Matte-Zytig November 1997
... es weihnachtet schon sehr....
Zwei wichtige Ereignisse liegen hinter uns...
Matte-Fest
Unser Matte-Fest vom 29.-31.8.97 wurde von einer riesigen
Gästeschar besucht. Obwohl in diesem Sinne von einem Grosserfolg gesprochen
werden kann, drängen sich doch rückblickend einige Änderungen für zukünftige
Mattenfeste auf - und solche, soweit nicht bereits traktandiert, werden uns
noch weiterhin beschäftigen. Vor allem möchten wir uns bei Ihnen für das
Verständnis (und die Unterstützung) bedanken - gewisse Unannehmlichkeiten
sind bei solchen Anlässen fast unvermeidlich. Immerhin überlegen wir uns,
inwieweit diese "Matte-Chilbi" redimensioniert werden könnte!
Vereins Matte-Wöschhüsi
Als zweiten Grosserfolg können wir die Realisierung des Vereins
Matte-Wöschhüsi feiern! Dank zahlreicher Sponsoren und Gönnern, vielen
Helfern in der erfolgreichen Wöschhüsi-Beiz am Matte-Fest, wurde das
gesetzte Ziel von Fr. 60’000.- sogar überschritten!
Dieser Verein wurde übrigens am 5.8. gegründet und ist dadurch unabhängig
vom Matte-Leist. Vereinsmitglieder werden folglich direkt, "Aussenstehende"
werden über die Matte-Zytig und auch an Leist-Versammlungen informiert.
Einführung des Nacht-Bus, Linie 30
Seit Montag, 3. November 97 fährt er zwischen 20.45h und 23.45h ab HB
täglich im 15-Minuten-Takt in die Matte, mit Haltestellen u.a. am
Mühlenplatz und an der Badgasse. Mit Bäre-Abi gratis. Benützen Sie diese
Gelegeheit rege, damit dieser "Versuch" beibehalten wird!
Wir hoffen auf rege Benützung!!
Baum-Anpflanzung beim Wöschhüsi
Am Montag, 10. November 1997, wurde beim Wöschhüsi im Beisein von
Baudirektor Adrian Guggisberg, des Stadtgärtners und des Sponsors, Herrn
Lott von der Stadtmühle in neuer Baum gepflanzt. Res Margot blies einen
besonderen Gruss übers Alphorn an den jungen "Chegeleboum". Unseren
herzlichen Dank an alle "Mitwirkenden", auch im Nachhinein dem
Städt.Tiefbauamt.
MATTEN-Sperre... über Nachtfahrverbot!
Anfangs September fand eine lang ersehnte Besprechung (s. letzte Ausgabe
MZ) im Stadtpräsidium, im Beisein der Herren Dr. K. Baumgartner, Dr. K.
Wasserfallen und Major E. Stadtmann statt. Zwei Monate darauf folgte eine
weitere Sitzung bei Major E. Stadtmann, mit Absichtserklärung einer
Matten-Sperre mit einem Nachtfahrverbot. Unser Quartier wird zwischen
Läuferplatz und Kreisel Marzili (eingangs Aarstrasse) mit einem
Nachtfahrverbot - während der ganzen Woche! - belegt.
Zufahrt erhalten Berechtigte (wie Anwohner) nur noch über
Sonderbewilligungen. Eine solche wird allerdings Fr. 60.-/Jahr (Fr. 5.- pro
Monat!) kosten - dürfte sich jedoch für eine vormitternächtliche Ruhe
lohnen! Gleichzeitig können auch Badgass-Bewohner besser schlafen!
Für alle anderen Unberechtigten ist Parkplatzsuche und Durchfahrt alsdann
verboten und wird laufend überwacht - im Übertretungsfall mit Fr. 100.-
gebüsst.
Wir setzen uns raschmöglichst mit "Lärmverursachern" (Restaurants, Clubs
etc.) zusammen, um die zeitliche Begrenzung dieses Verbots festzulegen (bei
Red. Schluss noch nicht bekannt). Im Vordergrund liegen uns jedoch - im
Interesse der Anwohner - "beruhigende" Massnahmen am Herzen! Bis im Januar
dürfte dieses Vorhaben, bei normalem Verlauf, realisiert werden (man könnte
auch alles "zerreden"!).
Adventsfenster, Weihnachtsdekorationen...
Bereits traditionell verlaufen die (gegenseitigen) Besuchstage, welche uns
immer wieder Jacqueline Vuillien organisiert. Falls Sie den Mut bisher nicht
aufbrachten, diese Gelegenheit der Kontaktnahme im Quartier wahrzunehmen,
müssten Sie unbedingt verpasstes nachholen! Wir freuen uns besonders über
"Neuzuzüger"! (Beachten Sie den Terminplan in dieser Ausgabe!)
