Matte-Zytig April 1996
Wie die Jungfrau zum Kind
oder wie ich zur Redaktion der Matte-Zytig kam
Seit frühster Kindheit muss ich mich damit abfinden: ich bin einfach kein Morgenmensch.
Alle die mich je an einem Morgen erlebt haben, können ein Lied davon singen. Noch
Stunden nach dem Aufstehen befinde ich mich in einer Art Dämmerzustand, kann mehr
schlecht als recht Denken, mein Hirn will einfach nicht so recht auf Touren kommen.
Will mich jemand zu irgendetwas überreden, ist dies bestimmt der günstigste Zeitpunkt,
er benötigt dazu keine grossen Überredungskünste. Die Hirnhälfte, die allfällige
Gegenargumente produzieren würde, befindet sich noch in gnädigem Schlummer.
So kam es, dass ich mich - eigentlich hätte ich mich ja beeilen sollen, da ich
zu spät dran war - eines morgens im grauen Monat November in besagtem Zustand auf
den Weg zur Arbeit ins Fürsorgeamt der Stadt Bern machte. Mehr oder weniger im Schneckentempo
schleppte ich mich von der Wasserwerkgasse in Richtung Mattelift, inständig hoffend,
keiner mir bekannten Menschenseele zu begegnen. Doch weit gefehlt, auf halbem Weg
schreckt mich ein mir halbwegs bekannter grossgewachsener Herr mit Hut - René Stirnemann,
der Präsident des Matte-Leist - aus dem Halbschlaf und verwickelt mich nach einem
kurzen einleitenden Geplänkel in ein Gespräch mit etwa folgendem Inhalt: Der Matte-Leist
könnte so "tolle attraktive" Frauen wie mich brauchen, insbesondere fehlte der Matte-Zytig
eine "kompetente" Person, da das bisherige Redaktionsteam auf Ende Jahr die Arbeit
an den Nagel hängen würde. Natürlich fühlte ich mich - trotz früher Morgenstund
- gebauchpinselt, solche Anfragen - und Komplimente erst recht - erhält Frau schliesslich
nicht alle Tage. Für ein kategorisches Nein war der Tag entschieden noch zu jung
und ich schlicht noch nicht wach genug. So gab ich René Stirnemann mit der Bemerkung,
ich würde mir die Sache überlegen, meine Telefonnummer. Still dachte ich für mich,
hoffentlich vergisst er es, ich bin doch dafür nicht die richtige Person. Doch mit
der Hartnäckigkeit des Matte-Leist-Präsidenten hatte ich nicht gerechnet: bereits
am nächsten Tag klingelte das Telefon und René Stirnemann luchste mir ein Rendez-vous
ab. Wir trafen uns einige Tage später in einer Berner Beiz. Bei einer Flasche Wein
folgten weitere Überzeugungsversuche. Ich gab mich vordergründig bedeckt und zog
sämtliche Register. Allerdings fruchteten alle vorgebrachten Gegenargumente wie,
dass ich doch erst seit knapp zwei Jahren in der Matte wohnte, über keinerlei für
eine solche Aufgabe nötigen Kontakte zu alten wie jungen Mättelern verfügte und
mit meinen 27 Jahren wohl etwas zu jung dafür sei, keine Ahnung vom Zeitungs-Handwerk
hätte und schliesslich doch nicht so furchtbar attraktiv sei etc., nicht. Nach zwei
Stunden gab ich mich geschlagen. Ich sprang ins kalte Wasser und sagte zu. Insgeheim
muss ich jedoch gestehen, dass mein Ehrgeiz - der allen Steinbockgeborenen ja eigen
sein soll - schon früh erwacht war. Dieser Herausforderung konnte ich wohl kaum
widerstehen, und erst recht nicht, wenn sie mir ursprünglich frühmorgens zugetragen
wurde.
Ja, so kam ich also quasi wie die Jungfrau zum Kind zur Matte-Zytig. Bis zur
heute vorliegenden Ausgabe war es dann allerdings noch ein weiter Weg: viel Unsicherheit
war zu beseitigen, neue Ideen waren zu entwickeln und vor allem war die gesamte
Organisation zu bewältigen. Heute stelle ich nun mit Freuden fest: die ganze Sache
macht grossen Spass; und so hoffe ich beim Lesen der neusten Ausgabe der Matte-Zytig
auch Ihnen!
Mit einem Augenzwinkern
Ein hektischer Tag in der Schweizerischen Krebsliga. Dringendst sollte ich die Unterlagen für eine wichtige Veranstaltung zum Versand vorbereiten. Doch siehe da, am Kopierer herrscht einmal mehr Stau. Leicht genervt schliesse ich mich der Schlage an und schaue - ich arbeite noch nicht lange hier - in die wartende Runde. Und da fällt mir ein Gesicht auf: Susi Lanz, die ich flüchtig vom Sehen in der Matte kenne. Offensichtich bin auch ich für Sie keine Unbekannte, da sie spontan auf mich zukommt. Zur Verkürzung der Wartezeit begannen wir zu plaudern. Irgendwie kamen wir aufs Thema Freizeitbeschäftigung; und Susi Lanz meinte, sie habe mir da einen heissen Tip: der Matte-Leist, der suche immer aufgestellte, initiative Leute. Den Matte-Leist kannte ich zwar nur vom Hörensagen und dies vor allem durch die Matte-Zytig, die ich seit ich anfangs 1994 in die Matte gezogen war, regelmässig las. Der Idee, mich in meinem Quartier zu engagieren, war ich grundsätzlich nicht abgeneigt, ist es mir doch ein wichtiges Anliegen, mich dort auch wohl zu fühlen und immer neue Kontakte zu knüpfen. So gab ich Susi Lanz meine Telefonnummer. Irgendwie gelangte diese dann in den Besitz von René Stirnemann, der mich kurz darauf kontaktierte und einlud. An einem frühwinterlichen Abend besprachen wir dann die ganze Angelegenheit eingehender. Meine Aufgabe würde demnach darin bestehen, im Redaktionsteam der Matte-Zytig mitzuwirken. René Stirnemann verstand es wirklich bestens mich zu umgarnen und so blieb mir gar nicht viel anderes übrig als zuzusagen und mich dem Abenteuer Matte-Zytig zu stellen. Und das wars dann. Seither hätte ich niemehr ein Problem damit gehabt, meine Freizeit sinnvoll zu gestalten!
