Matte-Zytig März 1993
CONTACT Bern
Geehrte Leserin
Geehrter Leser
Ab Mai l993 betreibt die Stiftung Contact-Bern ihre Angebote TRIVA und
Schulprojekt in der Stadtmühle. Anlässlich einer Schulkommissionssitzung und
einer Hauptversammlung des Matte-Leistes hatten wir Gelegenheit, Teile der
MattenbewohnerInnen darüber zu informieren. Aus den folgenden Berichten sind
die Zielsetzungen und Inhalte dieser Angebote ersichtlich.
Die Werkstatt TRIVA
Anna(*) war in einer verzweifelten Lage, als sie sich im TRIVA meldete:
nachdem sie ihre Lehre als Verkäuferin wegen Drogenkonsum abbrechen musste,
verlor sie auch noch die Wohnung und alle Freunde ausserhalb der
Drogenszene. Die nächsten Stationen ihrer Drogenkarriere schienen
vorgezeichnet: Prostitution oder Diebstahl, um sich Drogen zu finanzieren,
zerstörte Gesundheit und Gefängnis. Doch Anna liess es nicht soweit kommen:
sie stieg ins Methadonprogramm(**) ein und arbeitet seither regelmässig in
der Werkstatt TRIVA. Hier hat sie sich an einen geregelten Tagesablauf
gewöhnt, neue Kontakte aufgebaut und Selbstvertrauen gewonnen. Auf Frühjahr
hat sie eine Lehrstelle in Aussicht.
(*) Fiktiver Name
(**) Ärztlich verschriebenes Ersatzopiat zur Stabilisierung von
Heroinabhängigen
Die Werkstatt TRIVA bietet jungen Menschen mit Suchtproblemen geschützte
Arbeitsplätze an. Unbürokratisch wird der Arbeitseinsatz ihren Möglichkeiten
angepasst. Täglich werden maximal 12 Arbeitsplätze im Holz- und
Textilatelier neu verteilt und der Lohn (Fr. 10. in der Stunde) direkt nach
geleisteter Arbeit ausbezahlt. Neben diesen "offenen" Arbeitsplätzen besteht
für vier stabilere ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit einer festen Anstellung
für eine begrenzte Zeit, in der Regel ein halbes bis ein ganzes Jahr.
Die Arbeit im TRIVA soll den BenützerInnen ermöglichen, einen Teil ihres
Lebensunterhaltes selber zu finanzieren. In der Regel reicht der Lohn jedoch
nicht zur Existenzsicherung, so dass die meisten BenützerInnen auf
ergänzende Unterstützung, zum Beispiel vom Sozialamt, angewiesen sind. Durch
überschaubare Arbeitsprozesse, konkrete Arbeit an Produkten, die
wiederverkauft und verwendet werden, erhält die Arbeit einen Sinn und wird
als nützlich und befriedigend erlebt.
In den Holz- und Textilwerkstätten werden Produkte wie z.B. Leiterwagen,
Puzzles, Kindermöbel, Stoffbücher, Taschen, Etuis ... in Kleinserien von
Hand angefertigt.
Die ArbeitnehmerInnen werden von einem Team von fünf teilzeitlich
angestellten, sozialpädagogisch und handwerklich ausgebildeten
MitarbeiterInnen betreut. Eine Sekretärin ist zuständig für Buchhaltung und
Administration.
Das Schulprojekt
Zielgruppe: Das Schulprojekt richtet sich vorwiegend an junge Leute im
Alter von 16 bis 30 Jahren, die aus persönlichen, sozialen oder finanziellen
Gründen (Abhängigkeit, Lernschwierigkeiten, vorzeitiger Schulabbruch,
AusländerInnen, Arbeitslosigkeit) den Anschluss an bestehende Kurs- und
Ausbildungsangebote der öffentlichen und privaten Schulen nicht finden
können.
Angebote Den obgenannten, bildungswilligen Leuten, die sich schulisch auf
eine Aus - oder Weiterbildung vorbereiten, eine begonnene Lehre zu Ende
führen oder sich allgemein weiterbilden wollen, bietet das Schulprojekt
Einzelunterricht mit folgenden Schwerpunkten an: - selbständiges Lernen -
Stützunterricht in allen Fächern - Prüfungsvorbereitungen - Verarbeitung
negativer Schulerfahrungen - gezielte pädagogische und psychologische
Begleitung - Abklärung des vorhandenen Schulwissens
Diese Arbeit wird von 3 LehrerInnen mit sozialpädagogischer
Zusatzausbildung geleistet.
"Treffpunkt café consequent"
.. ist ein nicht öffentlicher drogenfreier Treffpunkt. - Tagsüber dient er
als Treffpunkt und Pausenraum für MitarbeiterInnen und KlientInnen des
TRIVA. - Abends ist er nur geöffnet, wenn ein betreuter Anlass stattfindet:
Selbsthilfegruppen können ihre Meetings abhalten und die "anderi Freizyt"
kann ihre Kurse durchführen. ...
**** Wir wissen, dass im Zusammenhang mit Drogenrehabilitationsarbeit
immer Aengste zu den Auswirkungen auf das Umfeld aufkommen. Die Aengste
orientieren sich meistens an Erfahrungen der offenen Drogenszene. D.h. an
herumliegenden gebrauchten Spritzen, am Zuzug von Drogenabhängigen in die
Quartiere, an der Beschaffungskriminalität, etc.