Absolut neu ist die Möglichkeit, sich am 24. und 25. Dezember im Wöschhüsi
mit "Gleichgesinnten" zu treffen.
Wir freuen uns wiederum auf Weihnachts-Dekorationen aller Art, sei
es eben über die "Adventsfenster", sei es über die illuminierten
Weihnachtsbäume, oder sonst über individuelle Hausdekorationen. Die drei
schönsten Beleuchtungen werden prämiert!
Und zum Schluss unsere besten Wünsche zum Jahreswechsel...
wie zum Beispiel:
Nächster Anlass
Unser nächster wichtiger Anlass 1998 wird die Vereinsversammlung
sein - Leist-Mitglieder erhalten die Einladung hierzu persönlich, neu
mit Jahresbericht von mir...
Zur Prämierung der diesjährigen Blumen-Fenster-Dekorationen
"Bern in Blumen" erhalten einige Mätteler auch die CD BäRNisch
mit lustigen, interessanten musikalischen und verbalen Beiträgen zu Bern
und seinem Berndeutsch.
Da diese (auch als Geschenk) käuflich ist, hätten wir sie gerne empfohlen
- vermissen jedoch neben den Aussagen eines Bärenwärters, einer Märitfrau
oder des Marzilibahnsekretärs etc. einen Bezug zum ältesten Quartier Berns
auf Matteänglisch!
Zwei Autos im Parkverbot an der Gerberngasse - Kommentar der
herbeigerufenen Polizei:
Das Auto vor der Einfahrt in den Hof können wir bloss büssen als falsch
parkiert, ein Abtransport drängt sich nicht auf, da die Einfahrt über das
Trottoir noch gewährleistet ist! Das Fahrzeug rechts steht noch mit 2 Rädern
in einem Parkfeld und kann deshalb nicht gebüsst werden!
Auf Grund unserer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Altstadt-Leiste und dem City-Verband möchten wir Ihnen zwei Werbemittel vorstellen.
Falls Sie interessiert sind und hierzu nähere Angaben wünschen, melden Sie sich bitte bei mir: René Stirnemann, Tel. 312 28 78.
Am 11. November ist es ein Jahr her, dass unsere Mattezytig im Internet zu
lesen ist und die internationale Beachtung ist überraschend gross. Über 700
verschiedene "Adressen", davon etwa die Hälfte aus der Schweiz und der Rest
aus 30 weiteren Ländern (auch weit entfernte wie Japan, Neuseeland,
Kolumbien, Mexiko oder Brasilien) haben uns besucht.
Erstaunlicherweise sind auch ältere Ausgaben beliebt, wie die nachfolgende
Zusammenstellung der Zugriffe auf die einzelnen Ausgaben bis Juni und Ende
November 97 zeigt:
| Ausgabe | Anzahl Besucher | Anzahl Besucher bis November 1997 |
|---|---|---|
| April 96 | 149 | 250 |
| Juli 96 | 111 | 191 |
| Dezember 96 | 188 | 288 |
| März 97 | 75 | 186 |
| Juli 97 | 74 | |
| Mattenenglisch-Programm | 12 | 33 |
Die Fortsetzungsgeschichte aus dem Berner Matte-Quartier
Die Ereignisse hatten sich überstürzt. Zuerst der feige
Briefbombenanschlag auf "Baumkrone"-Redaktor Ludwig Lustfeld und jetzt die
mögliche Entführung Madeleine Looslis. Die Aufruhr war gewaltig. Neben den
gängigen Medien aus dem Inland nahmen jetzt sogar deutsche
Privatfernseh-Stationen Tuchfühlung mit dem mysteriösen Fall auf. Die
betroffenen Personen mussten entweder untertauchen oder wurden von den
Medienleuten regelrecht mit Fragen und eigens aufgestellten Thesen
bombardiert.
