Matte-Zytig Dezember 1994
Der Gfeuer Ruedi isch e zäie gäderige Mätteler gsi, u het mit Frou u
zwöine Ching imene aute Hus, z'oberscht a der Badgass gwohnt, dert wo hüt
d'Mattechrippe schteit. Wüu är i de zwänzger-Jahr meischtens arbeitslos isch
gsi, het är der ganz Tag Zyt gha ga z'fische.
Tag für Tag isch är am Aeremürli gschtange u het sy Ruete usgworfe. U
gwüss, i syr Bränte si geng es paar Förndli umezüglet.
Wos aber gäge d'Wiehnacht gange isch u aus Schtei u Bei gfrore isch gsi,
das d'Aareschweue i ne Polarlandschaft si verwandlet worde, het der Ruedi
d'Fischerei-Utensylie uf d'Syte ta u sech amene angere Hobby zuegwändet. Aer
het sech öppe mau i der Eufenou umetribe u isch uf d'Aentejagd gange. Da
derzue het är aber keis Patänt gha, u das isch nid grad erföilech gsi. Di
erbüttete Aente het er de a bessergschteuti Mattefroue verchouft, u se ds
Gloube gmacht, är heig se amene Puur ir Schoshaude obe abkouft.
Es isch am Tag vor em heilige Aabe gsi, da chunt der Fredy, am Ruedi sy
Bueb u my bescht Fründ, schier zum Hüsli us vor Ufregig, zu mir übere
z'renne u rüeft scho vo wyttem: "Du, vor üsem Chuchifänschter isch e grossi
schöni Aente, juhui, ar Wiehnacht gits bi üs Aentebrate!" Ds Wasser isch däm
Bueb scho jitz im Mul zämegloffe, u i ha o grad müesse mitchüschte. I üsene
Chöpf hei mir e guudige Brate mit Mässer u Gable im Rügge, wi im
Schlaraffeland zwägpüschelet.
Der nächscht Tag isch Samschtig gsi u derzue no heilige Aabe. Es het es
Schüümli gschneit gha, u mir Ching hei a der Badere chönne gybele. Grad wo
ni bi Gfeuers wott lütte chunt der Fredy wi ne arme Sünder d'Gass uf
z'schlargge, lat der Chopf la hange u worget vüre: "Du, di Aente isch de nid
für üs, der Vatter het se für d'Frou Gasser bsorget, hinecht geit er se ga
lifere." "Was, usgrächnet der Gassere, wo üs geng d'Baue wägnimmt, wemer vor
ihrem Garte tüe kantönerle!" Rüefe ni i eir Töibi. "Das darf doch nid wahr
sy, ar Wiehnacht ässe Gfeuers Aentebrate, u nid di Gumele!" Yfrig hei mir
berate wie me däm Ungfeu chönnt abhäufe, u si nach eme Wyli einig worde, di
Aente müess me la verschwinde.
Nach em z'Mittag, wo der Vatter Gfeuer sys Nückli gno het u d'Mueter ir
Schtube ds Margottli het müesse gschweigge, isch der Fredy id Chuchi
tüüselet, het das Fädervie gschtibitzt u zu mir übere brunge, wo mers im
Gartehüsli verstekt hei. ds Margottli het müesse gschweigge
Natürlech het du das bi Gfeuers e riesige Ufruer gä, wo gäge Aabe der
Ruedi di Aente wott ga hole u der Fänschtersims läär isch. Es het doch weder
kuttet no g ärdbebnet, o kei Chatz het chönne derzue cho. Ja, es isch für di
Eutere es Rätsu gsi, wi di Aente het chönne verschwinde. So isch em Ruedi
nüt angers übrigblibe aus bi byssiger Cheuti ds Welo us em Schopf z'nä u id
Schoshaude z'radle, für dert bi sym Puur, das mau rächtmässig, e Aente
z'erwärbe. So isch du d'Frou Gasser schpät am Abe doch no zu ihrer Aente
cho.
Am Fredy aber isch es niene wou gsi, u nach em z'Nachtässe isch är hurti i
sys Schtübli verschwunde. Ou Gfeuers hei nach däm ufgregte Tag gly Fürabe
gmacht. Doch d'Mueter het öppis gschpürt.