TRIVA und Schulprojekt sind geschlossene Angebote, die eine durchgehende
individuelle Betreuung garantieren. Sie richten sich an Menschen mit
Abhängigkeitsproblemen, die nur zum Teil Drogenszenenkontakt haben und sind
örtlich von den Drogenszenentreffpunkten getrennt. Eine mehr als 10-jährige
Erfahrung mit dem Umfeld dieser Angebote hat gezeigt, dass keine Probleme
entstehen. Deshalb gehen wir davon aus, dass durch unsere Präsenz die Matte
keiner zusätzlichen Belastung ausgesetzt wird.
Ich hoffe, dass unser gemeinsamer Kontakt freundschaftlich gestaltet
werden kann. Im Mai führen wir einen Tag der offenen Türe durch. Wir werden
Sie zu gegebener Zeit dazu einladen. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen
gerne zur Verfügung. Unsere Kontaktadresse ab 1. Mai l993: Frau Astrid
Renfer, TRIVA, Mühlenplatz 11, 3011 Bern, Tel. 03l/22 70 50.
Die Stiftung ist eine privatrechtliche Institution, die für Jugend-,
Eltern- und Drogenarbeit in der Region Bern zuständig ist. 23
Einwohnergemeinden sind ihr angeschlossen. Ihr Zweck verfolgt insbesondere
"Jungen Menschen und ihren Bezugspersonen in schwierigen Lebensphasen,
insbesondere im Zusammenhang mit Abhängigkeitsproblemen beizustehen und
durch geeignete Aktivitäten die Zunahme dieser Probleme zu verhindern."
Unsere Dienstleistungen sind: Beratungsstelle, medizinische Betreuung/
Spritzenumtausch/ 2 Anlaufstellen für Drogenabhängige/ Bauprojekt/ TRIVA und
Schulprojekt.
Wir sind (ausser Spenden) zu l00 % vom Kanton finanziert.
Es geht weiter: die spitzen Zungen vom Quartier sind wieder gemeinsam
unterwegs! Süss, aber falsch. Herbei Schreibhexe und Schreibteufel: Sacharin
und Sachar!
Willkommen!
Die blaue Zone kommt nicht. Aber dafür Tempo 30; macht nüüt, zum Parkplatz
suchen muss man einewäg echli langsamer fahren. Auch die
Weihnachtsbeleuchtung kommt nicht, dafür ist der Leist mit einem blauen Auge
davongekommen. Erst recht und garantiert sicher kommt die Drogenszene nicht
in die Matte. Kommt Euch das auch irgendwie bekannt vor? Die
Wasserwerkgässler dagegen kommen in Scharen. Leider nicht wie blauöigig und
vollmundig versprochen mit dem Pedalo sondern mit dem Auto. Die Schule ist
aus und die Kinder kommen über die Strasse, tot oder lebendig. Im Sommer
kommen dann wieder die Brämen und die Touristen. Alle, alle kommen in die
Matte. Und alle, alle wissen ganz genau, was die Matte braucht, nur die
Mattenbewohner kommen da halt nicht draus.
Komme es wie es wolle, Hauptsache für Sacharin und Sachar ist, dass
wenigstens bald der Frühling kommt!
Wie bringt man mehr Mätteler an die Hauptversammlung des Leistes? Ein Bon c'est si bon! Der spendable MATTE-Leist lud ein zu einem Gratisgetränk bei der Hauptversammlung. Ehepaare in Begleitung Erwachsener erhielten sogar deren zwei! Und schon strömten die durstigen Seelen herbei, dass der Pfarrer schier neidisch wurde. Knapp ein Drittel der Leist-Mitglieder versammelten sich im Zähringersaal, wie vor 113 Jahren bei der Gründung. Das ist fast wie an einer eidgenössischen Abstimmung, an einem schönen Sommertag. Und wie man vernahm, hat der Vorstand auf der Bühne mit seiner Sitzung niemanden heftig gestört.
Natürlich geht es nicht um einen Steckbrief aus dem Wilden Westen, sondern
um unsere allerengste Heimat: die Matte. Ob sie den tiefen Schlaf einer
arroganten Einfamilienhaus-Siedlung oder ein weltoffenes Quartier sein soll,
war nämlich das bewegendste Thema an der 114. Mitgliederversammlung des
Matte-Leists. An der Südflanke der Aarehalbinsel unterhalb des Stadtkerns
gelegen, ist es natürlich schwierig zu definieren, ob die Matte nun ein Teil
des Stadtzentrums oder ein kleines, stilles Dorf am Stadtrand sein muss. Wer
hier wohnt, hat sich ganz bewusst dafür entschieden, nicht im grossen
Zentrumslärm zu leben. Das Malerische, Verträumte am alten Schiffer- und
Fischerviertel war es, das ihn gelockt hatte. Er verzichtet dafür auf eine
nahegelegene Tram - oder Bushaltestelle. Recht hat er.
Das Gewerbe, das bei uns unten an der Aare angesiedelt ist, hat aber
andere Wünsche. Für sein erfolgreiches Ueberleben ist es wichtig, dass es
gute Zufahrtstrassen und für die Mitarbeiter genügend mehrstündig benützbare
Parkplätze gibt. Die Matte ist ein gemischtes Wohn- und Gewerbequartier, das
war sie schon immer. Und darum muss sie beiden Seiten gerecht werden können,
den Ruhe und Erholung suchenden Bewohnern und den Erfolg und Verkehr
suchenden Gewerbetreibenden. Man sollte meinen, dass dies mit gutem Willen
auch machbar ist. Voraussetzung für eine gemeinsame, für alle befriedigende
Lösung ist aber der Wille für ein offenes Gespräch und keine
Gesinnungsverhärtung. Man steht sich schliesslich nicht als Gegner
gegenüber, sondern höchstens als Partner mit nicht in allen Belangen
gleichen Wünschen. Es ist darum schade, wenn man sich an einer
Mitgliederversammlung streitsüchtig gibt. Das Miteinander ist auch in
unserem Fall der glücklichste Weg zu einer guten Lösung. Schliesslich
braucht das Gewerbe ausgeruhte und zufriedene Mitarbeiter und die Bewohner
benötigen genau so ein funktionierendes, sich möglichst frei entfalten
könnendes Gewerbe. Und dazu kommt eben die Tatsache, dass die Matte nicht an
den abgelegenen Rändern des Forstes liegt, sondern mitten in der Stadt.