Kommissar Adrian Nussbaum war zwar in seinem Büro anzutreffen, liess aber
sämtliche Telefonate in der hausinternen Zentrale abblocken. Um 19.40 Uhr
erhielt er einen Anruf von Roland Bohnenblust, der sich erst nach
mehrmaligem Intervenieren durch die komplizierte Stadtberner
Polizeibürokratie durchgeboxt hatte. "Guten Abend Herr Nussbaum. Ich muss
Ihnen leider mitteilen, dass Madeleine Loosli seit über einer Stunde spurlos
verschwunden ist. Sie wollte nur rasch Zigaretten holen und ist seitdem
nicht zurückgekehrt. Wir vermuten, dass sie nach all dem Theater entführt
wurde." Nussbaum zögerte nicht lange und machte sich auf dem schnellsten Weg
in die Matte. Als er keine 10 Minuten später im alten Haus an der
Wasserwerkgasse eintraf, sass die ganze WG-Meute noch zusammen und
diskutierte die verzwickte und sehr ernsthafte Lage. Nussbaum, diesmal ohne
seinen Assistenten Glatzmann unterwegs (Heute spielte der SCB in der
Euroliga; was Marcel Glatzmann normalerweise ausgiebig mit seinen Kollegen
begoss), analysierte die Lage nüchtern, kam aber zu keinem Ergebnis, das
auch nur annähernd Sinn machte. Als die WG-Bewohner je länger der Abend
verschiedene andere Themen aufrollten, wollten sich Roland Bohnenblust und
der Kommissar in die Wohnung des Gärtners zurückziehen, um sich ungestört
über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Im Treppenhaus hörten sie
urplötzlich quietschende Reifen und das Zuschlagen einer Autotüre. Wie
elektrisiert rannten sie auf die Strasse und sahen nur noch die Rücklichter
eines roten Wagens. Auf der Strasse lag, geknebelt und gefesselt, Madeleine
Loosli. Das Haar zersaust, die Kleider schmutzig und teilweise zerrissen.
Bohnenblust und Nussbaum ahnten das Schlimmste...
Die Architektin war noch nicht in der Lage, über das Vorgefallene zu
sprechen. Sie stand einerseits unter einem schweren Schock und war
höchstwahrscheinlich mit einer Chloroform-ähnlichen Flüssigkeit betäubt
worden. Wenigstens, so schien es, war sie nicht ernsthaft verletzt oder
sexuell missbraucht worden. Während die Hausbewohner das Entführungsopfer in
die Wohnung Roland Bohnenblusts trugen, machte sich der Kommissar auf den
Weg in sein Büro zurück. Nur nichts überstürzen, jetzt. Er musste nochmals
über die Bücher, und zwar ganz von vorn. Die ganze Geschichte aufrollen und
durchdenken. Alleine, fernab von jeglichem Einfluss.
Madeleine Loosli erwachte langsam aus Ihrem betäubten Zustand. Sie wusste
nicht was ihr geschah und stammelte lediglich ein paar wirre Wortfetzen. Es
dauerte noch einige Minuten, bis sie vernehmungsfähig war. Roland
Bohnenblust streichelte liebevoll über ihr volles Haar. Der verängstigte
Blick wich bald einmal von ihrer Seite und machte ihren, warmen nussbraunen
Augen Platz. Jetzt endlich realisierte sie, dass sie ihrem Liebsten direkt
in die Augen schaute. Der Verzweiflung wich Hoffnung. Leben kehrte in ihren
jungen Körper zurück. Und langsam begann sie zu erzählen.
Inzwischen hatte Kommissar Nussbaum mittels Pager zu seinem Assistenten im
Berner Allmendstadion Kontakt aufgenommen. Marcel Glatzmann war verärgert,
wollte er sich doch heute Abend ganz auf das Spiel, die "Chätzlis" und die
"Schäume" konzentrieren. Und jetzt machte ihm Nussbaum (einmal mehr) einen
dicken Strich durch die Rechnung. Missmutig löste er sich von Carina und
seinem 5. "Schümli-Pflümli" und rief seinen Kollegen in der Kaserne an.
"Weisst Du, dass ich heute ausnahmsweise frei habe?! Und dass ich bis vor
fünf Sekunden auf der Schoss einer turbogeilen Braut sass." Nussbaum wusste,
dass Glatzmann heute wieder einmal über die Stränge schlug, was ihm zwar
missfiel, wogegen er hingegen nichts tun konnte. Jeder Mensch hat
schliesslich Anrecht auf Freizeit und kann dort tun und lassen, was er will.
"Nun Marcel, ich weiss, dass ich Dir keine Freude bereite, aber komm doch
bitte nach dem Spiel noch schnell ins Büro. Ich glaube, wir sind im Fall
"Gilgen" einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Und ich brauche Deine
Hilfe. Glatzmann brummelte etwas von Carina vernachlässigen, nahm einen
tüchtigen Schluck und hängte auf.