Bevor si i ds Huli gange isch, het si no bim Suhn ynegluegt. Dä het ke
Schlaf gfunge u sech im Bett umetrölet. Da luegt si ihm fescht id Ouge u
seit: "Was isch mit dir los, du bisch e so tuch?" Da hets der Bueb nümmeh
usghaute u unger Träne verzeut är di ganzi Aentegschicht. Won är
lydeschaftlech rüeft, das är doch o einisch öppis Guets möcht ässe, nid nume
geng di angere Lüt, het d'Mueter schtill gnickt.Si isch fei erchlüpft ab däm
Pricht, het aber ihre Bueb verschtange. Nume, wi söu si das em Vatter by
bringe? Di gueti Frou het i der Nacht nid guet gschlafe. Der Fredy hingäge,
wo sy Lascht het chönne uf d'Mueter ablade, isch gly einisch i ds Troumland
gschlummeret.
Am Wiehnachtsmorge isch mi Fründ sy Aente us em Gartehüsli cho hole,
während sy Mueter e früsche wysse Schurz agleit het u id Chuchi gstouziert
isch. Si het scho lang nümm so nes fürnäms Aesse kochet. U we der Vatter sys
Pösseli scho chly bim Grännihaar gno het, der Wiehnachtsbrate het aune
gschmöckt.
«Achtung, ...234, ...429, .,. ä rote Oudi - das wär's!» - So und ähnlich verlief in den letzten Wochen an einigen Tagen der Funkverkehr zwischen einigen Mättelern, die sich an der « Fahrzeugdurchfahrtszählung Matte » beteiligten. Organisiert hatte diese Zählung wiederum die Verkehrskommission des Matte-Leistes. Ich selber hatte mich auch zur Verfügung gestellt, da ich es nun einmal 1 :1 wissen wollte, wieviele Durchfahrerinnen die Matte zu verkraften hat. Am Morgen, an dem ich mich um 6.50 Uhr im Schulhaus, zwecks Instruktion und Entgegennahme des Funkgerätes, einzufinden hatte, war es mit dem Wetter nicht gerade blendend bestellt. Regen, Regen in Strömen und saukalt. Ich setzte mich als «Mittelposten» am Mühlenplatz auf einen noch nicht abgeholten Bund Zeitungen, ausgerüstet mit Funkgerät und geschärften linsen. «Achtung - äs chunnte eine, ...234», vernahm ich punkt 7.00 Uhr von der Westeinfahrt her über Funk. Ich hatte zu kontrollieren, ob die besagte «...234» (dies sind die letzten drei Zahlen der Autonummern) in der Matte anliefere, anhalte, wende oder eben, einfach unerlaubterweise durchfahre. Bei einer «Durchfahrt» hatte ich dies dem an der Ausfahrt postierten Zähler zu melden. Und dies tat ich auch. «...234 düre» war die Standardmeldung, denn grösstenteils waren es tatsächlich «Durchfahrende». «Äs chunnt eine, ä Rote, i ha z'Nummero nid chönne läse, äs isch z'schnäll gange. ..» , wurde zwischendurch gemeldet. Dies verursachte natürlich sofort eine Stress - Situation, da der besagte Wagen bereits bei mir vorbeiraste und ich dies entsprechend schnell dem an der Ausfahrt postierten Zähler zu melden hatte. Zwei vorbeiflanierende Polizei - Hostessen bezeugten durch einen Small- Talk (kurzes be- langloses Gespräch) einiges Bedauern mit mir und erklärten, dass sie für Kontrollen bei solchem Wetter auch immer auszurücken hätten, ob sie wollten oder nicht. Wenig getröstet, aber sozusagen amtlich anerkannt, zählte ich weiter Autos, Motorräder, Lastwagen und Lastwägeli, die an mir vorbeipreschten. An dieser Stelle möchte ich noch das Znüni verdanken, das ich um 7.40 Uhr von Frau Krähenbühl erhalten habe, und die anderen unterstützenden Worte von Passanten, die alle zustimmten, dass etwas geschehen müsse. - Um 8.00 Uhr habe ich, wie angewiesen, den Funkverkehr mit meinen zwei Kollegen aus Ost und West abgebrochen. Durchschnittlich waren, sage und schreibe, 2,9 Fahrzeuge pro Minute an mir vorbeigefahren - unerlaubterweise. Das Durchfahrts-Verbotsschild habe ich mir gleichentags nochmals aus der Nähe angesehen - es steht tatsächlich da - im Osten und Westen der Republik! «Wozu?» scheint mir hier als Frage angebracht!
(Keineswegs gegen Autos und andere Fahrzeuge eingestellt, aber vom «massenweise Übertreten von Verboten» schlicht und einfach «überfahren»!).
Unsere monatlichen Vorstandssitzungen sind immer vollgepfropft mit
aktuellen Themen, und obwohl wir bereits um 19.00 h beginnen, wird es
jeweils fast Mitternacht.