Grabesstille können wir darum hier nicht verlangen.
Aber die verschiedenen Wünsche von Bewohnern und Gewerbe sind nicht das
einzige Problem, das an der Mitgliederversammlung zum Teil heftig, zum Teil
mit der Faust im Sack diskutiert wurde. Da gibt es den neuen Club
"Wasserwerk", der hunderte von jungen Leuten anzuziehen droht. Und da gibt
es die Tageswerkstätte der Stiftung Contact-Bern, die Drogenabhängige auf
unsere heiligen Plätze zu bringen wagt. Obwohl die Angst vor diesen beiden
neuen Institutionen in der Matte vielleicht egoistisch ist, muss man die
älteren Mätteler bei ihren Ressentiments auch verstehen. Die Tanzdiele hat
ja schon bewiesen, dass junge Leute weniger diszipliniert sind als alte.
Das wissen wir alle längst, aber wir wollen doch trotzdem nicht einfach
die Jungen aus dem Quartier ausweisen. Jede lebendige Gemeinschaft lebt vom
Mix aus allen Generationen. Und wir wollen doch unseren Beitrag zur Lösung
des sozialen Problems Nummer 1 nicht verweigern. Jedes Quartier hat
Drogensüchtige produziert, jedes Quartier muss darum auch seine Hand
ausstrecken, wenn es darum geht, ihnen Hilfe für die Heilung anzubieten.
Sollte der Klub "Wasserwerk" oder die Drogenabhängigen die Matte, trotz
aller gegenteiligen Versicherungen zu stark belasten, werden wir uns
natürlich wehren. Wichtig aber ist, dass wir uns nicht abweisender verhalten
als andere Quartiere der Stadt. Wir sind ja schliesslich auch nicht
schlechtere Menschen als die Mattenhöfler, die Länggässler oder die vom
Breitenrain.
Halten wir also unsere Aengste zurück und bieten wir erst einmal Hand zur
Integration aller Gesellschaftskomponenten. Wenn wir schon im Voraus unsere
Türen verschliessen, werden wir in einem toten statt in einem lebendigen
Quartier wohnen und arbeiten müssen. "Die Gschidde u die Glatte göh ir Matte
a Schatte", hat Polo Hofer im Reiseführer der Republik Matte geschrieben.
Die Gschiide u die Glatte helfen mit einem positiven Geist die Wohnqualität
bei uns drunten möglichst hoch zu halten, gleichzeitig aber auch unseren
menschlich nötigen Beitrag für die Lösung der sozialen Probleme einer Stadt
zu leisten. Nicht allein, aber doch mindestens in dem Rahmen, wie es die
andern Quartiere auch tun. Ich bin überzeugt, dass es uns so im Innersten am
wohlsten ist.
vom 22. 2.1993 im Refugium "Zähringer"
Weihnachtsbeleuchtung: Die Versammlung stimmt dem Aussöhnungs-Protokoll
des Richteramtes Bern zu. Dieser Antrag zur Bezahlung von Fr. 3000.- an Frau
Langenegger wird mit einer Gegenstimme genehmigt.
Der scheidende Vizepräsident Alex Milani und der scheidende Kassier Peter
Maibach werden mit Applaus und französischem Rotwein verabschiedet.
Ebenfalls aus dem Vorstand ausgetreten ist Jean Dubois, der leider nicht
anwesend war.
Neuwahlen
Vize-Präsident: Fritz Kobi
Kassier: Markus Bosshard
Kultur: Jimmy Hofer
Beisitzerin: Evelyne Pfister
Bestätigungswahl
Präsident: René Stirnemann
Sekretariat: Rosmarie Bernasconi
Redaktion: Jacqueline Vuillien
Delegierte Spysi
Rolf Badertscher bisher Sonja Reber neu gewählt
Bern für Blumen
Willy und Heidi Iseli
Revisoren
Rolf Badertscher bisher, Maggie Salzmann anstelle von Thekla Mäder
Ehrenmitglied
Willy Iseli
Den Leist-Mitgliedern wurde das Protokoll zusammen mit dem
Einzahlungsschein für den Jahresbeitrag bereits zugestellt. Das ausführliche
Protokoll kann über unser Postfach verlangt werden.
Die Rubrik Glücks-Egge: Die Rubrik, in welcher Sie etwas zum Kaufen, Tauschen oder Verschenken anbieten können. Vielleicht hat jemand Geburtstag dem Sie gratulieren möchten. Vielleicht hat jemand eine Prüfung bestanden. Vielleicht heiratet jemand. Vielleicht hat jefrau ein Kind erhalten! Sie haben viele Möglichkeiten ihre ganz persönliche Nachricht über die Matte-Zytig mitzuteilen. Schreiben Sie uns und wir drucken für Sie! Richten Sie Ihren Zeilen an: Matte-Leist, zhd. Matte-Zytig, Postfach 79, 3000 Bern 13.