Inzwischen hatte Madeleine Loosli ihrem Freund von ihrer traumatischen
Entführung erzählt."Ich ging ins Fischerstübli und hatte kein Münz für meine
Zigaretten. Worauf mich ein fremder Mann ansprach und mir das nötige
Kleingeld wechseln wollte. Ich folgte ihm zum Zigi-Automaten und plötzlich
ging alles sehr schnell: Der Unbekannte hielt mir ein Stofftuch vor den
Mund, ich verlor das Bewusstsein und erwachte erst wieder in einem dunklen,
kalten Raum. Ein Maskierter befragte mich, ob ich die Architektin sei, die
Ludwig Lustfeld auf dem Gewissen habe. Ich war entsetzt und stammelte, dass
ich nicht verstehe, um was es eigentlich gehe. Weil ich eine gewaltige
Ladung Chloroform abbekommen hatte, war ich kaum vernehmungsfähig.
Irgendeinmal musste dem Mann aber bewusst geworden sein, dass ich weder mit
dem Briefbombenattentat, noch mit dem Tod Alfred X. Gilgens etwas zu tun
habe. Kurz darauf erhielt ich nochmals eine Portion Chloroform, worauf er
mich hier vor Deiner Haustüre freiliess. "Kannst Du Dich an das Aussehen des
Mannes erinnern?" "Nein, schliesslich war er maskiert. Einzig seine markante
Grösse fiel mir auf. Zudem hatte er einen leichten französischen Akzent und
duftete sehr angenehm." "Das ist ja immerhin etwas." Aber Roland Bohnenblust
konnte sich noch immer keinen Reim auf die Geschichte machen.
Als Kommissar Nussbaum seinen Assistenten sah, traute er seinen Augen
nicht. Marcel Glatzmann war stockkanonenvoll! Er konnte so weder auf ihn
zählen, noch mit ihm den Fall besprechen und schickte ihn ganz einfach nach
Hause. Nussbaum war auf sich alleine gestellt. Er wusste, dass es jetzt
gefährlich werden konnte und informierte vor seinem erneuten Gang ins
Mattequartier Korporal Benno Leuenberger von seinen (vagen) Absichten. Nach
seinem Abgang parkierte er den Wagen in der blauen Zone unterhalb der
Münsterplattform. An dieser Stelle stürzte Alfred X. Gilgen in den Tod. Als
er sich im Restaurant Zähringer einen Kaffee bestellte, glaubte er zu
träumen. Am hintersten Tisch, leicht verdeckt aus seinem Blickwinkel, sass
sein Assistent Marcel Glatzmann, der sich angeregt mit einem Mann
unterhielt. Im Gegensatz zu vorhin, als Glatzmann stark angetrunken in
seinem Büro auftauchte, schien Glatzmann jetzt alles andere als verladen.
Leise und scheinbar unbemerkt diskutierte er mit einem äusserlich
ungepflegten Jüngling. Ging sein Assistent plötzlich eigene Wege? Oder
wusste er etwas, was er ihm verschwieg? Adrian Nussbaum bezahlte am Buffet
und beschloss, vor dem Zähringer auf seinen Assistenten zu warten.
Als Glatzmann eine halbe Stunde später alleine aus dem Restaurant trat,
entschied Nussbauch sich für eine Beobachtungstaktik. Auf leisen Sohlen
folgte er seinem Assistenten durch die niedrigen Lauben der Matte. Auf der
Höhe der Post betrat Glatzmann einen Hauseingang. Mit einem Feuerzeug
beleuchtete er die Namensschilder und wurde fündig. Nussbaum beobachtete ihn
und folgte ihm ins nicht abgeschlossene Treppenhaus. Als er dort eintrat,
hörte er gerade noch, wie sich eine Wohnungstür schloss. Er vermutete, dass
Glatzmann in einer der beiden Hochparterre-Wohnungen war. Statt am Eingang
zu warten, versuchte er über den Garten die niedrigen Balkone zu besteigen.
Aus der einen Wohnung drangen harte und laute Gitarrenklänge in abgehacktem
Stakkato-Takt. Im anderen Appartement brannte lediglich Licht. Als
ehemaligen Stabhochspringer war es für Nussbaum ein leichtes Unterfangen,
den Balkon der zweiten Wohnung zuerklimmen. Rasch duckte er sich, und spähte
Sekunden später in die grosszüge Wohnstube. Und was er da sah, verschlug ihm
beinahe den Atem...
Am nächsten Tag wurden in der "Baumkrone" exklusiv die Namen der Geldgeber
veröffentlicht, die den Bau des Matte-Parkhauses finanziell unterstützten.
