauen Zone sind noch offen, d.h. der Regierungsrat
lehnte gegenerische Beschwerden im Januar 98 ab.
Gravierend ist die Parksituation vor allem im Gebiet Wasserwerkgasse / Mühlenplatz.
Ab April 98 wurden einige falsch parkierte Wagen abgeschleppt. Diese radikalen
Massnahmen wurden nun aber zurückgestellt, da die nicht armierten Polizisten
in ihrem Dienst bedroht wurden.
Zur nächtlichen Einbahnstrasse äussert sich die Polizei wie folgt:
Eine positive Auswirkung wäre der reduzierte Durchgangsverkehr wie auch der
eingedämmte Suchverkehr. Gut wäre auch die gewählte Route, durch die alle Orte
erreichbar sind.
Schlechten Zugang hätten allerdings die Sicherheitsdienste. Ebenso ungelöst
bliebe das Parkproblem und die Fahrgeschwindigkeit wäre erfahrungsgemäss eher
erhöht. Bezüglich Kosten rechnet die Polizei bei dieser Lösung mit 1/2 Mio.
Franken.
Die Polizei rät von der nächtlichen Einbahnstrasse ab und schlägt eine «weisse
Zone» mit der Euro-Parkscheibe vor:
Rund um die Uhr gäbe es mit diesem System eine Parkzeitbeschränkung von 2-3
Stunden.
Vorteile für Anwohner und Gewerbebetreibende sind in erster Linie genügend
Parkplätze, denn die Pendlerparkplätze würden dadurch aufgehoben. Fraglich ist,
ob die Betriebsbesucher nachts ihre Wagen nach der abgelaufenen Parkzeit nur
innerhalb des Quartiers umparken würden. Dies führte natürlich zu vermehrtem
Nachtlärm...
Eine Anwohnerin fragt die Polizei, ob im Rathausparking vergünstigte Parkplätze
für Mattebewohner möglich wären. Bezüglich Vergünstigung kann sich die Polizei
nicht äussern, da das Parking nicht der Stadt gehört. Kurt Wasserfallen gibt
aber grundsätzlich zu bedenken, dass jeder bereits belegte Parkplatz in der
Matte «weniger Lärm» macht.
Einige Stimmen werden laut, die der Polizei zu wenig Kontrolle in unserem
Quartier vorwerfen. Es wird gefragt, weshalb man neue Regelungen einführen will,
wenn die geltenden nicht eingehalten werden. Eric Stadtmann antwortet auf diese
Frage, dass eine Bewirtschaftung der Parkplätze auch von der Securitas überprüft
werden könnte, was die Polizei entsprechend entlasten würde.
Die konkrete Umsetzung der Parkplatzbewirtschaftung hiesse ein Parkverbot
ausserhalb der markierten Parkfelder. Die Parkbussen richten sich nach der überschrittenen
Zeitlimite. Abgeschleppt wird ein Wagen dann, wenn die Sicherheit gefährdet
ist.
Es wird weiter gefragt, ob Securitasdienste nicht auch die beiden Strasseneingänge
zur Matte kontrollieren könnten. Die Antwort kommt von den Kulturbetrieben:
das Wasserwerk hat bereits während eineinhalb Jahren einen Parkdienst geleistet.
Dieser Versuch zur Eindämmung des Suchverkehrs zeigte aber nicht die gewünschte
Wirkung und wurde deshalb abgebrochen.
Nach weiteren Fragen gibt ein Anwohner schliesslich zu bedenken, dass wir
nebst den vorübergehenden Lösungen auch eine Vision brauchen, die in der Zukunft
mehr Grünflächen in der Matte anstrebt. (Wie schön wäre doch der Mühlenplatz
ohne Autos)
Abstimmungen:
Eine grosse Mehrheit befürwortet das Parkkartensystem (blau oder weiss).
Eine ganztägige Einbahnstrasse wird knapp abgelehnt (12 Nein; 9 Ja).
Das Nachtfahrverbot würde von einer sehr grossen Mehrheit begrüsst. Gegenstimmen
dazu kommen von der IG Matte.
Aufgrund dieser eindeutigen letzten Abstimmung möchte der Polizeidirektor
die Idee des Nachtfahrverbotes mit einer optimalen Parkplatzordnung doch nochmals
aufnehmen.
Dazu bietet er Vertretern der IG das Gespräch an, um gemeinsam praktikable
Lösungen zu finden.
Mit dieser Aussicht schliesst Rene Stirnemann, der mit viel Geduld und Geschick
durch den Abend leitete, die Diskussionsrunde ab, und verabschiedet Gäste und
Anwohner.