Diese Rubrik beleuchtet das aktuelle Kulturgeschehen und den
Galeriebetrieb in der Matte. Berichtet auch über die gute alte oder
aufregende neue Matte-Kultur. Schreibt mit, liebe Kulturtäter, Künstler und
Lebenskünstler in der Matte!
Galeriekalender
FAEH, Schifflaube
28. März/April 1993
Werke aus eigener Sammlung und Verkauf der gesamten Galerie-Einrichtung
Finissage: Freitag, 2. April 1993
c/o Suti, Gerberngasse 15
29. April bis 29. Mai 1993
"Arbeiten aus Budapest" Babette Berger *Max Roth * Verena Schwab* Max Spring
(zu sehen sind Werke, die 1992 im Zusammenhang mit dem Künstleraustausch
Bern-Budapest entstanden sind)
Galerie NYDEGG, Mattenenge 7
24. April bis 16. Mai 1993
ROGER TISSOT
Vernissage Samstag 24. April 17.00 - 20.00 Uhr
Forum ETC, Klösterlistutz 18
Jetzt neu.. Ab Dienstag 16. März 1993
(und jeden Dienstag ab 21.00 Uhr):
Déjà-Vu Club nocturne Ein Gefäss für Unerwartetes, Unprogrammiertes,
Unvollkommenes und Gegenteiliges. Bar für Clubmitglieder und Gäste offen.
Produktionen je nach Eingang. Programme werden kurzfristig angesetzt.
16.- 19. April 1993
Saud Adrus Computerkünstler und Maler gibt einen Workshop in Computer-Art
Kurskosten: Fr. 200. Anmeldung: Tel. 41 30 92
29. April ,6./13./27. Mai ,3./17./24. Juni 1993
.. nicht vom Brot allein kultureller Mittagstisch zum Themenzyklus
Vernetzung. Ehrengäste noch unbestimmt.
Ausstellung in Vorbereitung:
30. April bis 23. Mai 1993:
Manuela Schubert, Deutschland/Frankfurt
25. Mai bis 3. Juni 1993
Eigenausstellung Atelier Etcetera, Glasskulpturen
Galerie und Kleinkunsthalle Zähringer
28. April bis 15. Mai 1993
Susann Baur und Margarete Ebeling
19. Mai bis 5. Juni 1993
Barbara Bandi und Lotti Hermann
8. - 26. Juni 1993
Marianne Bisegger
Galerie- und Kleinkunsthalle Zähringer
2. April 1993
Das Magdeburger Kabarett Die Kugelblitze spielt unter dem Titel: "Nur nicht
die Wut verlieren".
30. April 1993
Rose Marie Doblies Gesang, Günther Doblies Gitarre, Bass, Tony Ryf Klavier
mit Songs nach Marlene Dietrich , Romy Haag, G. Gershwin u.a.
1. Mai 1993
Songs of Seas and Ferries mit Shirley Grimes, Gesang, Gilbert Paefftgen,
Hackbrett, Bänz Oester, Bass.
6. und 7. Mai 1993
"Der letzte Diktator" ein Monolog mit Hans-Peter Minetti
8. Mai 18.00 Uhr 1993
Liederstunde mit Hans-Peter Graf, Tenor und Hansjürg Kuhn, Klavier
12. Und 15. Mai 1993
Ruth Margot und Josef Bossart, Lieder und Chansons
21. Mai 1993
Helene und Adrian Wepfer und Markus Maibach, Kammermusik
22. Mai 1993
Jürg Lehmann und Katrin Tschanz, Berndeutsche Lieder 26./28./29. Mai 1993
Quattro Stagione mit dem neuen Programm: Ländler und Ausländler"
Mahagony-Hall, Klösterlistutz 18
Das aktuelle Veranstaltungsprogramm hängt wie immer im Info-Kästchen des
Matte-Leist.
Bitte meldet Eure Produktionen/ Daten direkt an: Matte-Leist, z.Hd.. Matte-Zytig, Postfach 79, 3000 Bern 13
Gegen Ende eines Interviews mit Therese Frösch, der neugewählten
Gemeinderätin, stellt der Journalist folgende wichtige Frage: "No zum
Abschluss Frou Frösch nämts üs doch Wunder i welem Sternzeiche Dir gebore
sit."
"Ig bi Wasserfrou!" - Meint der Journalist: "da heit Dir dä scho NO Glück
gha, dass Dir nit Stier sit, schüsch wäret Dir ja ä Chue!"
Zum Glück hat Astrologie keine Probleme mit Humor!
Für Leni Hersberger ist das kein leerer Satz, denn sie hat ihn 82 Jahre
lang gelebt. Sie ruft mir das Zitat aus der Bergpredigt von der Küche her
zu, während sie eine Schale selbstgemachter Truffes aus dem Eisschrank holt
und sie mir auf den Tisch stellt. "Das ist die siebente Eigenproduktion in
diesem Jahr. Ich selber darf sie zwar nicht mehr essen, aber meine Söhne,
ihre Frauen, die Enkelkinder und andere Buben wie du, rühmen sie. Darum
freut es mich, ihnen allen ab und zu eine süsse Freude zu machen."
Ich sitze am Tisch und betrachte all die Fotos aus Lenis Leben. Sie selber
hat sich, wahrscheinlich aus Bescheidenheit, nur selten ablichten lassen.