Und es waren einige Überraschungen dabei. So zum Beispiel der Unternehmer,
der sich bislang immer gegen das hohe Verkehrsaufkommen in der Matte wehrte,
täglich mit dem Fahrrad durchs Quartier radelte, alle freundlich grüsste und
somit gute Miene zum bösen Spiel machte. Oder der Restaurateur, der sich
stets auf die Seite der Verkehrsplaner stellte, die ein totales
Matte-Fahrverbot vorschlugen. Zumindest hinter vorgehaltener Hand. Zu guter
Letzt, und das war die grösste Überraschung, stellte sich selbst der
Verfechter und Initiant der "Aktion verkehrsfreie Matte jetzt" und Präsident
der Matte-Verinigung als einer der spendabelsten Geldgeber und Unterstützer
des Parkhauses heraus. Das konnte ja heiter werden!
Bereits um 7.30 Uhr erschien Kommissar Adrian Nussbaum in seinem Büro am
Waisenhausplatz. Er konnte immer noch nicht glauben, was er gestern Abend
gesehen hatte. Jetzt war Handeln angesagt. Ohne jemanden anders über seine
Ergebnisse zu informieren, legte er sich seine Strategie zurecht. Nach einer
halbe Stunde erschien Glatzmann mit einem erstaunlich frischen "Hallo Nüssu"
und steuerte geradewegs auf seinen Boss zu. "Jetzt haben wir sie, diese
Schlaumeierin!" Glatzmann legte Nussbaum triumphierend einen Haftbefehl auf
den Pult. Der Kommissar kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und liess
einen kurzen, dumpfen Schrei los: "Was, Du willst Madeleine Loosli
verhaften, spinnst Du?" "Im Gegenteil, mein lieber Freund, ganz im
Gegenteil. Diese hinterlistige Architektin hat ihre Finger überall im Spiel,
ist verwickelt in den Umbau des Microp-Projektes und hatte auch beim Neubau
"Parkanlage Matte" die Finger im Spiel." "Aber wieso willst Du sie verhaften
lassen?" "Weil sie höchstwahrscheinlich die Briefbomben-Attentäterin ist.
Wir haben ihre Fingerabdrücke auf dem Couvert gefunden und können sie
deshalb in U-Haft stecken." Nussbaum traute seinen Ohren nicht und musste
seinem Assistenten rein rechtlich zustimmen. Er durfte jetzt keine Zeit
verlieren, lobte Glatzmann und schickte ihn los, Madeleine Loosli zu
verhaften.
Roland Bohnenblust war ausser sich. Er schrie, schlug um sich und konnte
nicht fassen, was da geschah. Zuerst wurde seine geliebte Freundin entführt,
und nun wurde sie von diesem minderwertigen Vize-Kommissar verhaftet.
Madeleine hatte sich noch nicht einmal von ihrer eigenen Entführung erholt,
da wurde sie ins Gefängnis gesteckt. Sie war zu schwach, um überhaupt zu
reagieren. Als der Streifenwagen mit der Architektin davonfuhr, sprach der
Gärtner bereits mit Kommissar Nussbaum und wollte sich beschweren. Der
Federführende in den Fällen "Microp" und "Parkanlage Matte" sprach behutsam
auf den völlig verwirrten Gärtner ein. 20 Minuten später sassen sie im
Mülirad. "So, Herr Bohnenblust, jetzt verzweifeln sie mal nicht. Wir stehen
kurz vor der Auflösung des Falls!" Roland starrte ihn nur verwundert an und
war sprachlos. "Hören Sie jetzt gut zu, sie werden staunen:"
Und der findige Kommissar begann zu erzählen: "Also, beginnen wir mal ganz
von vorne. Angefangen hat alles mit der Aufruhr wegen des Umbaus dieser
Microp-Filiale in eurem Haus. Doch dies war ein reines Ablenkungsmanöver.
Die Microp-Bosse sind dem cleveren Architekten auf den Leim gegangen. Es
ging zu keinem Zeitpunkt um den Umbau! Gilgen hatte ganz andere Pläne.
Schliesslich ist ein Umbau weitaus weniger attraktiv als ein neues Projekt."