Die letzten Sitzungen hielten wir bei Leist-Mitgliedern ab; als Gastgeber
waren dies Bregenzer's, Peter Probst (auf dem Münsterturm), Lelli & Bürkli
(Matte-Elektriker) und bei Contact/Triva mit Ute Stäubli - wir danken
nochmals für die jeweils vorzügliche Bewirtung; die entsprechend angenehme
Atmosphäre beeinflusste unsere Gehirnzellen sicherlich positiv... Eine
Sitzung fand übrigens auch bei Jörg Leuenberger statt (mit Hilfe seiner
Partnerin Jeanette Pignolet); er ersetzt unseren bisherigen Kassier Markus
Bosshard, welcher aus gesundheitlichen Gründen unerwartet zurücktrat.
(Definitive Wahl erfolgt an unserer nächsten Hauptversammlung.)
Das Nydegg-Brügge-Fest vom 3. September war für die Organisatoren
erfolgreich - wir hatten auch enorm Glück mit dem Wetter. Als Dankeschön für
die Mithilfe einiger Leist-Mitglieder in unserer Matte-Beiz und Dank einem
schönen Reingewinn, konnten wir diese am 4. November zu einem Nachtessen
einladen. Als Organisatorin amtete Marianne Kaufmann, welche wir erst
kürzlich als "Protokoll-Führerin" und Festwirtin in den Vorstand holten.
An jeder Sitzung besprechen wir unser grösstes Problem: Lärm-Emmissionen -
vorallem nachts - und die Parkplatz- und Verkehrs-Probleme. Damit könnten
wir bald eine ganze Matte-Zytig füllen. Wir diskutieren unsere Anliegen mit
Gemeinderat, Stadtpolizei, und natürlich auch mit "Verursachern". Lösungen
sind teils dadurch erschwert, weil fast immer 2 Ansichten und Standpunkte zu
berücksichtigen sind. Und hiezu hat sich, aufgrund meiner gemachten
Erfahrungen, eine Zielsetzung ergeben, welche ich an unserer nächsten
Hauptversammlung genau umschreiben werde, verbunden mit der
"Vertrauens-Frage". (Es ist mir nämlich nicht möglich, es allen Leuten Recht
zu tun.)
Unsere Parkplatz-Kommission hat resigniert. Das Verteilen von
"Verwarnungen" nützt nicht viel, wenn schlussendlich die Schuldigen nicht
gebüsst werden können. Hierfür müssten wir bei Anzeigen möglicherweise beim
Richter als Zeugen auftreten - dieses "Interesse" geht verständlicherweise
zu weit. Zudem wollen wir nicht "Polizei" spielen.
Als Folge daraus sucht unsere Verkehrs-Kommission andere
Lösungsmöglichkeiten. Der Vorstand hat sich entschlossen, eine Umfrage an
alle Haushalte und Gewerbebetriebe zu lancieren, Resultate werden wir
auswerten und an die Behörden weiterleiten. Wichtig ist, dass möglichst ALLE
den Fragebogen ausfüllen und abgeben.
Aufgrund unseres Schreibens vom 21. September 1994 an die Stadtpolizei
führte ich ein persönliches Gespräch am 19. Oktober mit Herrn E. Stadtmann,
Major des Polizeikommandos Bern. Das nachfolgende "Kurzprotokoll" gibt Ihnen
am besten meine Bemühungen (und die des Vorstandes) wieder:
Tempo 30
wird von einigen Autofahrern überhaupt nicht beachtet - zudem ist auch die
entsprechende Signalisation, vorallem beim Läuferplatz, ungenügend; diese
wird verbessert, sichtbarer gemacht.
Zudem werden vermehrt Geschwindigkeits-Kontrollen durchgeführt (erstmals
am 21.10.), auch nachts.
Dass dabei sogar die Lichtampel beim Schulhaus missachtet wird, erfordert
ebenfalls zusätzliche Polizeikontrollen (vorgesehen).
Fahrverbot mit Zubringer
wird z. T. weiterhin missachtet - von einem geringen Teil und nicht
zunehmend. Hiezu werden auch Durchfahrts-Kontrollen durchgeführt und
geahndet, wobei allerdings erst die Bussen-Erhöhungen per 1995 zur besseren
Einhaltung dieses Verbots beitragen werden.
Blaue Zone mit Anwohner-Karte
für die Matte ist ebenfalls geplant. Nachdem rund um unser Quartier diese
Verordnung realisiert wurde, inkl. Muri - und Aargauerstalden, spitzt sich
das Parkproblem in der Matte weiter zu.
Herr Stadtmann konsultiert nun die (gewerblichen) Gegner, um anschliessend
die nötige Publikation zu veranlassen. So dürfte die Einführung der Blauen
Zone bei uns im Frühjahr 1995 möglich sein.