Es war und ist immer noch die Liebe zur Musik. Nach dem Studium begann ich, wieder
mehr für mich allein Gitarre zu spielen. Nach einiger Zeit bekam ich die Anfrage,
bei einer Band mitzuspielen. Einer der Musiker empfahl mir, meine Kenntnisse etwas
aufzufrischen und Unterricht zu nehmen. So kam ich zur Folkmusik-Schule Bern FMSB.
Dort wurde ich in den Vorstand des Trägervereins berufen und nach dem Umzug in die
Matte (alte Stadtmühle) zum Präsidenten gewählt.
René Stirnemann lernte ich anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der FMSB kennen.
Unser erstes Treffen stand nicht unter dem günstigsten Stern. Er war nicht sehr
erfreut darüber, dass wir unseren Anlass auf dem Mühlenplatz durchführten, ohne
dass ich den Matte-Leist informiert hätte!
Das nächste Mal kamen wir anlässlich des Ratte-Festivals vom letzten Sommer wieder
in Kontakt. Die Idee, einen Tag der offenen Türen in der ehemaligen Stadtmühle durchzuführen,
wurde auf die ganze Matte ausgebreitet und fand am Ratte-Festival unter dem Slogan
"Open Doors" statt.
Kurz nachdem dieser Anlass erfolgreich über die Bühne gegangen war, erhielt ich
von René Stirnemann die erfreuliche Anfrage, ob ich nicht im Vorstand des Matte-Leist
mitwirken möchte. Dieses Angebot nahm ich voller Freude an und wirke nun als Vorstandsmitglied
und Verantwortlicher für die Inserate-Werbung der Matte-Zytig mit.
Nach heftigen und ergiebigen Regenfällen schien heute erstmals nach 14 Tagen
wieder die Sonne. Und die Leute kamen aus ihren Löchern wie die Murmeltiere. Im
Plattform-Café war weit und breit kein freier Platz mehr, auf der Zähringer-Terasse
unterhielten sich die Gäste sichtlich gelöst und befreit und auf der Fischerstübli-"Parkterrasse"
konnte man endlich die berühmte Abendsonne geniessen.
Georg Lang sah sich um und zog nervös an seinem Glimmstengel. Der drahtige Mitvierziger
sah überarbeitet aus. Er hatte sehr viel Energie verbraucht und konnte sich jetzt
keine Ausrutscher mehr leisten, wenn er seinen Manager-Posten nicht verlieren wollte.
Unruhig beobachtete er seine beiden Tischnachbarn. Zwar sassen an diesem lauen Frühlings-Abend
sehr viele Leute um sie herum, an ihrem Tisch waren sie aber allein. Und wenn sie
leise miteinander sprachen, konnte man sie bestimmt nicht belauschen. Er räusperte
sich, um die Aufmerksamkeit seiner Mitstreiter auf sich zu lenken und begann mit
gesenkter Stimme: "Also, hören Sie mir bitte zu. Sie wissen alle, um was es heute
geht. So wie es aussieht müssen wir uns auf einen ziemlichen Protest-Sturm gefasst
machen, schauen Sie sich nur diese Leute an. Wenn das nun das typische Matte-Volk
ist, dann gute Nacht!"
Alfred X. Gilgen war schwer, schwer reich. Und süchtig; süchtig nach noch mehr
Geld und vor allem Macht. Ihm gehörten nicht nur Dutzende von Liegenschaften im
ganzen Kanton Bern, sondern neuerdings auch das alte Sandsteinhaus an der Wasserwerkgasse.
Den Behörden hatte er angegeben, er wolle es sanft renovieren lassen, und den Mietern
hatte er versprochen, dass sie ihre Wohnung nicht aufgeben müssten, die Mietzinserhöhung
betrage höchstens 10 %.
Madeleine Loosli war jung. Und sie wollte erfolgreich werden. Vor 2 Jahren hatte
sie an der ETH Zürich als Architektin mit den besten Resultaten abgeschlossen. Nachdem
man sie in einem Aarauer Architektur-Büro über's Ohr gehauen hatte, beschloss sie,
neu anzufangen. Und damit sie niemand linken konnte, ging sie lieber einen steinigen
Weg und gründete ihre eigene Firma. Nach einigen, bisher wenig lukrativen Aufträgen,
war sie jetzt ganz nah dran, einen dicken Fisch an Land zu ziehen.
Manager Lang fuhr fort: "Wie steht's mit dem Baugesuch, Frau Loosli?" Gilgen
mischte sich mit einem süffisanten Lächeln ein: "Dafür werde ich schon sorgen, aber
erst dann, wenn es Schwierigkeiten gibt." Sein fettleibiger Körper begann zu wackeln,
wenn er redete. Und seine tiefe Bassstimme zitterte vor Ueberzeugungskraft. Keine
Frage, da war ein Polterer am Werk, ein mächtiger zudem, der allem Anschein an vor
nichts zurückschreckte. "Wenn alles termingerecht weiterläuft, können wir Ende Mai
anfangen. Aber Sie kennen ja die Behörden." Madeleine Loosli wollte sich nicht von
diesem Elefanten dreinreden lassen. Sie war überzeugt, dass ihrem Baugesuch stattgegeben
würde. Zumindest sah es bisher ganz danach aus. "Und wie sieht es mit den Mietern
aus", wollte Lang jetzt noch wissen. "Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe sie
genau unter die Lupe genommen. In diesem Haus gibt es keine Herrensöhnchen, Töchter
von einflussreichen Politikern oder Leute, die wirklich etwas zu sagen haben. Nicht
umsonst habe ich ihnen genau diese Liegenschaft empfohlen. Die Bewohner des Hauses
sind ausschliesslich Taugenichtse, Studenten, sogenannte Künstler, Möchtegern-Marketing-Fritzen
und ähnliches Pack." Gilgen schien sich seiner Sache sicher zu sein. Und er wusste
haargenau, wie diese Leute waren: Faul, unfähig und inkompetent, und zwar in jeglicher
Hinsicht.