Fritz Hartmann erzählt Res Margot:
«Ein Geizhals fiel in einen Fluss.
Ein Fischer fasste, ihn zu retten den Entschluss.
Er rief: reich mir deine Hand!
Der Geizhals rief: kann ich dir nicht geben meine Hand!
Rief er, indem er sank.
Und er ertrank.»
Wir rufen gerne in Erinnerung, dass an jedem ersten Dienstag des Monats der
stattfindet! SO am 2. März, 6. April, usw. jeweils ab 19.00 Uhr.
Bei gemütlicher Atmosphäre, mit Getränken aller Art, feinem Gebäck und Sandwichs,
wollen wir das Zusammensein und gegenseitiges Kennenlernen aller Matte-Bewohnern
(und auch Gewerbetreibenden, Arbeitnehmern) fördern!
Neuzuzügern offerieren wir zur Begrüssung gerne einen Drink!
Gleichzeitig haben Sie auch die Möglichkeit mit Leist-Vorstandsmitgliedern
zu diskutieren, Anregungen oder Kritik anzubringen.
Es freuen sich auf Ihren Besuch
Behutsam entnimmt Daniel Dobi einem kleinen Heft feine Goldblättchen, die
wie Buchseiten zwischen Seidenpapier stecken und beginnt, die hauchdünne Folie
in Form zu schneiden. Vor ihm auf dem Tisch liegen das zweischneidige, stumpf
geschliffene Vergoldermesser, der sogenannte Anschiesser, ein flacher Pinsel
aus Dachshaar zum Anbringen des Goldes, und der rundliche Achatstein zum Polieren.
Es sind im Prinzip dieselben Werkzeuge wie in der Antike. Ähnlich wie hier,
im Atelier am Nydeggstalden 10, vergoldeten vor 4000 Jahren schon die Handwerker
der Pharaonen Statuen, Schmuck und Bildwerke. Auch in Mesopotamien und Assur,
Griechenland und im antiken Rom beherrschten Handwerker die Kunst des Vergoldens.
Als in der Renaissance Adel und Klerus die Künstler mit Aufträgen geradezu überhäuften,
blühte der Vergolderberuf auf, Bilder- und Spiegelrahmen wurden eigenständige
Kunstwerke. Ganze Vergolderfamilien liessen sich nahe den Kirchenzentren und
Höfen nieder, vererbten Berufsgeheimnisse von einer Generation zur andern.
Tradition ist auch in der Familie Dobi gross geschrieben: Grossvater Dobiaschofsky
gründete in den 30er Jahren ein renommiertes Atelier in Bern, aus welchem später
das Auktionshaus an der Monbijoustrasse hervorging, Daniels Vater betrieb in
Zürich ein Rahmen- und Vergoldergeschäft. Doch als dieser seinen Beruf an den
Nagel hängte, hatte Daniel Dobi gerade der Wandervirus gepackt. Dabei ging es
ihm wie seinen Vergolderkollegen zur Zeit des Barocks, die von 13 Lehrjahren
ganze sechs als Wandergesellen verbrachten. In Berlin stiess Dobi auf die Vergolderin
Marlis. Sie zogen nach Bern und stellten eine Weile ihr Können bei Onkel Dobiaschofsky
unter Beweis. Als dieser sich aus dem Rahmen- und Vergoldergeschäft zurückzog,
beschlossen die beiden, in der Berner Altstadt ein eigenes Atelier auf die Beine
zu stellen.
Seitdem sind 16 Jahre vergangen, die Familie Dobi hat sich zu einem Quartett
erweitert, dessen jüngste Sprösslinge - in Schule und Krippe - tagtäglich Matte-Ambiente
schnuppern. Dobi 's Vergolderei ist zu einem Mekka für jene Kunden geworden,
die selbst für einfache Rahmen auf handwerkliches Können und künstlerisches
Flair setzen, statt auf Fabrikware per Laufmeter. Es braucht ein gerüttelt Mass
an Ideenreichtum, um mit einem speziell gestalteten Rahmen jedes Bild individuell
zur Wirkung zu bringen. Woraus schöpfen die beiden ihre Kreativität? «Eine Quelle
der Inspiration sind für uns Besuche in Galerien und Museen, vor allem auch
in Italien», erklärt Marlis Dobi. «Aber ebenso Bücher; mein Mann verschlingt
jedes neue Werk über Rahmen und Vergolden.» Interessieren sich Junge noch für
diese Kunst? «1 a, wir haben schon Lehrlinge ausgebildet. Aber oft haben Interessierte
wenig realistische Vorstellungen dieses Berufs», meint Daniel Dobi. «Rahmen
und Vergolden heisst nicht nur kreativ tätig sein, eigene Ideen verwirklichen,
sondern auch, den ganzen Tag in gebückter Haltung im Atelier arbeiten, im Schein
von Neonröhren, deren Licht nicht so tiefe Schatten wirft wie elektrische Birnen.»