(Die Verzögerung resultierte durch die arbeitsaufwendige Realisierung der
Blauen Zone im Kirchenfeld.)
Dadurch würden unsere allg. Parkplatz-Probleme sicherlich tagsüber gemildert. Nachts, vorallem Freitag/Samstag, wird eine
Sperrung der Matte, eingangs Läuferplatz und Rest. Zähringer, unumgänglich
(durch Absperr-Gitter und Wachtposten); hiezu wird ein Parkierungs-Verbot an
der Aarestrasse publiziert und raschmöglichst bewilligt. Von 22.00 - 04.00 h
wäre somit eine Matte-Zufahrt nur noch für Bewohner gestattet, für Besucher
und Durchfahrten somit verboten. (Der "Versuch" am Jugend-Festival vom
27./28.8. hat sich bewährt.)
Park-Bussen nachts werden grundsätzlich nur ausgesprochen bei "Gefährdung
des Verkehrs" (Blockierung von Einfahrten, Parkieren auf Fussgängerstreifen
etc.). oder andere gravierende Vorkommnisse sind telefonisch der Polizei zu
melden.
Ich wünsche alle MättlerInnen schöne Festtage.
Hoffentlich stossen sie auf offene Herzen!
Thomi Alfred vom Sänkeltram
"Ä Schoggi längt mir, nume ohni Nüss!"
Imithe Idufre imve Inkelse-Imtre
"Ä Iggische ingtle irme, imene ihnie Issne!"
Herr Gränicher, Poschthalter ir Mättu
"Materiell bi ni wunschlos zfride! Aber ä Parkplatz ir Mättu würd i
mir scho wünsche."
Irrhe Inichergre, Ischtpeilterhe ire Ittume
"Iteriellme ibe ine inschweisle idezfre! Ibere ä Irkpeitzple ire
Ittume irdwe ie irme ische inschewe."
Poul vo Kaennel
"Äs Glesli Liebi, äs Schachteli Glück, und äs Büchsli Gsundheit."
Ilepe ive Innelke,"Ise Isligle Iebile, ise Ichtelische Ickgle, inde
ise Ichslibe Indgseiithe."
Benjamin und Julian
"I wünsche mir äs ferngschtürets Outo, wo nid so schnäll kaputt geit."
Injbe "Ie inschewe irme ise irnfeiretsgschte Iutoe, iwe idne ise
illsche iputtke iitge".
Julian
"I wünsche mir ds Pirateschiff-Lego".
Ilianje
"Ie inschewe irme ds Iratepeiffsche-Igole".
Fritz Müller, Schiffloube 24
"I wünsche mir wenigschtens 1 Beiz, wo ar Wiehnachte offe wär für di
Einsame."
Itzfre Illerme, Iffsche-iubele
"Ie inschewe irme inigschtenswe 1 Iizbe, iwe ire Iehweichtene iffOpee
irwe irfe ide Iineimese".
Brockenhausdefinition: Toleranz lat. tolerare = ertragen die, 1. Ethik:
die Duldung abweichender Überzeugungen auf Grund der Auffassung, dass
niemand die absolute Wahrheit für sich beanspruchen könne.
Le. Treffender als der grosse Brockhaus kann man den Begriff "Toleranz"
wohl kaum formulieren. Toleranz - ein grosses Wort für die kleine Matte?
Tagtäglich, ja stündlich wird sie von uns Bewohnern verlangt. Doch
akzeptieren wir sie auch? Hand aufs Herz! Wir haben einige Mattenbewohner um
ihre Meinungen gefragt. Hier ihre Stellungnahmen:
"Toleranz zeigen heisst für mich, zu dulden dass andere
entgegen meiner Gewohnheit später zu Bett gehen und das Matten-Nachtleben in
vollen Zügen geniessen möchten."
"Toleranz bedeutet zum Beispiel, zu ertragen, dass gewisse
Leute die Nacht zum Schlafen auserwählt haben und dazu Ruhe benötigen"
"Toleranz heisst ganz einfach, zu akzeptieren, dass auf
einer Zubringer - Quartierstrasse "Tempo 30" durchaus gerechtfertigt ist"
"Toleranz bedeutet aber auch, als Fussgänger nicht unbedingt
und unter allen Umständen an der Gerberngasse das Vortrittsrecht zu
erzwingen"
"Toleranz beinhaltet auch, eine abweichende Überzeugung gegenüber
der überwältigenden Mehrheit der Mattenbewohner nicht mit sturer,
rechthaberischer Haltung zu torpedieren."
"Toleranz heisst für mich, in Kauf zu nehmen, dass auch das
alteingesessene Gewerbe den für seine Existenz benötigten Spielraum - sprich
Parkraum - zur Verfügung erhält."