Georg Lang traute diesem Immobilien-Hai nicht über den Weg. Erstens, weil sich
in letzter Zeit etliche Liegenschafts-Heinis als wirtschaftlich unfähig erwiesen
hatten, zweitens, weil ihm dieser übergewichtige und ungepflegte Fettkloss unsympathisch
war und drittens, weil er wusste, dass Alfred X. Gilgen für sein "Imperium" keinen
Finger krümmen musste. Er hatte die "Gilgen Invest & Consulting AG" von seinem vor
einem Jahr verstorbenen Onkel Hermann übernommen. Als Arbeitsloser kam er somit
wie die Jungfrau zum Kind. Und er war noch skrupelloser als sein Onkel. Aber was
sollte Lang tun? Nach zwei gescheiterten Projekten und einem Fast-Rauswurf, war
das "Matte-Projekt" die berühmte letzte Chance, es nochmals zu packen. Falls es
hier nicht klappen sollte, würden sie ihn rausschmeissen, das wusste er.
Das alte Sandsteinhaus an der Wasserwerkgasse sollte sanft renoviert werden.
So stand es auf jeden Fall im Brief der Liegenschaftsverwaltung. Von einer Mietzinserhöhung
war nur am Rande die Rede, so dass sich die Mieter vorerst keine weiteren Sorgen
machten. Das Haus war auf 5 verschiedene Parteien aufgeteilt. Auf 3 Etagen gab es
jeweils 2 Wohnungen, nur das Hochparterre wurde in eine riesige 7-Zimmer-Loge umfunktionert.
Erstaunlicherweise kamen praktisch alle Bewohner gut miteinander klar und so verwunderte
es kaum, dass an diesem Samstag ein Hausfest organisiert wurde. Patin dieses Anlassses
war die junge Pianistin Kim Mc Sullivan. Sie bewohnte mit ihrem Freund XXXX XXXXXX
eine der zwei obersten Wohnungen und war erst seit 6 Monaten in der Schweiz. Die
beiden hatten sich auf der wunderschönen Banks Peninsula in der Nähe von Christchurch
beim Delphinbeobachten kennengelernt. XXXXXX war auf einer Reise durch den Süden
Neuseelands. Noch während seiner Ferien beschlossen sie, in Zukunft gemeinsame Wege
zu gehen. Neben ihnen hausten die Geschwister Nora und Tamara Hürlimann: Die beiden
Zwillinge waren nur mit Mühe auseinanderzuhalten und so kam es dauernd zu Verwechslungen.
Nora arbeitete als Journalistin und Tamara war irgend eine PR-Tante in einer renommierten
Agentur in Bern. Ein Stockwerk weiter unten wohnte der irre Schlagzeuger Alfred
Balsthaler alias Al Ballister (ein Künstlername). Es gab Tage, bzw. Nächte, da trommelte
dieser verrückte Jung-Geselle 5 - 6 Stunden nacheinander auf sein Drumkit ein, was
sogar den tolerantesten Mitbewohnern manchmal zu viel des Guten war. Seine Nachbarin
Yvonne Sprzlfyzck, eine Geologie-Studentin polnischer Abstammung, hatte den Tick,
in 2 von ihren 3 Zimmern tausende von gesammelten, angeblich wertvollen Steinen
aufzustellen. Sie war verrückt nach diesem Zeug und ehrgeizig bis in die Zehenspitzen.
Ein Wunder, dass sie nicht auch noch in einem selbst gebastelten Bachbett schlief...
Die unterste Etage, eine Art Hochparterre mit einem herrlichen Garten-Sitzplatz
direkt an der Aare, wurde von einer 5-köpfigen WG bewohnt. Gritta Schlindwein unterrichtete
am Seminar Muristalden, der bärtige Johann Sprüdaiser war gelernter Bildhauer und
schlug sich als Künstler durch's Leben, Hertha Brülisauer war Westschweiz-Korrespondentin
des St. Galler Tagblatts, Roland Bohnenblust betätigte sich als Gärtner, während
die Walliserin Rita Karlen in der Matte-Post den Tarif durchgab.
Nichtsahnend feierte diese unbeschwerte Gesellschaft an diesem Samstag ein rauschendes
Fest mit Freunden und Bekannten. Schliesslich war es nicht selbstverständlich, dass
alle Parteien so gut miteinander auskamen. Und Nachbaren kannten Sie nur vom Hörensagen.
Auf der einen Seite thronte das Wasserwerk (an diesem Samstag versuchten sich die
Bewohner und Gäste des Sandsteinhauses mit der Crossover-Band im Wasserwerk gegenseitig
in Dezibel-Werten zu übertreffen) und die nächsten Bewohner auf der anderen Seite
wohnten 50 Meter Aare-abwärts.
Wenn es allerdings nach dem Willen von Immobilienhai Gilgen ging, war dies die
Abschlussparty dieser fröhlichen Gesellschaft. Er plante nämlich zusammen mit Architektin
Loosli und Manager Lang in besagter Liegenschaft eine Filiale des mächtigen Grossverteilers
MICROP zu eröffnen. Die hohen Räume waren geradezu prädestiniert, die Lage ausgezeichnet
und die Umbaukosten hielten sich im Rahmen. Viele ältere "Mätteler" hatten sich
schon immer beschwert, dass man im Quartier nirgends richtig einkaufen könnte. Höchste
Zeit also, an der Wasserwerkgasse eine Filiale zu lancieren.
Lesen Sie in der nächsten Matte-Zytig, wie die BewohnerInnen und die Bevölkerung
in der Matte auf dieses Vorhaben reagierten.
Zusammen mit dem Einzahlungsschein für den (unveränderten) Jahresbeitrag 1996
wird das Protokoll allen Leist-Mitgliedern zugestellt werden.
Der komplette Jahresbericht des Präsidenten kann velangt werden. Auszugsweise
daraus:
Das Ratte-Festival vom 2.9.1995 schloss wider Erwarten mit einem kleinen Gewinn
ab, obwohl wir eher mit einem Defizit rechneten (ohne "Eintrittspreise", jedoch
mit Fr. 1.-- Konsumationszuschlag). Wegen "Nichteinhalten der Spielzeit" wurde der
(verantwortliche) Präsident zu einer Busse von total Fr. 210.-- verurteilt. Nach
reiflicher Ueberlegung wird er die Strafe nicht "absitzen"!
Zu den Verkehrs-, Parkplatz- und Lärmproblemen (führten unter "Diversem" zu Diskussionen)
suchen wir laufend, in Zusammenarbeit mit Stadt, mit Clubs und Restaurants der Matte,
nach Verbesserungen. So wurde erst kürzlich gemeinsam ein "Kodex" erarbeitet, wonach
nicht nur "Türsteher" sondern u.a. zusätzlich Besucher über Handzettel aufgefordert
werden, unser Quartier möglichst ruhig zu verlassen.