Dafür hat sie Alben und Schachteln voller Bilder ihrer Liebsten und ihrer
Freunde sorgfältig gesammelt. Zu jedem Bild weiss sie eine bewegende
Geschichte zu erzählen. Man merkt, dass sie mit dem Herz gelebt hat. "Ich
bin wohl hier in dieser kleinen, aber komfortablen Wohnung über der Post.
Und mit dem Posthalter und seiner Frau habe ich auch ein gutes Verhältnis.
Kein Wunder: das sind noch Leute, die schaffen können. Die Frau Gränicher
wischt noch eigenhändig den Gang und den Vorplatz." Lenis Wohnung ist voller
Andenken an liebe Menschen. Auf dem Servierboy steht beispielsweise ein
Weihnachtsstern, der ihr der alte Liftboy vom Senkeltram eines Tages
gebracht hat, weil sie nicht mehr die Erste am frühen Morgen war, die in
seinem Hebekasten erschien. Leni war damals krank gewesen und hat's
natürlich niemandem sagen wollen. Man jammert einfach nicht. Aber bei ihrem
regelmässigen Arbeitsgang zum `Lorenzini', wo sie noch immer rüstig ihre
Halbtagsstelle inne hat, mussten die Mätteler merken, dass etwas nicht
stimmte.
"Ich bin hier in der Matte geboren. Am 30. April 1911, wenn du's genau
wissen willst. Und zwar im Haus des Restaurants Schwanen." - "Kenne ich
nicht", werfe ich dazwischen. "Das war neben dem Zähringer, weisst du. Und
da hatte es übrigens ein grosses Tor zu dem Platz, wo heute die Autos
parkieren. Und auf dem Platz war ein Wöschhüsi. Meine Grossmutter hat dort
noch meine Windeln gewaschen. Du musst nämlich nicht meinen, ich hätte in
meinem Leben nicht auch mal in die Hosen gemacht."
Und dann erzählt sie mir von Tante Gugelhupf. Diese gutmütige Schwester
ihrer Mutter buk den Kindern immer Gugelhöpfe zum Geburtstag, die man aber
kaum essen konnte, weil sie so trocken waren. "Meine Eltern waren inzwischen
in den Breitenrain umgezogen. Ich ging im Spitalacker in die Prim und in der
Laubegg in die Sek. Aber am freien Mittwochnachmittag kam ich fast
regelmässig zu Tante Gugelhupf hinunter und machte für sie Kommissionen und
andere kleine Arbeiten. Damals gab es noch zwei Bäckereien und zwei
Metzgereien in der Matte. Da bekam man als Kind immer ein Gutzeli oder ein
Rädli Wurst." Lenis Verwandte waren der Matte sehr verbunden. Der Grossvater
zum Beispiel war verantwortlich dafür, das in unserem Quartier die
Gaslaternen jeden Abend angezündet und jeden Morgen wieder gelöscht wurden.
Sein Onkel, der Stettler Bärtu, war der legendäre Badmeister im Bueber. Ein
Bild von ihm hängt heute im Fischerstübli. "Leider leben viele meiner
Jugendbekanntschaften nicht mehr", sagt Leni mit wehmütiger Stimme. "Aber
ich bin froh, dass ich in meinem letzten Lebensabschnitt wieder hier unten
wohnen darf." Sein Mann, Heiri lebte mit ihm über Jahrzehnte in der
Schwanengasse. 1931 genau zwanzigjährig, hatte es mit ihm geheiratet. "Es
war eine schwierige Zeit. Eine Krise, härter als heute. Und Heiri musste
kurz vor unserer Hochzeit für einen Freund dem er Bürge gewesen war, sein
ganzes Erspartes abliefern. Ich hatte keine andere Wahl, als mich sofort
nach einer Arbeit umzuschauen; und eine zu finden war damals fast unmöglich.
Aber ich hatte Glück und konnte in der EPA für 160 Franken im Monat
Verkäuferin werden."
Mit Heiri zusammen hat Leni während 15 Jahren im Lorenzini gearbeitet,
einfach um mit Arbeit einen Beitrag an die Gesellschaft leisten zu können.
Uebers Wochenende verliessen sie regelmässig die Stadt und genossen das
Landleben im Stöckli in Matzwil. Aber auch hier wurde gearbeitet: Ein
riesiger Garten produzierte frisches Gemüse, das ihnen das Lorenzini
abkaufte. In den jüngeren Jahren hatten die beiden einen Töff, mit dem sie
am Sonntag ausfuhren und die Welt ausserhalb der Stadtmauer kennen lernten.
Fast 56 Jahre lang war Leni Heiris Ehefrau, zog zwei Söhne auf und trauerte
um das Töchterchen, das mit fünf Jahren starb. Am 3. März 1987 verstarb auch
Heiri, den Leni in den letzten Jahren liebevoll in seiner Krankheit gepflegt
hatte. Drei Jahre hielt Leni es noch allein an der Schwanengasse aus, dann
wollte sie in jenes Quartier zurück, in dem sie die meiste Zeit seiner
Jugend verbracht hatte. "Dr Vätu u d'Mättu, das si mini liebschte
Erinnerige", resümiert die immer gut gelaunte Frau. Und dann fügt sie
fürsorglich hinzu: Nimm NO es Praliné, bevor dass de geisch. U chumm gli
wieder. Wenn i d'Vorhäng zrügg zoge ha, bin i daheim."
AM 31. März 1993 läuft die Einsprachefrist zur Aktion "Zuhause in Bern"
ab. Der Verkehrsrat von Bern erklärte gegenüber der MATTE-Zytig:
"Es handelt es sich dabei um eine erstmals am 1. April 1993 anlaufende
Aktion. Sie dauert bis in den Herbst 93 und wird jährlich wiederholt. Ziel
ist es, dem rückläufigen Touristenzahlen entgegenzuwirken. Dabei soll das
fremdenfreundliche Image von Bern besser an die Touristin und an den
Touristen herangebracht werden."