«Aber für uns überwiegen die angenehmen Seiten, die Herausforderung, sich jeweils
einer neuen Aufgabe zu stellen, und der Kontakt mit den Kunden», ergänzt Marlis
Dobi. «Am liebsten würden wir die Werkstätte an die Strasse verlegen, damit
uns Passanten bei der Arbeit zuschauen und Fragen stellen können.» Über die
Schulter gucken und Fragen stellen ist bei Dobi's erlaubt, auch wenn das Atelier
(noch?) nicht unter freiem Himmel steht!
«Ich will keinen Sex-Shop, sondern eine gemütliche Atmosphäre schaffen»,
erklärt Planet love-Initiantin Katrin Dällenbach. «Hier sollen Frauen ungeniert
ihren BH oder Slip aussuchen und fern neugieriger Blicke ausprobieren können.»
Tatsächlich empfängt uns im Verkaufsladen unter den Lauben, an der Gerberngasse
36, eine angenehme Ambiente mit warmem Holzparkettboden und hellem, lichtdurchfluteten
Geschäft.
Natürlich sind auch heisse Lack- und Lederbekleidung, originelle Pariser,
Liebeskugeln, Vibratoren aus hautfreundlichem Silikon in verschiedenen Farben
und handgefertigtes SM-Zubehör vorhanden. Die Spezialität der gelernten Damenschneiderin
sind attraktive Dessous. «Eine Frau braucht bloss Mut, originell zu sein, aber
keine Mannequin-Figur», beteuert Katrin Dällenbach. Sie arbeitet mit einer Zürcher
Designerin in Deutschland, die ausgefallene Dessous bis Grössen 50 herstellt.
Mit ihrem Flair dafür, was schick und modisch ist, berät die Mutter einer zwölfjährigen
Tochter den Kunden auf der Suche nach einer flotten Geschenkidee, und Besucherinnen,
für die sie jeden Donnerstag den Abendverkauf exklusiv reserviert hat. Dann
heisst es: Zutritt für Männer verboten!
Den Einstieg in das Erotikgeschäft gelang ihr als Verkäuferin des früher
hier ansässigen Orion-Geschäfts. Als dieses in Konkurs ging, beschloss sie mutig,
den «anderen» Erotikladen aus der Taufe zu heben. In der Welt des Eros geht
es eher um die geistig-seelische Komponente des Liebeserlebens im Gegensatz
zur rein sinnlichen, sexuellen Vereinigung. Lustiges zum Thema Sex, in guter
Qualität, kein billiger Ramsch, lautet die Devise. «Mich haben immer alle Aspekte
der Sexualität interessiert», bekennt sie offen. Kama-Sutra - nach dem indischen
Gott der Liebe Kama - sind duftende Essenzen benannt, die laut Katrin Dällenbach
nicht nur erfrischend und anregend wirken, sondern subtile körperliche Sensationen
hervorrufen. Die Körperöle und -puder duften nach Honig, Kirschen, Mandeln bis
zu Vanille und Kokos.
«Etwas mehr Fantasie ins Liebesleben bringen - das tut jeder Ehe gut», rät
die gewiefte Geschäftsfrau und meint ergänzend: «Ich bin immer wieder erstaunt,
wie wenig Leute sich mit ihrer Sexualität auseinander setzen (wollen)! Immer
wieder erfahre ich von Missverständnissen, Schwierigkeiten und Problemen, welche
wir (fast) alle mit dem Umgang unseres Partners haben. Obwohl ich keine ausgebildete
Therapeutin bin, kann ich doch oft mögliche Lösungen aufzeigen - die übrigens
auch von Männern geschätzt werden!»
Unauffällig bewegen sich zwei Gestalten mit schussbereiter Kamera durch die
sommerliche Matte, blicken da und dort zu den Fenstern hoch, tauschen Bemerkungen
aus, kritzeln Notizen in ein kleines Büchlein. Nein, die Rede ist nicht von
Sherlock Holmes und seinem treuen Doktorgefährten, sondern von Heidi und Willy
Iseli. Seit über 15 Jahren kümmern sie sich in der Vereinigung Bern in Blumen
darum, dass «grüne Daumen» im Quartier berechtigte Lorbeeren ernten. Wie gehen
Sie vor? <
Blumen statt Plastik
«Es geht nicht darum, die teuersten Blumenarrangements zu prämieren, sondern
die Initiative,» erklärt Willy Iseli. «Dabei reicht es nicht, einfach ein Kistli
Geranien vors Fenster zu stellen, sondern es gilt, einen schönen Gesamteindruck
zu vermitteln. Nur ja keine Plastikgeranien oder halb versärbelte Nadelgewächse!»