Zur Ermöglichung einer Matten-Sperre für jeweils Freitag und Samstag Nacht benötigen
wir Parkplätze an der Aarstrasse; Hierzu wurde "Einsprache" erhoben, welche Ende
Januar 1996 vom Statthalter überprüft wird.
Die Beschwerde wurde am 30.1.1996 bei Regierungsstatthalter besprochen und unter
Vorbehalt zurückgezogen! So startet ein Versuch (März - Oktober 1996), mit entsprechender
Signalisation, mit nächtlichem Parkieren jeweils freitags/samstags an der Aarstrasse.
Zur Publikation der "Blauen Zone" wurden drei Einsprachen eingereicht, wobei
diese vom ACS Schweiz weitgehend die eigentliche Rechtsgültigkeit anzweifelt. Die
Ueberprüfung dieser Klagen wird mind. 6 Monate dauern, sodass wir weiterhin auf
diese Realisierung warten dürfen.
Im Jahresprogramm 1996 sind vorgesehen:
Die Statuten-Revision wird mit einigen Abänderungen bzw. Ergänzungen angenommen
und (mit Protokoll der Vereinsversammlung) allen Leist-Mitgliedern zugestellt.
Im Vorstand scheiden leider verschiedene, langjährige Mitglieder, z.T. wegen
beruflicher Veränderung, aus:
Mein grosser Dank geht an alle, welche sich in irgendeiner Weise an unseren Leist-Anlässen aktiv einsetzten - speziell meinen Kollegen und Kolleginnen des alten und neuen Vorstandes - aber auch den vielen Anwohnern und Gewerbetreibenden, welche einerseits mit ihrem Mitwirken uns unterstützen und andererseits für unsere Probleme Verständnis aufbringen.
Ein Mätteler erzählt aus seiner Schulzeit
Äbe, das woni dir da its wott verzeue, das isch idr 5. Klass passiert, bi üs.
U da heimr ä Leischt gha, dä isch, wie söui säge, schträng, ja är isch eifach scho
schträng gsy, aber är isch eifach wahrschinlich mite Närve ziemli dunger gsi. Är
het gärn drygschlage. Är het geng äs Meerrohrstück bisech gha, het das geng ir Hang
gha, u wenn ihm irgendöppis nid passt het, het är ihm eifach eis über...
Ja, das isch äbe no ds trurige, är het de nid gluegt, wonär schlaat.
Das het eim nächär plötzlich eifach über ä Buggu i, oder über ä Gring, säute
het me d'Hang müesse häreha, är het eifach drygschlage, gäu.
U nächhär isch das, mir si natürlech aues eso chli Süchle gsy, dert, und äs isch
eso, wenn ä Leischt verruckt wird, de forderet dä eigetlech Klass fasch e chli use,
sech blöd'z benäh, z'blöd z'benäh. U da het me eigetlech absichtlech Züüg g'macht,
für ne chli z'reize, oder, zum Bischpiu, da het ämau z'Sunne gschine, vo links här,
vom Aarewäudli här, ids Schueuzimmer ine. Mir si denn im 2.Stock obe gsy. Und da
het eine gfragt, ob me nid chli chönnti d'Store abelah. Nä het dä gseit: "nei, d'Store
wärde nid abeglah." U nä scho isch dr Tüfu losgsy...
Plötzlech het eine imene Egge vom Schueuzimmer: "blendet!"
Das isch wines Kommando..., isch das..., das het nid..., het müesse..., isäg
dr..., da isch nächer plötzlech us emne angere Egge usecho: "blendet!"
U was macht dä, dr Leischt? Dä schteit bim Pult uf, nimmt z'Merrröhrli da i Ärmu
hingere, u louft da dür Klass düre, oder? U natürlech, wenn är zhingerscht gsy isch,
het dä z'vorderscht gmöögget, u wenn är z'forderscht isch, het dä z'hingerscht links
oder rächts: "blendet!", "blendet!" U nächer, so isch das gange, bis är plötzlech
z'Gfüeu gha het, its het är eine, ude het är afa dryschla wi ne More.
U das isch äbe scho beabsichtiget gsy, isch däm das Meerröhrli yghacket gsy.
Dä Meerrohrpänggu, dä isch öppe so, was wei mr säge, 80 Santimeter het dä scho öppe
gha.
U wo dä em erschte e Cheib über ä Gring hout, isch du ds Houz i 4, 5 Stück verfloge.
Mir sy ja 32 Giele gsy. Aber mir hei nüt müesse abmache. Wenn eine agfange het,
het dr anger, dr 2. u dr 3. yghacket, u so isch das immer gy. Wenn eine ä Blödsinn
agfange het, het dr anger, dr 2. u dr 3. wytergfahre. U so het me dä Leischt...
Mir heinim dr "Littli-Housi" gseit. Äs het ä Zyt gäh, wo d'Näme z'Gägeteil sy gsy.
Änglisch "litle", wiu är gross isch gsy, u "Housi", trotzdäm er Ärnscht gheisse
het.
Äbe, da isch dert das Meerrohr verfloge. U was macht dä? Git är eim dr Uftrag,
u my Seu äm dümmschte Cheib. Eine, wo eifach..., däm isch o jede Blödsinn i Sinn
cho. Schickt dä id Schueumateriaverwautig, oder wo Cheibs het dä müesse es nöis
Meerrohr hole. U de het dä däm gseit: "u de nes zügigs, so nes gäbigs churzes!"
Jits chunnt du dä Löu derhär, dä "Türu". U bringt äs Houz wie nes Tütschi, öppene
haube Meter gross und e Durchmässer vo 18 bis 20 Santimeter. Potz Heiland Tonner.
U da het ihm dr Leischt gseit: "doch nid äso eis, i ha der doch gseit äs gäbigs,
uf aufäu muess es dünner sy".
Nacher het er dä wieder gschickt. Und itz, öppe nach ere Haubschtund, Dreiviertelschtung
schpeter, chunnt dä "Türu" wieder, u bringt ä Staffetestab. Dä isch its dünner gsy,
aber nid länger als 30 Santimeter. Mir hei natürlech müesse Lache, u dr Leischt
isch verruckt gsy wi ne More.