"Toleranz heisst zu akzeptieren, dass viele Jugendliche heute
motorisiert sind. Sie suchen deshalb die Orte ihrer Verlustbarkeiten abends
nicht nur zu Fuss und parkieren dabei auch mal "falsch", aber immer noch an
vernünftigen Orten. Die Stadtpolizei ist ein gutes Beispiel: Sie toleriert
dies!"
"Toleranz heisst aber im gleichen Atemzug, vernünftig aber "falsch"
parkierte Autos (mit dem Matten-Ratte-Kleber) nicht am frühen Morgen mit
einem Bussenzettel zu bestrafen, denn vielleicht fand der Besitzer am
Abend (siehe oben!) keinen "richtigen" Parkplatz. Die Stadtpolizei ist hier
ein schlechtes Beispiel: Sie toleriert dies ganz und gar nicht!"
"Toleranz ist, nicht gleich gegen alles geplante Neue Sturm zu
laufen oder Einsprache zu erheben. Vielleicht ist das Neue durchaus eine
Bereicherung in der Matten."
"Toleranz ist aber auch, alteingesessene Tugenden und Gewohnheiten
der Mätteler zu respektieren."
"Toleranz heisst, auch mal Freude zu zeigen, wenn der
Nachbar mit seinen Freunden für einmal gegrilltes Fleisch bis tief in die
Nacht im Freien verzehren will. Er wird bestimmt Gegenrecht halten!"
1993 organisierte der Matte-Vorstand mit dem Wasserwerk-Club zusammen
einen Matte - Künstlerabend für die Bewohnerinnen und Bewohner der Matte.
Und dass die Matte musikalisch etwas zu bieten hat, war nach diesem Abend
allen Besucherinnen und Besuchern ganz klar. Bernhard Stirnemann, ein
Schlager-Duo, ein Percussioner, Alphorn und Canzoni italiani waren nur
einige der Attraktionen dieses gelungenen Abend.
Dank diese Erfolgs wird heuer dieser Matte-Künstlerabend neu aufgelegt.
Wir sind überzeugt, dass sich auch dieses Jahr wieder einige musikalische
Perlen aktivieren lassen und freuen uns auf:
Donnerstag, 8. Dezember 1994, 20.00 im Wasserwerk
Über das Programm orientieren die Anschläge im Schaukasten beim Matte-Lift
und beim Wasserwerk selber!
In dieser üppigen Zeit hat ein Geselle/eine Gesellin Geburtstag, der/die
es simpel und karg mag.
In diesem Geiste versuche ich ein spezielles, aber einfaches Festmenu
zusammenzustellen.
Rotkraut-Suppe mit oder ohne "Eierschwümmli"
nach Belieben:
Rotkraut, Bouillon und Rahm zusammen aufkochen und 15 Min. köcheln lassen.
Im Mixer oder mit Stabmixer fein pürieren. Wenn Sie Lust haben durch ein
Sieb streichen und nochmals aufkochen. Die Butter beigeben und mit Salz,
Pfeffer, etwas Lebkuchengewürz und nach Belieben mit Zitronensaft
abschmecken. Die Eierschwämme im heissen Olivenöl anbraten und salzen. Die
Suppe aufkochen, den geschlagenen Rahm beigeben und unter kräftigem Rühren
nochmals aufkochen. Heiss servieren, die Eierschwämme dazugeben und mit
einem Blatt Peterli garnieren
Die Toscana bietet nicht nur Spitzenweine an, sondern auch kulinarische
Freuden. Einfache, schnörkellose Gerichte, verbunden mit intensiven
Gerüchen, werden in Ihnen ferne Erinnerungen wecken. Auf meiner Suche stiess
ich auf ein Rezept, das Sie unbedingt ausprobieren sollten. Es lässt sich
beliebig mit anderem Wildgeflügel zubereiten.
Perlhuhn in Rotwein geschmort
Faraona al vino rosso
Olivenöl im Schmor- oder Brattopf erhitzen und die gesalzenen
Perlhuhnstücke portionenweise anbraten, bis sie goldbraun sind. Die Stücke
in den Topf legen, den Rotwein dazugiessen, den Knoblauch sowie die Gewürze
beigeben. Zwiebeln, Oliven und Tomaten obenauf verteilen und unbedeckt in
den auf 150 Grad vorgeheizten Ofen stellen (Mitte). Die niedrige
Gartemperatur garantiert, dass das Perlhuhn nicht austrocknet! Ungefähr 1
1/4 bis 1 1/2 Stunden im Ofen lassen. Sie können das Gericht auch auf dem
Herd zubereiten, auch hier auf eine niedrige Hitze achten! Nach ungefähr 30
Min. die Flüssigkeit probieren und allenfalls nachwürzen, plus 1 - 2 Tropfen
Zitronensaft, ja nicht mehr!, beigeben.