"Was wollen Sie damit sagen?" "Warten Sie's ab! Der ganze Rummel hätte
eigentlich von Gilgen geschickt inszeniert werden sollen. Aber es unterlief
ihm dabei ein entscheidender Fehler. Er verplapperte sich und anstatt, dass
die ganze PR-Kampagne von ihm höchstpersönlich lanciert wurde, kam das
Projekt früher und in einer ganz anderen Fassung an die Öffentlichkeit. So
wurde Gilgen zum Buhmann und musste flüchten." Roland Bohnenblust begriff
überhaupt nichts mehr. "Aber wer in aller Welt hatte ein Problem mit diesem
Fettbrocken?" "Jetzt halten Sie sich fest: Kennen Sie meinen Kollegen
Glatzmann? Er hat Gilgen die Wagenpark-Chefin Gudrun Nöthigenfels
ausgespannt! Ausserdem schuldete Gilgen ihm aus früheren Zeiten noch
ziemlich viel Flüssiges. Glatzmann war zu 100% mit diesem Fall vertraut,
konnte seine ganze Macht ausspielen und veranlasste, dass sein Kontrahent so
richtig ins Fettnäpfchen trat. Als Gilgen das Spiel von Glatzmann und
Nöthigenfels durchschaute, kehrte er in die Schweiz zurück. Eine halbe
Stunde nachdem er über die Münsterplattform stürzte, wollte er sich mit mir
treffen und singen. Jemand wusste davon, knöpfte ihn sich vor und brachte
ihn um, indem er ihn kaltblütig über die "Pläfe" stiess." "Grosser Gott, wer
hat ihn denn umgebracht?" "Ein Verbündeter von Glatzmann und Nöthigenfels,
Joe Le Sentier der Hotelier. Er ist Sektionschef der Wagenpark GmbH Jura und
ein ehemaliger Schulfreund Gilgens. Zusammen planten Sie das Grossprojekt
"Parkanlage Matte". Aus diesem Grund übernachtete Gilgen auch im Jura, als
er von Deutschland in die Schweiz zurückkehrte. Nöthigenfels köderte aber Le
Sentier mit viel Geld und brachte ihn schliesslich dazu, den Fettbrocken zu
töten. Auch der Hotelier hatte Schulden und war demnach auf die Kohle
angewiesen." Der Gärtner staunte nur noch und brachte kein Wort mehr hervor.
Nussbaum fuhr fort. "Doch niemand rechnete mit dem schlauen Reporter
Lustfeld. Dieser recherchierte und fand heraus, dass am Bau dieser
Parkanlage etwas faul war. Und dann kam der hinterhältige
Briefbombenanschlag." Bohnenblust unterbrach ihn. "Und wieso muss jetzt
meine Madeleine ins Gefängnis?" "Muss sie mit Sicherheit nicht. Die
Fingerabdrücke auf der Briefbombe wurden von Glatzmann manipuliert. Er war
es, der dieses feige Attentat ausführte. Schliesslich hatte er jahrelang
gesehen, wie man so etwas macht. Und Le Sentier hatte den Auftrag, ihre
Freundin zu entführen und kurze Zeit später wieder freizulassen. "Und was
machen wir jetzt?" fragte der noch sichtlich verwirrte Gärtner, als Nussbaum
mit Erzählen aufgehört hatte. Nun, wir holen Ihre Freundin raus, fahren mit
Verstärkung in die Matte, und holen die drei Kollegen in der Wohnung von
Gudrun Nöthigenfels ab...Ende
Nachrichten vom Verein
Unser Aufruf im letzten Frühsommer für Spenden und Gönnerbeitrage für die
Sanierung des Matte-Wöschhüsi ist auf ausserordentlich gutes Echo gestossen.
Innert kurzer Zeit haben wir Zusicherungen für den für die Sanierung
notwendigen Betrag erhalten. Wir danken hiermit nochmals allen, die uns bei
der Erhaltung dieses wertvollen historischen Gebäudes mithelfen.
Ebenfalls im Sommer konnte der Mietvertrag mit der Erbengemeinschaft
Stirnemann abgeschlossen werden. Die Eigentümer verzichten, da wir den
Aufwand für die Sanierung übernehmen, während 15 Jahren auf eine Barmiete.
Das heisst, dass während dieser Zeit ausser der Amortisation keine weiteren
laufenden Kosten mehr die Betriebsrechnung belasten. Dies ist sicher eine
für beide Seiten sehr befriedigende Lösung.
Am 5. August 1997 haben 19 Interessierte im Park neben dem Gebäude den
Verein Matte-Wöschhüsi als Trägerschaft für das Projekt gegründet.
Unterdessen ist der Verein bereits auf mehr als 50 Mitglieder angewachsen.
Während des Matte-Festes Ende August hat der Verein auch seine erste
Bewährungsprobe bestanden: Im Wöschhüsi haben wir eine Kaffeestube, auf dem
Platz nebendran eine Fisch- und Getränkebeiz mit angeschlossenem
Souvenirstand organisiert. Über 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben
mit ihrem begeisterten und unermüdlichen Einsatz geholfen, das
Sanierungsbudget gewaltig aufzubessern. Wir haben soviel Geld
erwirtschaftet, dass wir bereits jetzt die für später geplante
Toilettenanlage einbauen können.