"Äs muess länger sy, viu länger!"
Da isch dä "Türu" wieder id Stadt ufe gange, und ä Haubstung später geit Türe
uf, u da steit dr "Türu" dert ohni Stock, u geit ads Fäischter, duets uf, u mööget
abe: "so gimmer ne ufe!"
U de zieht är ä Gusu ufe, länger aus ä Fischruete, chrumm uf aus ufe, dä het
die Stange nid chönne ufsteue im Zimmer. Dr "Littli-Housi" het Mulegge vou Schum
gha: "Äso eis, wie ni gha ha!" het är brüelet, "du weisch haargenau, was für eis
das i wott".
Da het är ne wieder zum Tüfu gjagt, u dä "Türu" isch wieder gange, denn.
Itz chunnt dä "Türu" wieder zrügg mit emne Meerrohr, soeis wiener gha het. U
dä Gieu het du das äbe wörtlech gno, so eis wiener gha het. Wo dr "Türu" em Leischt
das id Hang git, het dä ihm grad e Cheib ufe Gring ghoue. U was isch passiert? Dä
yghacket Pänggu isch wieder verfloge.
Erschienen im Bund im Februar 96
Kürzlich blätterte ich im Buchantiquariat in einer Publikation über Denkmäler
in Bern. Unglaublich fast, sie gehen in die hunderte. In der Mehrzahl gedenken sie
- wie könnte es anders sein - grosser Männer; doch auch Kriege, Siege, wichtige
Konferenzen und Gründungen sind so verewigt. Aber es gibt auch einige Denkmäler,
die im erwähnten Sammelband nicht enthalten sind: so z.B. ein Denkmal für unzufriedene
Bauern, ein anderes für einen Fisch und ein drittes, das eine Katastrophe festhält.
Alle drei befinden sich im Mattequartier. Welcher Archivar steigt denn schon ins
frühere Armenviertel, in die heutige Freie-Ratten-Republik Matte hinunter, um Berns
Denkmäler zu katalogisieren. Immerhin, dass Ferdinand Hodler 4 Jahre lang das Matteschulhaus
besuchte und dass dies in Marmor festgehalten ist, fehlt auch im Denkmal-Buch nicht.
Nun aber zu weniger Bekanntem:
Im Jahre 1802, nur vier Jahre nach dem Zusammenbruch des "Alten Bern" - Bern
hatte zwar schon wieder eine "Alte Regierung" - zogen Bauern aus der Umgebung gegen
Bern, um ihren Nöten und der damit aufkommenden Unzufriedenheit Luft zu machen.
Sie waren so schlecht bewaffnet, dass ihrer nicht durchgeführten Revolution schon
bald darauf der Name "Stäcklichrieg" angehängt wurde. Doch die Bauern führten auch
eine Kanone mit, mit der sie einen einzigen Schuss in Richtung Stadt abgaben. Die
Kugel traf ein Haus am Läufferplatz, desseN Hausecke dabei ein Loch abkriegte. Als
in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts die Burgum-Häuser der Nydeck abgerissen und
durch Neubauten ersetzt wurden, bekam eines dieser neuen Häuser das Mauerstück mit
dem Kanonenkugelloch in die Fassade eingesetzt und dazu die Inschrift gemalt "Stäcklichrieg
1802".
Durch die Matte fliesst der Mattebach, und obwohl der ein kleiner Nebenfluss
der Aare ist, leben darin weder Hechte noch Forellen, weder Nasen noch Barben. Im
Mattebach gibt es nur Groppen. Über die steht "Brehm": wegen der geringen Grösse
ein wertloser Fisch, wird aber als Angelköder benutzt. Immerhin hat es dieser wertlose
Fisch zu einem Denkmal in der Mattenenge gebracht; die Brunnenfigur unter dem mächtigen
Bogen der Nydeckbrücke stellt einen solchen Mattebach-Bewohner dar. Als Schulkinder
des "Hodler-Schulhauses", das am Mattebach liegt, retteten wir, wenn der Bach zu
wenig Wasser führte, die Gröpplen, wie wir sie nannten, vor dem Verenden, schenkten
sie aber dann den Fischern, die sie an die Angel steckten. Noch heute habe ich ein
schlechtes Gewissen, wenn ich am "Gröppu-Brunnen" vorbeigehe und mich der Bronze-Gröppu
so freundlich anlacht.
Ebenfalls als Schulkind in der Matte, erlebte ich zu Beginn der 40er-Jahre eine
Überschwemmung. Die Gassen des Quartiers waren überflutet, wir hatten zwei Tage
schulfrei. Für die Bewohner verkehrten Boote von Haus zu Haus und die Luftschutztruppen
erstellten Stege. Als diese fertig waren, war das Wasser aber bereits wieder abgeflossen,
und wir Kinder mussten wieder zur Schule. Leider geschah das im November und es
war nicht die Zeit für lustige Wasserspiele - da hatten die Kinder eine Generation
früher mehr Glück. Zu Beginn unseres Jahrhunderts muss die Matteüberschwemmung länger
gedauert haben; es gibt Fotos davon, und es wurde eine Hochwassermarke in Form einer
Metalltafel montiert, mit dem Niveau des Wasserstandes und mit der Aufschrift: Eidg.
Hygrometrisches Bureau - Hochwasser 2. Juni 1906. Wo sich diese Tafel befindet verrate
ich nicht. Um sie zu finden muss man nur in die Matte hinuntersteigen und versuchen,
mit einem alten Mätteler ins Gespräch zu kommen. Keine Angst, die sprechen schon
lange nicht mehr "Mattenängisch". Wer Glück hat, vernimmt dabei sogar das grösste
Mattengeheimnis: wo das versenkte Gerbefass liegt, welches trotz aller Bemühungen,
es zum Verschwinden zu bringen, immer wieder zum Vorschein kommt.
Interview mit dem Neuen Mattelift-Boy von Pia Burkhalter
Dem aufmerksamen liftfahrenden Mätteler ist sicher aufgefallen, dass wir seit
anfangs Februar einen neuen "Lift-Boy" haben. Das kommt nicht alle Tage vor, und
so habe ich mich neugierig an einem sonnigen aber kalten Sonntag nachmittag im März
auf den Weg gemacht, um dieses neue Mitglied des Mattelift-Teams etwas auszufragen.