Als Beilage eignet sich Polenta oder die sogenannte Torta di Ceci, ein Art
Brot, das gar nichts mit einer Torte zu tun hat, sich aber hervorragend zu
der Sauce eignet:
Alles gut vermischen und 1 - 2 Std. ruhen lassen. Auf ein gut geöltes
Blech streichen und im vorgeheizten Ofen, 200 Grad, während etwa 30 Min.
goldbraun backen. Bereiten Sie dieses "Fladenbrot" vor dem Perlhuhn vor.
Wenn es fertig geschmort ist, halten Sie den Schmortopf auf einer Platte
warm und stossen das Blech mit der Torta nochmals in den Ofen, heizen diesen
aufs Maximum, damit die Torta warm wird. In Stücke schneiden und sofort
servieren.
Dazu servieren Sie einen feinen Toscanerwein.
Buono appetitio!

Ein grosses "Merci" all denen, die diesen "Advents-Kalender" überhaupt ermöglichen. Worum geht es: Ab dem 4. Dezember wird in der Matte das eine oder das andere Fenster ein ganz bestimmtes Aussehen haben. Es wird weihnachtlich dekoriert, beleuchtet sein und eine Zahl beinhalten: Das Tagesdatum. An diesem Tag gibt es eine "offene Tür", dies zwischen 18.00 und 19.00 Uhr. Die MättelerInnen sind in diesem Hause zu einem kleinen Umtrunk eingeladen. Wann und wo ist der untenstehenden Liste zu entnehmen - in diesem Sinne: Auf Wiedersehen im "Adventskalender-Törli!"
24. Dezember: Der ganzen Matte ein schönes Weihnachtsfest!
Zwei MättelerIn stellen freundlicherweise Ihren "Briefwechsel der
Extremen" der Matte-Zytig zur Verfügung: Zum Nachdenken, Anregen und
Schmunzeln!
Liebe MATTE Zytig
Die Antwort der lustigen Witwe auf meinen Brief empfinde ich als Zumutung;
ich muss schon sagen! Ein seniler, schulpflichtiger Spiesser soll ich sein,
gut so! Wenn ehrliche Arbeit und seriöser Lebenswandel verwerflich sein
soll, meinetwegen. Aber jemand muss noch Sorge tragen zu unserem schönen
Quartier, es gibt nicht nur Nachtschwärmer sondern auch Leute die tagsüber
hier leben. Und es gibt Kinder, die hier zu Hause sind und draussen spielen
wollen.
Liebe Redaktion, man kennt sie ja wohl, diese luftigen, noch recht
attraktiven Witwen, die sich jeden Abend auf der Gasse herumtreiben. Sehr
geehrte Frau Witwe, es wirkt bestenfalls lächerlich wenn jemand in Ihrem
Alter sich derart bei den Jungen anbiedert - Sie werden nicht jünger davon.
Aber wenn Sie schon die Rente Ihres Mannes verjubeln wollen, so machen sie
das bitte nicht hier unten in der Matte, besuchen Sie doch einen der schönen
Senioren-Kurse, ich empfehle "Wie plane ich mein Alter"!
Liebe Matte-Zytig
Also nein! Dieser P.D.S. aus 3011 muss ja wohl eine herzlose Matte-Ratte
sein. Witwen haben es schwer. Sie müssen ihre Trauer um den verstorbenen
Ehepartner doch irgendwie loswerden. Das hat nichts zu tun mit
Nachtschwärmerei. Dafür aber mit wieder gefundener Lebenslust. Und dazu hat
mir das lebendige Matte-Quartier sehr geholfen. Und die liebenswerten
Mättelerinnen und Mätteler auch. Keine Angst, P.D.S. Aus 3011; Ich plane
mein Alter schon selber. Und auch dabei hilft mir die Matte bestens. Hier
finde ich zum Beispiel Kochkurse mit Gleichgesinnten, astrologische
Beratungen, preiswerte Coiffeusen, gemütliche Beizen und eben... ein noch
funktionierendes Nachtleben. Lieber Clubs als Pillen, um Himmels Willen!
Liebe Frau oder Herr P.D.S aus 3011
Sie
sprechen mir aus dem Herzen. Auch ich, und viele, die mich zu diesem Thema
ansprechen, sind Ihrer Meinung.