Am 17. Oktober fand eine weitere Bewährungsprobe des Vereins und des
Gebäudes statt: Beinahe alle, die während des Mattefestes mitarbeiteten,
haben sich im Wöschhüsi zu einem Abschlussbankett getroffen. Der Begriff
Bankett ist wirklich nicht übertrieben: Jacqueline Vuillien hat 35 Personen
mit einem phänomenalen 6-gängigen Menu überrascht. Und dies, obschon noch
gar keine Infrastruktur vorhanden war! Wir danken ihr nochmals ganz
herzlich.
Damit Sie sich ein besseres Bild von den Arbeiten am Gebäude und unseren
Plänen für die Zukunft machen können, laden wir Sie ein zu unserem Tag der
offenen Türe am 29. November 1997.
Nachdem die Sammlung für die Renovation des Wöschhüsis schon sehr gut
gelaufen ist, brachte der finanzielle Erfolg des Matte-Festes noch den
letzten Schliff. Es ist daher dem Vorstand des Wöschhüsi-Vereins leicht
gefallen, den Startschuss zum Baubeginn zu geben. So haben wir am 24.
September 1997 mit den Arbeiten begonnen. Den Boden liessen wir schon vor
dem Matte-Fest ins Blei setzen. Abgesehen von einigen bei Umbauten normalen
Überraschungen - der Kamin im Innern fiel zum Beispiel einfach in sich
zusammen - gehen die Arbeiten planmässig voran. Das Innere ist im Rohen
ziemlich fertig, die Treppe zum Estrich ist montiert, der Estrich isoliert
und mit einem neuen Boden versehen. In der dritten Novemberwoche werden die
neuen Fenster angeschlagen. Parallel dazu wird die Zuleitung für das Wasser
und die Ableitung für das Abwasser erstellt. Sobald die Baubewilligung da
ist, wird mit dem Einbau der Toilette begonnen, so dass bis Weihnachten bis
auf die Malerarbeiten der Innenausbau ziemlich fertig sein sollte.
Die Renovation des Ausseren - Spenglerarbeiten und Dachsanierung - wird im
Verlaufe des Winters erfolgen, ebenso das Montieren von neuen Jalouiseladen
und der neuen Eingangstüre.
Ich hoffe, dass der Schwung bei der Realisation unseres eigenen Lokals
auch bei der Benützung weitergehen wird.
Während der letzten zwei Jahre haben die beiden Redaktorinnen Andrea
Denier und Pia Burkhalter die Mattezytig mit Elan gestaltet. Leider haben
sich beide im letzten Sommer entschieden, ab nächstem Jahr das Amt
abzugeben. Wir bedauern dies, haben aber auch Verständnis dafür, dass sie
ihre Zeit anders nutzen wollen. An dieser Stelle möchten wir beiden für
ihren Einsatz ganz herzlich danken.
Und wie geht es jetzt weiter?
Die Unterzeichnenden haben sich entschlossen, als Koordinationsteam die
Mattezytig weiter zu entwickeln. Damit die Zeitung für das Quartier
attraktiver wird und ihrer Aufgabe als Kommunikationsmittel zwischen Leist,
Vereinen, Gewerbe und Bevölkerung besser gerecht werden kann, wollen wir sie
in verschiedene Rubriken aufteilen. Diese Rubriken werden von einzelnen
Mitgliedern eines Redaktionsstabes betreut. Die Mattezytig soll als
"Quartalszeitung" viermal jährlich erscheinen.
Zur Zeit haben wir Rubriken aus der nachfolgenden, provisorischen und
unvollständigen Liste geplant:
Die Konzeptarbeiten sind zur Zeit im vollen Gange. Wir nehmen gerne Anregungen auf und freuen uns auch, wenn sich jemand für die Betreuung einer oder mehrerer Rubriken meldet. Wir hoffen, dass Sie Ihre "neue" Mattezytig im März 98 mit Spannung erwarten.