Ich wurde sehr freundlich empfangen; Herr Schmid nahm sich sogleich die Zeit, auf
der zugigen Münster-Plattform meine Fragen zu beantworten:
MZ: Herr Schmid, wer sind Sie? Können Sie mir ein paar Angaben zu Ihrer
Person geben?
W. Schmid: Mein Name ist Werner Schmid, ich bin verheiratet und wohne
im Breitenrain/Wankdorf. In der Vergangenheit war ich während 46 Jahren PTT-Angestellter.
MZ: PTT-Angestellter?
W. Schmid: Ja, ich habe 46 Jahre lang bei den PTT gearbeitet. Davon habe
ich während der letzten 25 Jahren die Berner Altstadt mit Päckli beliefert.
MZ: Daraus ergibt sich wohl Ihr Bezug zur Matte und zum Matte-Lift?
W. Schmid: Ja. Während meiner Arbeit plauderte ich oftmals mit Herrn Tomi,
dem Chefkondukteur des Mattelifts. Dieser meinte, dass ich - sobald ich pensioniert
sei - an den Matte-Lift denken solle. Uns so war es dann auch: nach meiner Pensionierung
habe ich mich bei ihm gemeldet und so bin ich zu meiner neuen Arbeit gekommen. Zur
Altstadt habe ich nach 25 Jahren Päckli-Dienst natürlich eine intensive Beziehung.
Ich habe mir deshalb gesagt, dass ich die Kontakte, die in 25 Jahren Päckli-Dienst
entstanden sind, weiterhin pflegen möchte. Ich kenne so viele alte und junge Menschen
in der Altstadt/Matte. Die freuen sich, mich weiterhin zu sehen.
MZ: Was reizt Sie besonders am Job als Lift-Boy?
W. Schmid: Ich habe kein Hobby und auch keinen "Pflanz-Blätz". Da habe
ich mir gesagt, ich bin noch so gut beieinander, ich möchte weiterhin einer sinnvollen
Tätigkeit nachgehen. Und dies hat mich dazu bewogen auf das Angebot von Herrn Tomi
einzugehen. Ich habe Freude an meiner neuen Aufgabe.
MZ: Haben Sie bereits ein "Müschterli" erlebt, über das Sie kurz berichten
möchten?
W. Schmid: Ja. Am Fastnachts-Samstag - ich hatte Dienst - kam eine ca.
85jährige an der Badgasse wohnhafte Dame in den Lift. Ich fragte Sie "So, heit Dir
jetzt gfastnächtlet?". Worauf sie in breitestem Baslerdiitsch erwiederte, dass sie
früher lange Jahre in Basel gelebt und dort manche Fastnacht erlebt habe. Jetzt
wohne sie in Bern und habe auch heute noch eine Beziehung zur Fastnacht. Wie gerne
ginge Sie wieder einmal an den Morgenstraich! Aber eben, Ihr Gatte sei schon lange
beim "Schacher Seppeli" oben.
MZ: Herr Schmid, wie erleben Sie uns Mättelerinnen und Mätteler? Was sind
wir für ein Völkchen?
W. Schmid: Also da darf ich sagen, dass alles wunderbar ist und die Mätteler
ein nettes Völkchen sind. Ich hatte noch nie den geringsten Grund zur Klage. Im
Gegenteil, die jungen wie die alten Mättelerinnen und Mätteler sind sehr freundlich.
MZ: Abschliessend möchte ich Sie fragen, ob Sie wünsche an die Zukunft
- insbesondere an diejenige des Mattelifts haben?
W. Schmid: Ja. Dem Matte-Lift wünsche ich zum hundertjährigen Jubiläum
alles Gute, in den weiteren Jahren gute Fahrt und "viel Gfröits".
MZ: Herr Schmid, ich danke Ihnen für Ihre Ausführungen und wünsche Ihnen
meinerseits weiterhin viel "Gfröits" im und um den Mattelift.
Das Quartierkino hat Zukunft! Jedenfalls erfreut sich die Kombination von Kino
und Bistro der CinéMatte regen Zulaufs. Mitten in der Rezession ein
neues Kino und ein neues Restaurant zu eröffnen, sei ganz schön gewagt, waren einige
kritische Stimmen zu vernehmen. Und trotzdem: fast ein Jahr nach der Eröffnung steht
der neue Betrieb nach wie vor gesund da. Und die Tendenz der Zuschauerfrequenz
ist weiter steigend.
Neuerungen
Mit bernischen Neuerungen wie dem sonntäglichen "Frühstückskino" und den
"LunatiX"-Vorstellungen (täglich Nocturne um ca. 22.15 Uhr!) konnte ein breites
Publikum angesprochen werden. Inzwischen ist es bereits ratsam, sich fürs Brunch-Buffet
(jeden Sonntag ab 10.30 Uhr) seinen Platz mit einer Reservation zu sichern, wie
viele spontane Besucherinnen und Besucher enttäuscht feststellten. Es tut uns jedesmal
etwas weh, jemanden nicht bewirten zu können. Allerdings wollen wir das Bistro auch
nicht einfach vollstopfen. Das ginge schlussendlich auf Kosten der Ambiance und
Qualität.
Misserfolge
Natürlich gab es bisher auch Misserfolge: Die Nachmittagsvorstellungen im letzten
Herbst hatten oft überhaupt keine Besucher und wurden nach nur einem Monat wieder
eingestellt. Die "Cinq à Sept"-Vorstellungen (täglich um Inserat Anderland
17.30 Uhr) mit grösstenteils anspruchsvollen und/oder selten gezeigten Werken lockt
zwar ein speziell filminteressiertes Publikum an, mit dem sich viele spannende Diskussionen
ergeben. Wirtschaftlich gesehen hätten sie aber keine Zukunft, könnten sie nicht
durch die Einnahmen der Hauptvorstellung und der Bar finanziert werden. Nichtsdestotrotz
wird weiterhin versucht, interessanten unkommerziellen Filmen ein Podium zu bieten.
Erstaufführungen
Die Programmation der CinéMatte umfasst seit kurzem auch Erstaufführungen.
Dies bedeutet jedoch keine Trendwende weg vom Reprisenkino, sondern eine bewusst
Ergänzung des bisherigen Programms.