Zwischen dem 1. August und dem 6. September durchstreifen die beiden ein paar
Mal die Aarerepublik. «Nur an einem einzigen Stichtag zu bewerten, wäre ungerecht»,
meint Heidi Iseli. «Oft stehen die einen Pflanzen schon in voller Blüte, die
Nachzügler entfalten erst 14 Tage später ihre Pracht.» Wenn es um Blumen geht,
sind die Iselis in ihrem Element, denn an der Badgasse, gleich neben dem Restaurant
zum Zähringer, pflegt und hätschelt man Geranien ganz besonders. Nach der Überwinterung
auf dem hellen, geschützten Estrich, werden sie im Februar auf den Balkon gezügelt
und sorgsam zugedeckt. Tüftler Willy hat eigens ein pfiffiges Bewässerungssystem
aus der Taufe gehoben, das seine Pflänzchen je nach Bedarf mit dem nötigen Nass
versorgt.
Gerangel um Preise
Aber den Blumenschmuck der lieben Nachbarinnen zu bewerten, ist auch für
sie oft eine heikle Aufgabe: «Durch die ineinandergeschachtelte Bauweise der
Altstadt ist es manchmal schwierig, mit Sicherheit zu sagen, welcher Hinterbalkon
nun zu welchen Besitzern gehört», erklärt der ehemalige Automechaniker. Er hat
deshalb einen genauen Plan angelegt, Namen eingezeichnet und hält räumliche
Gegebenheiten - wo nötig - im Bilde fest. Trotz gutem Willen kann es aber schon
mal zu Reibereien kommen, wenn ein Hobby-Gärtner leer ausgeht und sich gleich
erbost bei der Stadtgärtnerei über die erlittene Ungerechtigkeit beschwert.
Dabei spielt man gerne mal mit gezinkten Karten: «Es wurden schon Aufnahmen
vom Blumenschmuck als Beweis an das Prüfungskomitee gesandt», erinnert sich
Willy Iseli. «Aber es handelte sich um nachgestellte Szenen von Fenstern mit
Blumen, wo wir bei unserem Rundgang gar keine antrafen.» Nicht ganz unproblematisch
ist ebenso die Überreichung der Preise. «Es hat immer Zeitgenossen, bei denen
das Geschenk nicht auf Gegenliebe stösst», erzählt Heidi Iseli. «Mit der Berner
CD konnten zum Beispiel gerade viele ältere Leute nichts anfangen, da sie kein
Abspielgerät haben.» Zwar steht es jedem frei, Vorschläge für Preise einzureichen,
doch die Wahl trifft die Vereinigung von Bern.
Blumenmüde Mätteler?
Seit dem Sommer 1998 wirkt Andre Wyttenbach bei der Prämierung in der Matte mit. Er ist bei der Stadtgärtnerei für die Aktion «Bern in Blumen» zuständig. Die Blumen-Dekorationen der Matte und der 10 anderen Innenstadtkreise - nämlich alles, was von der Aare umflossen wird - werden ohne Anmeldung von Prämierungskomitees beurteilt, während Blumenfreunde in den Aussenquartieren ihre Teilnahme beantragen müssen. Worauf kommt es für die Bewertung an? «Beurteilt wird in erster Linie die Wirkung im Strassenbild», orientiert der Verantwortliche der Stadtgärtnerei, der hauptamtlich die Schrebergärten in den 27 Stadtberner Distrikten - insgesamt 2300 Parzellen - betreut. «Es zählt nur, was öffentlich zugänglich, also zu sehen ist. Nicht einsehbare Privatgärten prämieren wir natürlich nicht. Massgebend sind Aufwand und Anordnung, sowie Pflege und Dekoration. Total gibt es 10 Punkte, Auszeichnungen erhalten die Noten 8, 9 und 10.» Für seine Bewertungsrundgänge ist er auf Mitarbeiter, Vertreter des jeweiligen Leistes, angewiesen. Dem Einsatz der Iselis zollt er lobende Worte: «Die machen ihre Sache sehr gut Alles ist prima vorbereitet, mit Zeichnungen und Fotos erläutert, was gerade in der Altstadt eine grosse Hilfe ist.»