Touristen, die eine Stadtrundfahrt in einer Kutsche buchen haben die
Möglichkeit, eine Wohnung im Altstadtgebiet zu besichtigen. Kommen sie bei
der Stadtbesichtigung an einem Haus vorbei, das ihnen besonders gefällt,
können sie das Kütschli anhalten lassen und im Haus eine Wohnung nach ihrer
Wahl besichtigen.
Die Bewohner sind gebeten, freundlich zu lächeln und eine Berner Tracht zu
tragen. Das Verkehrsbüro empfiehlt, vor den erwartungsgemäss besucherstarken
Wochenenden die Wohnung aufzuräumen und gründlich zu putzen.
Leider können keine Entschädigungen ausgerichtet werden, dafür dürfen Sie
aber allfällige Trinkgelder behalten! Es ist nicht vorgeschrieben, den
Besuchern etwas anzubieten, das könnte aber ein schöner Brauch werden.
Der Vorstand des MATTE-Leistes jedenfalls freut sich bereits heute auf
viele positive Reaktionen. Wenn Sie allerdings lieber nicht möchten, dass
Ihre Wohnung besichtigt wird, so melden Sie dies bitte dem MATTE-Leist noch
vor dem 1. April 1993, damit er Sie auf die Negativ-Liste eintragen kann.
Adresse: MATTE-Leist Postfach 79, 3000 Bern 13
Der Widder: heiss und begehrlich, jemanden den man/frau mit Feuer locken kann. Die Gerichte sind für zwei Personen berechnet. Dieses feurige Tête-à-Tête sollte mit einem spritzigen Weisswein und einem leichten Rotwein genossen werden; vergessen Sie das Mineralwasser nicht! Feuer muss man manchmal auch löschen können.
Fischsuppe "au feu"Zwiebeln hacken, Lauch in dünne Ringe schneiden. In erhitztem Oel mit Knoblauch, Curry und Cayenne-Pfeffer dünsten. Mit Fischbrühe ablöschen. Klein geschnittenen Fenchel, Tomaten, Lorbeer und Thymian dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, und zerkleinerten Heilbuttfilets dazugeben. Aufkochen und offen ca: 20 Min. leise köcheln lassen. Lorbeerblatt und Thymian entfernen. Den ganzen Suppeninhalt im Mixer pürieren. Die Fischsuppe mit Rahm und einem Schuss Weisswein aufkochen und die Safranfäden hinzufügen. 10 - 15 Min. bei schwacher Hitze einkochen und regelmässig umrühren. Inzwischen die Muscheln putzen. Seewolffilets in mundgerechte Stücke schneiden und mit den Muscheln in die die Suppe legen. Die Suppe nochmals ungefähr 10 Min. am Kochpunkt halten, dabei ab und zu umrühren und sehr heiss mit viel LIEBE anrichten!
Paprika-Lamm-Kebab auf Couscous Paprikasauce: 4 Peperoni oder Paprikaschoten (oder
halb/halb) halbieren und entkernen 1 dl. Hühnerbouillon Schuss Dry-Martini 2
dl. Rahm Salz
Couscous: 1/2 Lauchstengel in Streifen geschnitten 2
1/2 dl. Wasser, 1 EL Olivenöl, Salz, 250 gr. Couscous 30 gr. Butter 1 kleine
Peperoncini (Chilli) fein gehackt 40 gr. gesalzene Erdnüsse, grob zerhackt
Fleisch: 400 gr. Lammrücken in ca. 20 gr. schwere Würfel geschnitten
Salz, Pfeffer, 1/2 dl. Olivenöl und 2 Peperoncini (Chilli) fein gehackt
Das Dessert überlassen wir Ihren Fantasien!
I bi geng chly stouz druuf, d Stadt Bärn, u bsungers d Autstadt guet z
kenne. I bi ja zletschtamänd dert unger u a der Matte nide ufgwachse. I der
Autstadt bin i deheime gsi, bis i wyt über Zwänzgi bi gsi, un es het mer
ordeli weh ta, won i i de Füfzgerjahr dert furt bi. Aber me cha ja nid geng
am glychen Ort blybe.
I kenni d Stadt vom Zytgloggen aa nidsi wi mi eiget Hosesack. Vo däm bin i
überzügt gsi, un i hätt jede, wo öppis angers het wöue bhoupte, schreg
aagluegt. U glych bin i einisch wüescht dernäbe trappet u ha öpperem e lätzi
Uskunft ggä. I ha das zwar gly druuf gmerkt, aber da isch es scho z spät
gsi. Un i überchume hüt no fasch e rote Chopf, wen i dra dänke.
Aber loset sälber.
Es isch am ne Mittwuch Namittag im Einevierzgi gsi. I bi denn i ds achte
Schueljahr ggange u bi a däm Namittag zum ne Schuelfründ, wo am Stalden
unger deheimen isch gsi. Unger a der Chirchgass, dert wo d Chrüzgass übere
geit, isch es jüngers Fröilein gstange, es Göferli i der Hang, u het zimli
ratlos umenangergluegt. Wo si mi het gseh cho, isch si zwee, drei Schritt uf
mi zuegloffe u het mi chly verläge aagredt. Em Dialäkt nah isch si us em
Obeland cho.