Bistroangebot
Die Bistro-Küche ist seit der Eröffnung ebenfalls erweitert und noch verfeinert
worden. Jeden Freitag gibt's neben dem Filmwechsel auch einen Karten-Wechsel: neben
dem Standartangebot wie dem beliebten Cinésalat stehen immer drei neue Leckereien
zur Auswahl. Dabei kommen die VegetarierInnen nicht zu kurz! Unsere Küche ist täglich
- auch sonntags - von 18 - 22 Uhr geöffnet.
An der Bar sind immer wieder Neuheiten zu entdecken. Seit kurzem schenken wir das
Zwickelbier der Brauerei Egger aus. Zwickel ist ein Frischbier und maximal zwei
Wochen haltbar. Durch den hohen Hefegehalt wirkt es besonders erfrischend und mild.
Ab Ende April finden Sie zudem eine Auswahl verschiedenster Single-Malts im Regal.
Zur Zeit bilden wir uns auf diesem Gebiet weiter, damit wir Sie dann auch fachmännisch
beraten können.
Selbstverständlich sind auch Gäste willkommen, die keinen Film sehen möchten, sondern
nur plaudern, trinken, diskutieren oder spielen. Zur Auswahl stehen bisher Kartenspiele,
Rummy und Ligretto.
Der Fernsehbeitrag TV DRS, Sendung MTW, im letzten Dezember über mein Mattenänglisch-Übersetzungsprogramm
auf dem Computer und verschiedene Artikel in den Tageszeitungen haben interessante
Reaktionen ausgelöst.
Besonders gefreut haben mich Rückmeldungen von erstaunlich vielen Leuten, die
auch heute das Mattenänglisch zu Hause und mit Freunden pflegen. Hier einige Beispiele.
Frau S. berichtet von den "irzeschwe Innerde-Iferche, Innerde-Ieg-ge" (schwarze
Donnerkäfer), die früher in der Backstube ihres Vaters herumkrochen. Der Vater von
Herrn T. testete Mattenänglisch-Kundige mit der Frage:"Was heisst Lokomotive auf
ME?". (Ja, was heisst das?). Der Vater von Herrn G.:"Du bisch ä Schadiss-Hadife"
oder "äs isch mer Schadisse gladich!". Die meisten dieser Personen leben nicht mehr
in der Matte, sind aber oft Heimweh-Mätteler.
Viele Leute wünschten mein Computerprogramm und erhielten es gratis. Das Programm
verhilft zu einem spannenden Experimentieren mit dem ME, ersetzt aber das Sprechen
nicht! Interessenten sollten unbedingt mit ME-Kennern Kontakt aufnehmen.
Schüler, Studenten und Lehrkräfte folgender Institutionen haben sich bei mir
gemeldet:
Das grosse Interesse freut mich sehr und ich bin gerne bereit, mich auch weiterhin für das Mattenänglisch einzusetzen. Selbstverständlich erhält auch jeder "Ittume-Imceiterpe-Ikfre" (Matte-Computer-Freak) mein PC-Programm gratis oder allenfalls gegen Naturalien!
René Stirnemann im Gespräch mit dem Team der Physiotherapie Dinamo
René Stirnemann: Über sieben Monate Physiotherapie Dinamo. Wie läuft es
bei Euch an der Wasserwerkgasse?
Dinamo: Wir sind sehr zufrieden! Wir fühlen uns fast schon "heimisch"
in der Matte und auch unsere Terminbücher sind von morgens um 7.30 bis abends um
19.00 Uhr erfreulich gefüllt. Nur ein paar Abos wären noch frei... Ein guter Tip
um die Wintermüdigkeit definitiv hinter sich zu lassen.
René: Und am Wochenende?
Dinamo: Geplant ist eine Öffnung des Trainingssaals für unsere Abokunden
auch am Wochenende. Realisiert wird das Projekt aber erst mit einem dritten Physiotherapeuten,
sonst kommt unser Privatleben, sprich Ehemänner und Freunde, überhaupt nicht mehr
zum Zuge.
René: Wie setzt sich Eure Kundschaft zusammen? Gibt es Altersgrenzen fürs Training?
Dinamo: Bei uns sind alle willkommen!
René: Wie meint ihr das?
Dinamo: Zur Zeit ist unsere jüngste Kundin ein drei Monate junges Mädchen
und nach oben sind die über 80-jährigen auch vertreten. Fürs Training findet man
bei uns alle möglichen Leute: Sportlich ambitionierte mit klaren "Kraft"-Zielen;
ehemalige Patienten im Aufbau und Stabilisationstraining; ältere Kunden, welche
entdeckt haben, dass ausgewogene Gymnastik ihnen gut tut und die Schmerzen lindert;
Geschäftsherren, die über den Mittag den körperlichen Ausgleich suchen, um mit neuem
Elan den Nachmittag im Büro anpacken zu können und Jugendliche mit Freude an der
Bewegung.
René: Das klinkt ja nach vielfältigem Programm...
Dinamo: Genau richtig! "Vielfältige Programme" - für jeden Kunden nehmen
wir uns ausgiebig Zeit und erarbeiten mit ihm "sein" Programm, individuell auf seine
Wünsche und Ziele abgestimmt. Auch Kraft- und Ausdauertests bieten wir an, für den
Vergleich "vorher - nachher".
René: Ein Besuch bei euch ist also anstrengend.
Dinamo: Nicht nur! Zum Ausgleich bieten wir auch Massagen an, und wer
sich nach überstandenem Training noch ein wenig ausruhen möchte, kann das gerne
auf dem gedeckten Gartensitzplatz bei einem Fläschchen Mineralwasser aus unserem
Kühlschrank tun.
René: Also Physio- und Trainingstherapie bietet ihr an...
Dinamo: ... und Kurse! Zur Zeit läuft ein "Rücken-Fit" jeden Donnerstag
von 13.00 bis 14.00 Uhr. Und Wochenend-Kurse des "QI GONG", ein chinesisches Übungssystem
für Lebenskraft. Im Sommer ist auch ein Osteoporosekurs geplant, ein sehr aktuelles
Thema.
René: Im Moment hört man viel über das Tabuthema Inkontinenz.
Dinamo: Tabu ist das natürlich bei uns schon lange nicht mehr. Wir bieten eine
Therapie zur Stärkung der Beckenbodenmuskeln an, mit Unterstützung der Elektrotherapie
bei Bedarf. Die Therapie hat grossen Erfolg bei Frauen, und in vielen Fällen kann
sogar eine Operation vermieden werden.