Gesucht: Experimentierfreudige
Wie beurteilt er die Motivation der Mätteler, ihr Quartier mit sommerlichem
Flor zu schmücken? «Die Tendenz ist leider rückläufig», bedauert Wyttenbach.
«Kamen im Jahr 1997 noch 161 in die Bewertung, waren es letztes Jahr nur noch
150, wobei wir die Bestnote 10 wesentlich weniger häufig vergeben konnten.»
Wie lässt sich der Plausch am eigenen Mini-Gärtli wieder ankurbeln? «Vielleicht
mit etwas Abwechslung, es müssen ja nicht immer Geraniumtöpfe sein», schmunzelt
der Verantwortliche der Stadtgärtnerei. «So gibt der Verein Bärner Graniummärit
sowie unser Sekretariat an der Monbijoustrasse 36 ein Verzeichnis von verschiedenen
Balkonpflanzen ab, die je nach Standort in Frage kommen. Anderseits überlegen
wir uns derzeit ein Konzept für naturnahen Blumenschmuck. Noch handelt es sich
um ein Experiment, denn für diesen sollten wir eine separate Bewertung schaffen,
da diese Pflanzen oft nicht so reich und so bunt blühen, wie wir es eben von
Geranien gewohnt sind.» Nun, wir sind gespannt auf die Vorschläge der Stadtgärtnerei,
aber ebenso darauf, ob sich die Mätteler diesen Sommer aus dem Busch klopfen
lassen, um die «Matte in Blumen» zum Blühen zu bringen.
Mitteilung von Heidi und Willy Iseli
Den Preis Bern in Blumen 1998 haben folgende Matte - Bewohner gewonnen und
noch nicht abgeholt: Herr Keller, Schifflaube 38, Frau R. Krähenbühl, Schifflaube
38, Herr Sandro Pischedda, Badgasse 49.
Wiederholung
Über den Leist, aber auch über «fliegende» Zettel, werden immer wieder Wohnungen
in unserem Quartier gesucht. Manchmal sind es gar Matte-Bewohner, welche eine
kleinere oder grössere Wohnung suchen.
Wir im Leist erfahren nicht, ob und wo Mietwohnungen frei stehen! Diesem
Umstand möchten wir Abhilfe schaffen und bieten uns an, für die Weitervermietung
unsere Dienste anzubieten.
Ab sofort können Sie - als Hausbesitzer oder Bewohner - dem Leist solche
Objekte anbieten: wir werden diese in der MATTE-ZYTIG publizieren - für MATTE-CARD
Besitzer (Leist-Mitglieder) gratis! Entsprechende Interessenten leiten wir alsdann
dem Anbieter (kostenlos) zur Auswahl weiter.
Offerten schriftlich an MATTE-LEIST,
Postfach, 3000 BERN 13 oder mündlich
über Tel. 3112878.
Korrespondenzadresse: Matte-Leist, Matte-Card-System
Postfach 29, 3000 BERN 13
Weitere Auskünfte:
Rene Stirnemann, Präs. Matte-Leist, Tel. 3112878
Redaktionsteam (in alphabetischer Reihenfolge): Buri Walter, Flury
Alexandra, Gozzer Agnes, Heinzelmann Elsbeth, Margot Res, Preiswerk Stefanie,
Stirnemann Rene, Wägli Werner und von Kaenel Paul.
Inserate, Satz und Druck: Bargezzi AG, Bern-Matte.
(Fortsetzung von Mattezytig 98/3)
Das Matteänglisch ist mit der Geschichte der Matte verknüpft. Darum hat Res
Margot mehrere Dokumente über die alten Zeiten der Matte studiert. In einigen
Büchern wird auf eine sagenhafte Kirche in der Matte hingewiesen. Vor einiger
Zeit hat nun Res Margot von Yvonne Hausammann (Architektin in der Matte) eine
Kopie von Ausschnitten aus einem Buch von 1851 erhalten. Der Artikel ist auf
seine Art einzigartig, und wird sicher einige alte und junge Mätteler interessieren.
Res Margot hat die wichtigsten Stellen aus der Schrift von 1851 aus alter, für
uns recht holprigen Sprache und Schrift übernommen. Wo stand die erste Kirche
der Stadt Bern?
Die alte Kapelle an der Matte zu Bern
oder
Das erste Gotteshaus der Einwohnerschaft zur
Zeit des Stadtbaues im Jahre 1191.