Dass man, wenn man wie Sie eine eigene Meinung hat, mit Peter der
Schreckliche oder senile Spiesser tituliert wird, ist mir aus eigener
Erfahrung nicht fremd. Auch der Rat, aus der Matte zu verschwinden, ist
nicht neu. Was ist nur aus unserer schönen Matte geworden?
vor nicht allzulanger Zeit durften wir im Matte-Leist noch anderer
Meinung sein als unser Präsident, ohne von ihm gleich in die Schranken
verwiesen zu werden. Wir wollen aber nicht den vergangenen Zeiten
nachtrauern, sondern gemeinsam versuchen, wieder mehr Lebensqualität in
unser Quartier zu bringen. Dazu gehört aber auch, dass wir nicht so manches
Wochenende schlaflos verbringen müssen. Die von einigen so hochgespielte
"Kultur" in der Matte, bringt uns Anwohnern eigentlich ausser viel mehr
Autoverkehr und sonstigem Lärm, gar nichts.
Wenn wir alle uns wieder etwas mehr Mühe geben, den Andern und seine
Anliegen auch zu verstehen, werden vielleicht in Zukunft die
Leserbriefschreiber mit dem eigenen Namen zum Geschriebenen stehen.
Somit würden aus "P.D.S aus 3011 und lustige Witwe aus 3011 Menschen mit
Namen! Ich wünsche allen Mattebewohnern eine ruhige Zeit und frohe Festtage.
Als Gastgeberin für die Herren des Vorstandes, leider waren an diesem Abend keine Damen anwesend, erlaube ich mir, den Matte-Bewohnern an dieser Stelle meine Eindrücke von dieser Abendsitzung zu schildern. Ausnahmsweise und nicht am Schluss der Sitzung wurde von meinem Arbeitnehmer aus den Triva-Werkstätten ein zünftiges Abendessen kredenzt. Ob es geschmeckt hat? Nun, fragt sie doch einfach persönlich! Jetzt aber zu weit wichtigeren: Ich durfte erleben, wie engagiert man sich für die Angelegenheiten der Matte ein- und auseinandersetzte. Das vielseitige und bunte Bild de Matte spiegelte sich in dieser Runde wieder und hinterliess bei mir den Eindruck einer konstruktiven Zusammenarbeit und dem ernsten Bemühen um das Wohl der Mattebewohner. Quintessenz: Wir sind bei ihnen gut aufgehoben und umgekehrt.
in eigener Sache
Ich möchte an dieser Stelle noch etwas ergänzen zum Brief von Ute Nora.
Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir gemeinsam etwas erreichen können.
Sei es bei Verkehrsmassnahmen oder sonstige Anliegen im Quartier. Ich möchte
vermehrt eure Meinungen und Bedürfnisse hören. Alle haben etwas zu sagen!
deshalb möchte ich Euch bitten sagt das was ihr zu sagen habt. Alles was
nach aussen geht kann eine Veränderung bewirken. Jeder von uns trägt ein
Teil der Verantwortung für dieses Quartier. Auch Du oder Du bist
verantwortlich, dass wir zusammen etwas erreichen können. Der Matte-Leist
kann nur mit Hilfe der Matte-Bewohner etwas ändern oder tun! also schreib
oder sag uns deine Meinung oder ganz einfach das was du zu sagen hast!
Ernst Kursawe, Choch im Mühliredli "Dass es allne guet geit und
vom Chrischtchindli wünsche ni mir ä Fachma wo zu mir hei chunt der
Fernseh nöi cho ischtelle."
Ischiie Irsaweke, Ichche ime Ihlimeidlire "Issde ise illnee ietge
iitge inde imve Ischtchreindliche inschewe ine irme ä Ichfeime iwe ize
irme iihe intche irde Irnfeihse iine iche ischtellee."
Eine Kurzzusammenfassung einer Reportage von Frau Edith Jörg aus annabelle
Nr. 22/94. Wir danken für die Genehmigung.
Ich möchte Ihnen eine Zitaten-Zusammenfassung der, für mich, wichtigsten
Aussagen dieser äusserst interessanten Reportage geben:
"Mut zur Wut - aber gewusst wie!"
So drücken Sie Ihre Wut wirksam aus:
Äs schöns nöis Jahr mit viu Gfühl wünsch ig Euch
Heinz Inderbitzi "I wünsche mir ä schöni Uslandreis für ds nächschte Jahr,
entweder Afrika oder Südamerika."
Inehe Indereitzibe "Ie inschewe irme ä inische Iseindleiisre irfe ds
ichschtene Ihrje inteiderwe Ifrikae idere Idseimerikae."