Ob ig ihren ächt chennti sägen, wo der Buebebärgrein syg. Buebebärgrein? I
ha se läng aagluegt u ändlech gseit, i kenni d Stadt zwar unerchannt guet,
aber e Buebebärgrein _ nei, so öppis gäb es nid hie z Bärn. Mir heigen e
Buebebägplatz u ne Buebebärgstrass _ ob si amänd dert häre müessi?
Si het im Tschööplisack gnuuschet um ändlech es ghörig verwuuschets Zedeli
füregchnüblet. Si het's glattgstriche u mer's unger d Nase gha: «Da,
derthäre sellt i!» Würklech, uf däm Zedeli isch dütlech "Bubenbergrain"
gstange, u derzue no der Name von ere Frou. Numen äber, ob dä Strassename o
rächt gschribe isch? Rain u Strass - vilech seit men im Oberland beides u
meint ds Glyche. U hie bi üüs git es ekei Buebebärgrein _ i kenne d Stadt
dänk guet gnue, für das z wüsse!
Nenei, das Fröilein muess a Buebebärgplatz oder a d Buebebärgstrass. Weder
am Buebebärgplatz wohnt ja chuum öpper. Der sy ja nume luter Gschäftshüser.
U de no der Burgerspittu.
Burgerspittu? Wott die amänd öpper vo dene aute Lüt dert ga bsueche,
wo dert deheime sy? Nume, wen i das Fröilein a di rächti Adrässe wott
schicke, sött i chly öppis Neechers wüsse:
«Loset, isch die Frou uf däm Zedeli öppen e Tante oder e Grossmuetter, wo
im ne Autersheim isch?»
Ds Fröilein het dr Chopf gschüttlet: «O nei, das isch niemer im ne Heim.
Es isch e Tante vo mir u die sellti äben a däm Buebebärgrein wohne. I chan e
Stell aaträte hie i der Stadt, u bis i sälber es Zimmer finge, chan i bi der
Tante loschiere.»
Da hei mer's: nid Burgerspittu u dermit nid Buebebärgplatz. «De git es
nume no eis: dir müesset a d Buebebärgstrass _ u die isch im Chrichefäld.»
«U wo isch das ?» het ds Fröilein schier hilflos gfragt. «Änet der
Chirchefäldbrügg.» han i umeggä. «Chirchefäldbrügg? u wo isch de die?»
Äbe ja, das Fröilein kennt ja üsi Stadt nid. De muess i das dänk chly
neecher erchläre. I ha ne Aalouf gno un ere gluegt byzbringe, wo di
Chirchefäldbrügg u di Buebebärgstrass syg, u wi si der häre chömi. Derzue
han i mit de Häng schier e Stadtplan i d Luft use zeichnet. Si het de ömu no
gly einisch begriffe, dass di gsuechti Strass vo der Thunstrass di zwöiti
syg, wo rächts übere häbi. Es syg vo hie uus öppe zäh Minute z loufe. Das
Fröilein het sys Göferli wider i d Hang gno, mer no einisch «Dank hei
gisch» gseit u isch nachhär d Chrichgass uf dervogschuenet. I ha mi o nümmer
länger gsuumet u mi wider uf e Wäg zu mym Fründ gmacht. Dür d Chrüzgass
übere u nachhär d Grächtigkeitsgass ab. Derzue han i es ordeli stolzes Gfüel
gha, dass i das Fröilein a di rächti Adrässe ha chönne wyse. Ja, es isch äbe
guet, we me d Stadt kennt wi der eiget Hosesack!
Am spätere Nachmittag bin i wider gäge hei ggange. Nid ganz der glych Wäg.
I bi d Junkeregass uuf. Mir sy vor Jahre einisch der deheime gsi u drum bin
i no ganz gärn dert düre gloffe.
Won i bim Erlacherhof düre bi, han i schier me zuefelig gäge dä Durchgang
übere gluegt, wo dert unger däm Huus düre gäge d Matte abe geit. O ne
vertroute Wäg vo mir. Wi mängisch bin i dert abe gloffe i Chindergarte a der
Schiffloube unger?
Da bin i ungereinisch mit den Ouge a der Stassetafele ebhanget, wo näbe
däm Durchgang a der Muur isch gsi. U da bin i wüescht erchlüpft blybe stah u
ha dä Name dert druffe zwöi-drümau gläse. U das mit emne zimli rote Chopf Uf
der Tafele isch nämlech "Bubenbergrain" gstange, Buebebärgrein! Mir het es
fasch öppis ggä. Natürlech, der Bowäger! So het me hie u i der Matte
unger däm Stutz gseit. Das er eigetlech Buebebärgrein heisst, het me zwar
scho gwüsst. Aber wär dänkt scho da dra? Chuum öpper. Drum het o fasch
niemer hie zäntume däm Stutz angers gseit weder äbe Bowäger. O mir Buebe hei
das nid angers gha. U drum han i vori, wo mi das Fröilein nach däm
Buebebärgrein gfragt het, o nid dra ddänkt, dass das ja eigetlech a Bowäger
wott u dä chuum zwo Minute vo üüs wäg isch. Vo der Chrüzgass uus d
Junkeregass ab bis zum Erlacherhof, u scho wär si obe a däm Buebebärgrein
gsi.
Oder äbe am Bowäger!
Schier mit emne schlächte Gwüsse, aber o mit ere unerchannteTöibi im
Buuch, dass mir so öppis het müesse gscheh, bin i gäge hei trappet. I kenni
d Stadt wi my Hosesack! Ja, mytüüri! Da schicken i öpper Frömds e
Viertustung wyt i di lätzi Gäget, was het äch das Fröilein ddänkt, wo
si dert ihri Tante nid gfunge het? U de wider muess nachefrage u
zletschtamänd vernäh, si heig e Naregang gmacht. U das nume, wiu so ne
Glünggi e lätzi Uskunft ggä het. Eine wo meint er kenni d Stadt so guet!