Auf der Suche nach dem Standort des sagenhaften Gotteshauses schrieb der
Verfasser der Schrift von 1851 ...an einen seiner Freunde, von dem ihm in dunkler
Erinnerung geblieben war, derselbe hätte in seinen Kindesjahren das Schulhaus
in der Matte (heute Gerberngasse 33, Annahme R.M.) bewohnt und bat ihn um Auskunft,
ob er sich nicht besinne, jemals im Innern dieses Gebäudes etwas wahrgenommen
zu haben, was darauf hinweisen könnte, dasselbe sei ursprünglich als Kirche
zum Gottesdienste gebraucht worden. Auf diese Anfrage kam nun eine Antwort,
die keinen Zweifel mehr übrig liess, dass die Mauern dieses Hauses der alten
Kapelle angehört hätten. In dem sehr interessanten Briefe wurde zuerst auf den
beachtenswerten Umstand Rücksicht genommen, «dass noch im ersten Jahrzehnt dieses
Jahrhunderts (19. Jahrhundert, R.M.), das Haus selbst, nur bis unter die Dachtraufe,
der einen Behörde angehörte, der übrige Umschwung der andern, der eine Teil
der Stadt, der andere dem Kanton. Die Ursache davon scheine in der isolierten
ursprünglichen Bestimmung des Gebäudes zu liegen. Der wichtigste Umstand sei
jedoch folgender: hinter dem Schulzimmer im Erdgeschosse (von seiner Erweiterung
über den ganzen massiv gemauerten Umfang hin des wohl ursprünglichen Gebäude)
befanden sich zwei Kämmerchen, das eine mit Seitenfenster gegen die Stadt zu,
tiefer liegend, als das übrige Erdgeschoss, in welchem sich auf der Seite gegen
Abend eine in die Mauer eingehende Nische von der Grösse einer Türhöhlung, und
in dieser ein uraltes Ölgemälde befand, eine weibliche Figur; vermutlich eine
Madonna vorstellend,. die sandsteinernen Türen und Fenster seien sämtlich modern
und von alten Kirchenfenstern lassen sich keine Spuren mehr merken. Allein die
Grösse des Mauerwerks wie die Höhe, der Anbau eines bloss flüchtigen Riegwerks,
die isolierte Lage des Gebäudes, innerhalb der Linie der übrigen Häuser:; und
die Einfassung des Gartenraumes gegen die Gasse, mit einer Kirchhof- oder Klosterähnlichen
Mauer, führen sämtlich auf die nämliche Vermutung. Für ein Einsassenschulhaus
würde man nicht so massiv gebaut haben. Wenn sich auffinden liesse, was zwischen
der Reformation und seiner Umwandlung zum Schulhause gewesen sei, so könnte
man noch klareren Aufschluss erhalten. im Betreff des anstehenden Gartens habe
man gehört, dass bisweilen in demselben menschliche Totengebeine aufgefunden
worden seien.»
Auf obigen verdankenswerten Bericht wendeten wir uns an den Herrn Stadtlehenskommissär,
demselben die Notizen mitteilend, und ersuchten ihn um Auskunft, zu welchem
Gebrauche das bezeichnete Gebäude, ehe und bevor dasselbe in ein Schulhaus umgebaut
worden wäre, benutzt worden sei, in dem Zeitraume zwischen der Reformation und
dem Umbau des Hauses? Die Antwort, welche uns gefälligst zugesendet wurde, bestätigte
vollkommen, dass das Mauerwerk des Schulhauses dasjenige der alten Kapelle gewesen
sei; denn bis zum Jahre 1787 figurierte das Gebäude in den Stadtrechnungen unter
dem Namen: «die alte Kapelle an der Matten.»
Damals hatte es ein Erdgeschoss, ein Stockwerk und einen Estrich samt Dachung.
Bei einem zur Zeit des Umbaus stattgehabten Augenscheine zeigte es sich, dass
im Erdgeschoss ungefähr 50 Mütt Kernen, auf dem Boden des ersten Stockwerks
100 Mütt und auf dem Estrich 50 Mütt waren. In dem daherigen, von Bauverständigen
abgegebenen schriftlichen Befinden hiess es: «Die alte Kapelle ist einem jeweiligen
Schaffner des Frienisbergerhauses als Kornhaus zugelegt worden.» (Bericht des
Bauamts an den Schulrat d. d. 31. Januar 1787).