Nach dem grossen Auftritt der kleinen Kapelle Felsenburg auf der grossen
Bühne am grossen Rattefestival sendete am 27. September 1997 das Fernsehen
DRS in der Sendung Muuh unter der Leitung von Bernhard Baumgartner einen
Beitrag über die Matte und die vier Musiker Thüler Käru, Bätscher Housi,
Burri Fridu und Margot Res. Die Musiker hätten gerne spielend den
Fernsehzuschauern die Matte vom Schiff aus vorgestellt. Drei Tage nach der
Vorbereitungssitzung teilte Bernhard Baumgartner mit: "die ganze
Weidlig-Fahrt müssten wir nach meiner genauen Analyse rund 10-12mal
absolvieren und noch 2-3 mal für die Aufnahmen von der Nydeggbrücke und vom
Ufer aus, als Gegenschnitte und Totelen". Darum musste leider Käru's Idee
fallen gelassen werden.
So wurde halt am Ufer, in der Felsenburg, im Nydegghöfli, auf dem Läufer-
und Mühliplatz, vor dem Haus Gerberngasse 6 vor dem Mühlirad gedreht. Dabei
wurde natürlich auch das Matteänglisch vorgestellt.
Die Musiker hatten an der Fernsehsendung grosse Freude und sind natürlich
auch Stolz über die vielen Gratulationen die sie bekommen haben. Viele
Zuschauer bemängelten nur, dass die Musik nicht länger gespielt wurde. Die
Kapelle holt das gerne nach, z.B. an der Zibele-Fuer am Sonntag, 23.
November im Bürgerhaus, wo zusammen mit der Stubemusig Rechsteiner zum Tanz
aufgespielt wird.
Fridu Hartmann gehört zu den ältesten Mätteler, er erzählt am Stammtisch
im Mühlirad:
"Zungerscht unger ar Brunngass unger,
het ä Hung unger em Brunne ä Lunge gfunge!
Är het se grad verschlunge!"
"Dr Iusihe u dr Iruke iihe ds Isire ibeletkre.
Dr Iruke am Iggere,
Dr Iusihe am ....!"
"D Iuefre vo dr Ittume igetre irnge ä Irgeme-Ickre!"
Wenn alt Fuhrer Fridu das Mühlirad betrat, erfreute er oft mit folgendem
gesungenen Reim die Leute:
"Wie maches de die Fischeli,
im Bi-ba-Bodesee?
Si wädle mit äm Schwänzeli,
u streckens in die Höh!
U weni de mis Schätzeli,
im churze Hemmli gseh,
de geits mer wi de Fischeli,
im Bi-ba-Bodesee."
Samstag, 13. Dezember 1997 um 20 Uhr in der Nydeggkirche
...Die Frau, die für die Sonne tanzt,
fragte für mich nach dem Weg
und bringt mich heim...
...so steht es im Text eines Gospels. Erfrischend und aufheiternd ist sie
immer wieder, die Bildersprache, in diesen geistlichen Liedern. Ob nun in
Balladen oder in beschwingtem Rhythmus berühren sie uns in unserem Innern
und kitzeln uns die Seele.
Ja, auch dieses Jahr haben wir wieder ein abwechslungsreiches Programm für
die Mattebewohner und weitere Besucher zusammengestellt. Das Echo auf unser
Konzert im letzten Jahr war so erfreulich - unzähliche strahlende Augenpaare
haben uns überhäuft mit Komplimenten - das hat uns natürlich sehr ermutigt
und ermuntert, für dieses Mal wieder etwas Neues ins Programm einzubauen.
Lassen Sie sich überraschen.
Die Musiker brauche ich sicher nicht mehr weiter vorzustellen.
Mattebekannt sind sie mehr oder weniger. Bänz, der übermütige Drummer, der
nicht drum herumkam, eine Zugabe zu seinem Schlagzeugsolo zu geben. (Nachher
hatte er richtig Herzklopfen). Hans Peter, der fast "versprützt" vor Energie
am Klavier, und seine Finger seinen, im Schnellzugstempo einfahrenden
musikalischen Einfällen, fast nicht nachkommen. Res, der zuverlässige und
sichere Bassist , der ohne sein Muugigeli in der Jackentasche sehr
unglücklich wäre und versichert, er spiele nur Bass, wenn er auch auf seinem
kleinen Instrument solieren könne. Und Ruth, mit ihrer dunklen, für den
Gospelgesang sehr geeigneten Stimme, wird wieder singen "Where could I go
but to the Lord."
Wir freuen uns, wenn Sie auch dieses Jahr wieder kommen und die Musik mit
uns geniessen. Der Eintritt ist frei. Am Schluss gibt es eine Kollekte.
Die Musiker:
Hans Peter Graf, Klavier und Orgel
Bänz Margot, Drums, Vibraphon
Res Margot, Kontrabass und Bluesharp
Ruth Margot, Gesang
Leitung: Pfarrer M. Suter