Matte-Zytig 22. März 1991

«Zytgloggenturm, Berner Münster, kennen Sie schon den Berner Hausberg?
Ja - da sahen Sie schon eine Menge von unserer schönen Stadt.
Bitte? die Berner Matte wünschen Sie zu besichtigen? - Die Matte ... ?
ja klar, die liegt an der Aare unten, aber ich bitte Sie, dieses Quartier
...
Das ist doch dort, wo . . ., oder waren dort nicht ... ?»
Die Mätteler wissen Bescheid. Wir möchten unsere Matte präsentieren, wie wir sie sehen und fühlen. Jede Gruppe wird zu Wort kommen. Die Gewerbetreibenden, die Bewohner, die Kinder usw. Unsere Matte für Sie «Es gibt uns». J.V:
Das
Theater an der Schwelle, so wird das bekannte ZÄHRINGER-REFUGIUM auch noch
genannt, bringt eine geballte Ladung Kultur in die Matte hinunter. Von
Catherine Marty, die «Frau für alles» erfahren wir, dass 1986 der
Theatersaal zur KleinKunst-Halle (grosse Kleinkunst auf der Bühne - kleine
Hallenkunst an der Wand) umfunktioniert worden war. Unter Umständen lässt
Catherine sich entlocken, dass die Ambiance des Matte-Quartiers
ausschlaggebend gewesen sei für die Standortwahl des Cabaret Schifertafele,
1970. Nein, es war dieses Haus gewesen, eines der ältesten in der Matte, das
Hugo Ramseyer, den Gründer und Initiant des Zähringer-Refugiums, angezogen
hatte. Aber ein Haus mit Vergangenheit, wie wir in Erfahrung bringen
konnten: als früheres Bad-Etablissement soll auch Casanova sich zu mehreren
Besuchen eingefunden haben ... Heute begrüsst man Besucher mit anderen
Anliegen. Geboten wird viel, sei es fürs Auge, fürs Ohr oder den Gaumen, zu
kurz kommt man nicht im Zähringer. Seit der Kaffeehausbestuhlung kann man
bei einem Glas Wein oder Mineral gerne sitzen bleiben - ein Ort der
Begegnung. Auf die Matte angesprochen, empfindet Catherine den erschwerten
Zugang als grossen Nachteil. Ab 21.00 fährt der Matte-Lift nicht mehr, und
man ist beinahe gezwungen, das Auto zu nehmen; das Parkplatzproblem will sie
gar nicht erst gross erwähnen ...
Aber: die vorbeifliessende Aare verbreitet eine ganz spezielle Stimmung und
hier wohnen die Leute noch in ihren Häusern. J.V.
Seit bald 13 Jahren wirkt Jürg Bernhardt in seinem 70 m2 grossen Atelier im gemütlichen Haus am Wasser. Seine Kunden sind freischaffende Grafiker und Werbeagenturen. Besonders Spass macht ihm das Fotografieren von modernen Design-Möbeln und Inneneinrichtungen mit den dazugehörigen Stoffen. Er liebt die Matte sehr mit ihrer eigenständigen Atmosphäre, wo sich wohnen und arbeiten gut verbinden. Und wo man sich noch kennt und grüsst, als sei man in einem Dorfe. A.M.

Eine «Baracke» von aussen, aber mit viel Inhalt und Leben. Früher eine
Familienschreinerei, heute die Arbeitsräume der WERKGRUPPE, eine
Ateliergemeinschaft für Gestalter.
Die Idee einer Ateliergemeinschaft wurde 1980 verwirklicht. Die
Räumlichkeiten in der Matte bieten viel Freiraum. Ideal für selbständiges,
kreatives Schaffen.
Heute besteht die Ateliergemeinschaft aus: Peter Kupferschmied, dipl.
Innenarchitekt; Martin Bauer, Bauführer/Bauleiter; Urs Matare, Bauführer;
Reinhard Briner, dipl. Architekt ETH/SIA; Martin Zulauf, dipl. Architekt
ETH/SIA; Andreas Bürki, Designer SID; v. I. n. r. Andreas Bürki fehlt.
Das Foto präsentiert den momentanen Bestand der Gruppe; zeitweise arbeiteten
schon neun Personen im Gebäude. Alle selbständig, Zusammenarbeiten werden
jeweils fallweise vereinbart. Ziel der Gruppe ist es, interessante
Gestaltungsaufgaben in gegenseitiger Beihilfe und mit geteiltem
Infrastrukturaufwand zu lösen. Die Matte bezeichnen die gleichaltrigen
Männer, die sich z. T. schon aus der Schulzeit kennen, als ideales Umfeld.
Sie möchten daher die «Baracke» im bescheidenen Rahmen ausbauen, da sie sich
noch mehr Raum für «Kreuz-Quer-Verbindungen» wünschen. Lachend werden kleine
Begebenheiten und Begegnungen geschildert. Nahe des Stadtzentrums, die Aare
vor der Türe und ein heimeliger Dörfchencharakter, jeder kennt jeden. Dieser
gute Geist trägt man mit in seine Arbeit.
« Was die Matte ist?» -
« Tja - die Matte ist zum Beispiel, dass Grossmutter Stirnemann
(Schreinerei) noch heute ab und zu zum Kaffee hereinschaut, und der Fischer
mit fröhlichem Gruss frisch gerauchten Fisch vorbeibringt... » J. V. A. M.
Eigentlich wollte Sandra Tresch, als grosser Theaternarr, Bühnenbildnerin werden und wie es so ist - sie hat vor ca. 20 Jahren die Keramik-Fachschule in Bern absolviert. Sie ist eine tiefverwurzelte «Mättelere», denn ihre Gotte hat schon in diesem Haus gewohnt und «Klein-Sandra» hat sich immer dort wohl gefühlt. Die Matte ist für sie ein bisschen ein verdünntes «Klein-Paris» mit viel Ambience. Seit über 10 Jahren arbeitet und wohnt sie an der Schifflaube. Ihre Werke sind das ganze Jahr durch in der Zeitglocken-Apotheke ausgestellt und ihre Freundin Christine Walder freut sich immer, wenn ein Prachtsstück verkauft wird. Denn beide stossen gerne an und machen sich sodann einen schönen Abend in einer Altstadtbeiz. Sandra Tresch, eine hochbegabte Künstlerin, macht jedes Jahr Ausstellungen. Zurzeit arbeitet sie an ihrer Thematik «Frauen und Bäume». In Bäumen sieht sie Gestalten, Ruhe Lind Kraftquelle. J.V.
Seit bald 9 Jahren gibt's diesen lebendigen Betrieb in der Matte. Hier wird aktiv produziert und auch sehr kompetent beraten. Man spürt's - bei Cambio wird mit viel Freude gearbeitet. Viele Leute- unter anderem aus der Matte und der Altstadt -gehören zu ihrer treuen Privatkundschaft. Fast alles wird in Rahmen gelegt, Originale, Kunstdrucke, Riesenplakate, Stoffe, Fotos usw. Und manchmal auch verrückte Formate, z. B. eine Spezialanfertigung von zwei mal drei Metern. Auf alle Fälle schätzen Rudolf Täggli, Heidi Pfenniger und Marianne Nydegger das gemütliche Mattenquartier. A. M.