Der einzig, wen ou nume chly Troscht isch gsi, dass i mer gseit ha, dass
vilecht no mänge angere glych ynegheit wär. U wär weiss, wi mänge, wo scho
lang hie i der Autstadt oder a der Matte unger deheim isch, würd tüür u
fescht bhoupte, es gäbi kei Buebebärgrein. Ömu nid hie z Bärn!
Dänkwou git es eine. Nume isch u blybt dä für mi u mänge angere geng der
Böwäger.
De wär aber da n öppis z säge. Es söu mer jjitz niemer fürha, es gäbi ja
gar kei Buebebärgstrass z Bärn. Das stimmt e Bitz wyt. Ömu für di hütegi
Zyt. Aber früecher einisch het es äbe doch eini ggä. Im Chirchefäld äne.
Aber im Zwöievierzgi isch si dür ne bhördleche Bschluss umtouft worde u
heisst sit denn Mottastrass. Zu Ehre vo däm ehemalige Bundesrat. Me het denn
gseit, mir heige ja scho ne Buebebärgplatz u ne Buebebärgrein, u das sötti's
eigetlech tue. Mit denen zwee Näme heig me em Adrian vo Buebebärg gwüss gnue
Ehr aata u de chönn dä di Strass sauft däm Bundesrat abträtte. Ob der
Buebebärg öppis derwider hätti gha? I gloube chuum. So win er wahrschynlich
o nüüt dergäge het, dass me däm Stutz, wo ja si Name treit, äbe glych no
Bowäger seit.
Mir danke em Alfred Beck , das är üüs di Gschicht us em aute Bärn het la
abdrucke. Vom Alfred Beck si scho es haubs Dotze Büecher mit bärndütsche
Gschichte erschine. Im April chunnt im Cosmos Verlag sis nöischte uuse: "Dr
Batzechlemmer"..
Dr Heinz Inderbitzi het die Gschicht äxtra für üüs illustriert, merci
Heinz. Der Heinz Inderbitzi zechnet die glettischte Poschtcharte vo Bärn u
ou vom Oberland. Vorletscht het är im Zähringer sini Bilder uusgschteut.
Wäutberüemt ischer aber ersch mit de Illustratione ir MATTE-Zytig
eine kleine Geschichte von Jacqueline Vuillien
Die warme/kalte Dusche hatte heute nicht den gewünschten Effekt erzielt.
Noch immer müde und zerschlagen stand ich mit meiner Kaffeetasse in der Hand
am Fenster und starrte in die Morgendämmerung hinein.
Ein Tag begann, ein Tag wie jeder davor und ein jeder danach. Ein Tag, der
gelebt sein wollte und den ich, wie üblich, mit Arbeit verbrachte: Hinein
ins Büro- lächeln - acht Stunden arbeiten, raus aus dem Büro- Lächeln
ausknipsen. Mit einem Achselzucken drehte ich mich vom Fenster und meinen
Gedanken weg und nahm meine Jacke.
Das Rütteln des Bus vermochte zwar meine Gedanken zu mischeln, aber immer
wieder woben sie das gleiche trübe Muster. Wo waren nur mein Elan, mein
Strahlen geblieben? Auf der Strecke des Arbeitstrotts? Die Bahnhofhalle
durchquerend, warf ich einen Blick auf die Dahinhastenden. Die Mienen
drückten alles aus: Unlust, Stress, Müdigkeit. Grau zu grau: Gummiboden zu
Betonwand zu grauen Gestalten. Wie aus dem Nichts heraus - Farbtupfer
lachende Gesichter. Eine Gruppe Menschen kreuzten meinen Weg: Aufregung und
Unternehmungslust blitzten aus den Augen, mit leicht geröteten Wangen
strebten sie den Geleisen zu. Magisch angezogen folgte mein Blick der
fröhlichen Gruppe, und wie von unsichtbaren Fäden gezogen, folgten meine
Beine nach: Hinunter den Gang, hoch die Treppen, hinein in den Zug. Da stand
ich, der Zug ruckte, fuhr an - fuhr davon und ich damit!
Nach Luft schnappend setzte ich mich auf den nächsten Sitzplatz. Gurgelnd
kroch aus tiefstem Bauch ein Gefühl hoch - ich legte meine Füsse auf das
Polster vis-à-vis und - lachte!
Sie schauen in die Sterne und holen den Mond auf die Erde ( Jacqueline
Vuillien, Susanne Troxler, Rosmarie Bernasconi)
Der Redaktionsschluss wird festgelegt fürs ganze Jahr. Manchmal wird er sogar eingehalten! Dann geht's los:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es sind die Hexen mit ihrem Kind;
Sie halten die Zytig wohlig im Arm. Sie fassen sie sicher und halten sie
warm.
Sie kreischen und jauchzen, sie schlagen und fauchen, sie singen und
tanzen durch Sturm und Blitz:
"Ihr lieben Leut kommt schreibt mit uns! Gar schöne Artikel erwarten wir
von Dir; manch bunte Wörter findest Du am Aarestrand. Uns reizen Deine
Gedanken- komm gib sie uns in die Hand".
Sie sammeln Artikel, sie schleichen um Hecken und warten auf Post und hui
sind sie weg um alle Ecken! (Goethe ruhe in Frieden)