Um dieselbe Zeit ging man mit dem Plane um, für das Mattenquartier ein neues
Schulhaus einzurichten. Verschiedene Gebäude in diesem Revier wurden der Regierung
zum Kaufe angeboten um die Summe von 3000 und 4000 Pfund. Die Stadtwerkmeister
fanden jedoch, die angetragenen Häuser würden allzugrosse Reparationskosten
erfordern, und rieten deswegen an, «die alte Kapelle, deren Mauerwerk sehr solide
sei, in ein Schulhaus umzuwandeln, was mittels der Kosten von 1503 Kronen, 12
Batzen, 2 Kreuzern sehr füglich bewerkstelligt werden könne.
Die geräumige Lehrstube komme ins Erdgeschoss, sodann ins erste Stockwerk
eine Stube, Nebenstube und Küche für den Schulmeister,. und damit etwa Klage
von Seite des Frienisberger Schaffners wegen Beschädigung des Gartens durch
Schulkinder vermieden würden, so möchte es zweckmässig sein, den Schaffner anstatt
mit Benutzung des Gartens, mit einer Zulage an seinem Einkommen zu entschädigen
und den Garten dem Schulmeister zu seiner Pension anzurechnen. »
Die Eigenschaft des Schulgebäudes machte, dass i.J. 1803 dasselbig durch
die Dotationsakte der Stadt verblieb, während der Garten samt dem ganzen Frienisberger-Fundus,
zu dem er gehörte, an den Kanton überging, bis ersterer i.J. 1810 auch der Stadt
verkauft worden ist um 400 Schweizerfranken. Er hielt 7300 Quadratfuss und warf
einen Zins von 25 Kronen ab.
Was geschah in den letzten 180 Jahren in den Mauern der ersten Kirche Berns, wie lebt man heute darin? Fortsetzung folgt in der nächsten Mattezytig.
Das Interesse für unsere drei Geheimsprachen und für Matte als lebendiges
Quartier ist gross. In den letzten Wochen besuchte die Schulkommission, Lehrer
und Angestellte der Gewerblich Industriellen Berufsschule Bern GIBB die Matte.
Im Elektrizitätswerk gab es zwei Referate über Gewerbe und Mätteler in Mittelalter
und Neuzeit und über die Anfänge der Stromproduktion und -nutzung in Bern. Anschliessend
begleiteten vier Fachspezialisten die Teilnehmer auf vier Pisten. Dabei war
eine Gruppe auf der Spur des Matteänglisch. Sie wurden im angenehm geheizten
Wöschhüsi von Res Margot in die Geheimsprachen eingeführt.
Gleiches Interesse zeigte der International Club Bern, der an seinem Mitglieder-Treffen
im Säli des Zähringers auch die Matte-Kultur kennenlernen wollte.
Erfreulich ist auch ein ganzseitiger Artikel in der Tageszeitung «La Liberte»
über die Matte, ihre Kultur, ihre Sprache und ihre aktuellen Probleme. In diesem
Artikel von Ende Oktober wird gezeigt, dass die Leute auf der andern Seite des
Röstigrabens an unserem Leben stark Anteil nehmen.
Dazu kommen mehrere Anfragen und Interviews von Studenten aus der ganzen
Schweiz, die mit Erfolg Arbeiten über das Matteänglisch machen.
Res Margot führt durch die alte und neue Matte. Dazu sind alle Matte-Engländer, Matte-Freunde, Moossen und Rachen, Modis und Giele herzlich eingeladen. Donnerstag, 29. April 1999 Besammlung: 18.30 Uhr, Münsterplattform, beim Senkeltram. Dauer: zirka 11/2 Stunden. Die Führung ist gratis.
Verschiedene Rache und Moosse, junge und alte, haben in den letzten Monaten
gebeten, dass der Kurs weitergeführt wird. Dabei sollen wiederum Könner und
Einsteiger miteinander das Matteänglisch pflegen. Dabei werden sicher auch wieder
Geschichten und Geschichte der Matte nicht zu kurz kommen. Buch Matteänglisch,
Bargezzi-Verlag (bei Bargezzi, Augsburgerlädeli oder im Buchhandel) bitte mitbringen.
Der Kurs ist gratis und beginnt mit einem Matte-Nysch (Führung durch die Matte).
Interessenten sollen sich bitte mit dem Anmeldeformular bei Res Margot anmelden.
Abfahrten ab Wöschhüsi, ganze Woche
20 - 50
22 - 05 - 20 - 35 - 50
23 - 05 - 20 - 35 - 50
Abfahrten ab Loeb-Egge
20 - 45
21 - 00 - 15 - 30 - 45
22 - 00 - 15 - 30 - 45
23 - 00 - 15 - 30 - 45
Übrigens wurden die drei ersten gluschtigen Kochrezepte durch Res Margot,
YW Matte und dem Matte-Lädeli zusammengestellt und liegen dort auf Matteänglisch
und in deutscher Übersetzung gratis auf. Die Bestandteile dieser Rezepte findet
man selbstverständlich in den Läden der Matte (Ausnahme: wo gibt es Sherry?).