An den Präsi, Vorstand und MitstreiterInnen für ihren Einsatz. An alle
Mitglieder, Neumitglieder und solche, die es werden wollen für die
Unterstützung. An alle SponsorInnen und WohltäterInnen für die Liebe zur
Matte und an alle, die in irgend einer Weise zur Gemeinsamkeit beigetragen
haben.
Merci viumau!
Wir wünschen allen eine wunderschöne Weihnachtszeit und ein warmes und
ruhiges 1995.
Ruth Margot, Gesang
Hans Peter Graf, Kirchenorgel und E-Piano
Bänz Margot, Schlagzeug
Res Margot, Bluesharp und Kontrabass
Leitung: Pfarrer M. Suter
Eintritt frei, Kollekte
M-Gospel will nach den letzten Weihnachtskonzerten auch dieses Jahr den
Zuhörern wieder eine Stunde Freude, Entspannung und Erholung bieten. Es wird
für die Besucher wie auch für die Musiker ein schönes Erlebnis sein, den
Gesang und die Instrumente in der wohlklingende Kirche zu geniessend. Die
Gruppe hat das Programm von verschiedenen Musikern übernommen und
arrangiert, wie Lieder von Ray Charles, Dollar Brand, Mahalia Jackson. Dazu
gesellen sich auch einige eigene Lieder.
M-Gospel hat besondere Freude, wenn möglichst viele Mätteler und
Altstadtbewohner am Konzert teilnehmen. Sicher spricht diese Musik neben der
älteren Bevölkerung auch Kinder und Jugendliche an!
Mittwoch, 7. Dezember 1994, Zeit 21.00
Ueli Müller schlägt zu
Dass die Matte das "quartier latin" von Bern ist, wissen alle, die hier
nicht nur durchfahren, sondern sich etwas Zeit nehmen und in den Lauben und
Gassen an der Aare herumhören.
Ueli Müller, Komponist, Bandleader und Schlagzeuger aus der Matte hat sich
mit seiner Band an eine Platte gewagt. Um es gleich vorwegzunehmen, es ist
eine Platte für Jazzliebhaber. Entsprechend eigenwillig sind auch die
Kompositionen auf der Platte. Das Konzept heisst "free pulse", die Platte
"blue moods". Es ist ein vielfältiger Querschnitt durch das Schaffen der
profilierten Jazz-Musiker, eher eine Werkschau als ein in sich geschlossenes
Gesamtwerk. Der Wunsch der drei Musiker, offen zu sein in alle Richtungen
ist angenehm deutlich spürbar, etwa in "oriental night".
achdenkliche, langsamere Stücke mit schaurig schönen Bläsern regen zum
Nachdenken und Träumen an. So richtig auf Touren kommt die Band bei den
fetzigeren Stücken. Besonders zu begeistern vermögen die gefühlvoll
unterlegten südamerikanischen Rhythmen. Alles in allem, ein gelungener
Start, die MATTE-Zytig gratuliert den Künstlern zu ihrem Werk und wünscht
ihnen viel Erfolg.
Beziehungen
was bedeuten Beziehungen? was sind Beziehungen in unserer heutigen Welt
noch Wert? Ist es die Liebesbeziehung? Die Arbeitsbeziehung? Die
geschäftliche Beziehung? Oder ganz einfach die Beziehung zwischen
Menschen:die zwischenmenschliche Beziehung. In der heutigen Zeit haben wir
viel zu wenig Zeit um unsere Beziehungen zu pflegen. Wie schön ist es, mit
lieben Menschen an einem Tisch zu sitzen und zu reden. Wie angenehm ist es,
mit dem Nachbar oder der Nachbarin einige Worte zu wechseln. Wie schön ist
es, auf der Strasse wildfremden Menschen ein Lächeln zu schenken. Wie
wunderschön ist es,auch, von einem Menschen umarmt zu werden.
Wir haben jederzeit die Möglichkeit Beziehungen einzugehen. Wie wichtig
ist es dabei, andern Menschen mit offenem Herzen zu begegnen. Wie viel
menschlicher, wird das Leben wenn ich die Wärme eines andern spüren kann.
Wie wenig brauche ich zu tun, um auf andere Menschen zuzugehen. Ich denke,
dass vorallem in dieser Zeit es ganz besonders wichtig ist, das Herz offen
zu halten, auch wenn der andere das Herz gegenüber sich selber geschlossen
hat. Kannst Du Dir vorstellen jeden Tag einem wildfremden Menschen ein
Lächeln zu schenken? Vielleicht wird es eines Tages erwidert, und Du spürst
die Nähe und die Beziehung zu diesem Menschen auch, wenn er Dir fremd ist!
Ich wünsche Dir eine beziehungsreiche - und schöne Zeit.