René: Und Familienfrauen mit ihren Kindern?
Dinamo: Zwei grosse Kisten voll mit Spielzeug und Bilderbüchern dürfen
die Kleinen ganz für sich beanspruchen. An den Vormittagen ist unsere Sekretärin
da, welche sie ein wenig im Auge behält.
René: Habt ihr Wünsche für die "Dinamo"-Zukunft?
Dinamo: Ja natürlich, wir wünschen uns, dass rege von den Abonnementen
profitiert wird und - ganz wichtig - dass unsere Kunden die Praxis stets zufrieden
verlassen!
Nach über sieben Jahren hat uns unsere treue Mitarbeiterin Sandra Lischetti per Mitte Januar verlassen; sie arbeitet nun bei der Kreispostdirektion. Ich freue mich deshalb, den Mattebewohnerinnen und -bewohnern heute unsere neue Mitarbeiterin vorzustellen: Irene Bettschen kommt aus dem Berner Oberland. Bevor sie sich in der Stadt Bern im Lorrainequartier niederliess und auf dem dortigen Postamt tätig war, arbeitete sie einige Jahre in Fraubrunnen. Die neue Herausforderung, die sie suchte, fand sie in unserem Postbüro. Irene Bettschen ist eine erfahrene und kompetente Frau, in meiner Abwesenheit wird sie mich vertreten. Ich wünsche ihr viel Erfolg und hoffe, dass sie sich in der Matte wohlfühlt und es ihr bei uns gefällt.
Nachruf von Werner Pauli, Präsident Sängerbund Matte Bern
Der Männerchor Sängerbund Matte Bern musste am Abend des vergangenen Dreikönigstages
vom Ableben seines langjährigen Sängers Albert Schläfli Kenntnis nehmen. - Wir sind
tief betrübt. Es fällt schwer, den ganz besonderen Kameraden, der volle 65 Jahre
in den Reihen der Matte-Sänger stand, nun einfach nicht mehr in der Mitte zu wissen.
Im Jahre 1931 trat der damals 23jährige Metzgergeselle dem Quartier-Männerchor,
Sängerbund Matte bei.
Der stets fröhliche Sänger fand sofort enge Kameradschaft im Kreise der Chormitglieder,
war doch die ganze Familie Schläfli, die an der Gerberngasse einen Metzgereibetrieb
führte, eng mit dem Chor verbunden.
Besonders schätzte man die Zuverlässigkeit und den Fleiss von Albert, so dass
er sehr rasch in den Vorstand gewählt wurde, wo er während unzähliger Jahre das
Amt des Archivars und Notenverwalters zur Zufriedenheit der damals noch recht anspruchsvollen
und fast 50köpfigen Sängerschaft ausübte. In dieser Eigenschaft hatte er auch die
Präsenz an den Proben festzustellen und jeweils der Hauptversammlung Bericht zu
erstatten. Eine Tätigkeit, der er besonders exakt nachlebte und seinen Bericht jeweils
sehr umfassend aber auch humorvoll darlegte. Dass er selbst während über 50 Jahren
mit Fleissauszeichnung im Sängerbund mitmachte, bezeugt seine uneingeschränkten
Hingabe zum Matte-Chor. Wer seine Arbeit so gut macht, wird mit immer mehr Aufgaben
betraut, so dass Albert auch zum Fähnrich ernannt wurde, was er mit Stolz und Würde
an vielen Sängerfesten aber leider auch vielen Abschieden bis ins hohe Alter ausübte.
Nach 20 Jahren des Dabeiseins wurde Albert im Jahre 1951 zum Chor-Veteranen ernannt.
Auch die Ehrenmitgliedschaft liess nicht lange auf sich warten und der Bernisch-Kantonale
Gesangsverein ernannte Albert Schläfli 1971 zum Ehrenveteranen. Diese Auszeichnungen
bedeuteten ihm viel und er präsentierte sie gerne.
Albert Schläfli war kein sogenannter "Blattsänger", dem das Mitsingen anspruchsvoller
Melodien leicht fiel, vielmehr musste er sich zum Mitsingen in der Sängerrunde ganz
besonders bemühen. Was er dem Chor aber sonst zu geben hatte, war unschätzbar. Er
war ein einmaliger Kamerad, der für alle Verständnis aufbrachte, der immer fröhlich
dabei war und Heiterkeit auslösen konnte. So wurde er von seinen Kameraden in seiner
selten erlebten Art geschätzt.
Ein ganz besonderes Ziel, welches er anstrebte, war die Feier zum 100jährigen
Bestehen des Männerchors Sängerbund Matte Bern von 18. November des vergangenen
Jahres im Kornhaus Bern, mitzugestalten. Dort wollte er sich als ältester Sänger
und treuer Mätteler dem Publikum noch einmal präsentieren. Ein kurz zuvor erlittener
Unfall machte dies leider nicht mehr möglich; darüber sind wir sehr traurig.
Heute bleibt uns übrig, unserem Kameraden Albert Schläfli für seine langjährige
Treue, seine enorme Schaffenskraft für unseren Chor und die zuverlässige Stütze
im zweiten Tenor noch einmal ganz herzlich zu danken. Seinen Angehörigen, ganz besonders
seiner lieben Schwester und seiner Schwägerin, Frau Bieri und Frau Schläfli, sprechen
wir unser aufrichtiges Beileid aus.
Unseren Kameraden Albert Schläfli werden wir nie vergessen.
Bern, 10. Januar 1996
In der Zeit von 9.00 bis 10.30 Uhr passierten
die Matte. Wir finden, das ist zuviel!
Für ein Resumée der Advents-Besuche ist die Jahreszeit mit ihren steigenden Frühlingstemperaturen
und ersten Blumen unpassend. Es ist nun wirklich zu spät dazu!
Wir möchten lediglich allen Beteiligten für die grosszügige Gastfreundschaft
danken. Das Publikum wird in jedem Jahr zahlreicher und so werden wir diesen Brauch
in dieser Form weiterführen
Wir gratulieren ganz herzlich und wünschen viel Glück
René Stirnemann wird Ende April 1996 pensioniert. Sicher wird er danach viel
mehr Zeit haben, sich um die Belange unseres Quartiers zu kümmern.
Wir wünschen ihm viel Erfolg und Spass dabei...