Die drei ersten Menüs: Irdhe-ipfu-e inde Itzschne (Härdäpfel und Schnitz) und
Irbis-che Ippese I und II (Kürbissuppe I und II).
Ä Ietege (ä Guete)!
In finanziell schwierigen Zeiten, wo sich die Finanzdirektion gelegentlich
mit dem Ruf konfrontiert sieht, die Stadt müsse jetzt im kulturellen Bereich
kleinere Brötchen backen, darf die Stadt Bern sich wirklich freuen, dass das
Kornhaus eröffnet werden konnte. Es erfüllt einem mit Genugtuung, mitten in
der Stadt ein Zentrum für schöpferische Ideen zu haben. Mit dem Kornhaus wurde
das neue Forum für Medien und Gestaltung eröffnet, das im restaurierten Stadtsaal
im 1. Stock ein vielfältiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm zu den
Themen Gestaltung, Architektur, Design, Neue Medien, Video, Fotografie, angewandte
Kunst und Musik anbietet.
Das zentral gelegene Haus soll anderen Veranstaltern zur Verfügung stehen,
zum Beispiel für Rahmenveranstaltungen zu kulturellen Grossereignissen wie dem
aua-Theaterfestival, dem Taktlos-Festival oder den Berner Tanztagen. Umgekehrt
will das Forum für Medien und Gestaltung seine eigenen Ausstellungen und Veranstaltungsreihen
mit einem attraktiven Rahmenprogramm begleiten, das gemeinsam mit spezialisierten
Kulturpartnern entwickelt wird. Wie sich das Leitungsteam diese Arbeit konkret
vorstellt zeigte es exemplarisch mit seiner Eröffnungsausstellung. «Detail-Design-
Die Liebe auf den zweiten Blick» und dem Begleitprogramm.
Nebst dem kulturellen Schwerpunkt im Stadtsaal mit vier bis sechs Ausstellungen
im Jahr und regelmässig stattfindenden kleineren und grösseren Programmreihen
können die Räumlichkeiten des Forums für Medien und Gestaltung für öffentliche
und private Anlässe gemietet werden, damit der Stadtsaal zu einem offenen Ort
für die Bevölkerung werden kann. Die Mieteinnahmen fliessen dabei direkt in
die Programmgestaltung des Forum für Medien und Gestaltung. Trotz der angestrebten
Offenheit soll der neue Kulturort im Kornhaus nicht zu einem «Je-ka-mi» verkommen.
Im Gegenteil: Erwünscht sind öffentliche Veranstaltungen Dritter, die einen
Beitrag dazu leisten, das Kornhaus als einen Ort zu profilieren, wo auf hohem
Niveau spartenübergreifend über einen breiten verstandenen Begriff Medien und
Gestaltung nachgedacht wird.
Partner, mit denen das Leitungsteam sein Konzept der Vernetzung umsetzen
will, sind sowohl die etablierten Institutionen, wie die Berner Museen als auch
die zeitgenössischen Kulturorte Dampfzentrale, Schlachthaus-Theater, Reitschule,
sowie ausgewählte Programm-Kinos. Die Zusammenarbeit mit den Kulturpartnern
wird und soll das Programm des Forums für Medien und Gestaltung prägen. Ein
Partner der ersten Stunde ist das Forum für Gestaltung, das aus dem Zusammenschluss
des Architektur Forums Bern (AFB), des Schweizer Grafiker Verbands (SGV), der
Ortsgruppe Bern des Schweizerischen Werkbundes (SWB) und der Schule für Gestaltung
(SFGB) entstanden ist. Diese Institution und Verbände beschlossen 1995, ihre
Öffentlichkeitsarbeit abzustimmen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Als
Ort für ihre Veranstaltungen . zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen der Gestaltung
war von vornherein das Kornhaus vorgesehen. Das Architektur Forum Bern wurde
1992 gegründet. Es hat seither in vielbeachteten Vortragsreihen dazu beigetragen,
die Auseinandersetzung und den Erfahrungsaustausch über Architektur in die Öffentlichkeit
zu tragen und ein breites Publikum für Baukultur, Städtebau und Planungsfragen
zu sensibilisieren. Auch in Bezug auf Musik ist einiges zu erwarten. Wir freuen
uns, eine solche Institution im Zentrum von Bern zu haben.