Matte-Zytig Mai 2000
Frühlingserwachen
Mit dem Osterwochenende ist der Frühling auch bei uns so richtig erwacht!
Ich freue mich jeden Morgen, dass in der Matte die Vögel noch pfeifen und farbige
Blumen in den Höfen leuchten !
Ich wünsche mir, dass diese Frühlingsfreude durchs Quartier zieht und Neues, positives
auslösen kann. Mit einer etwas turbulenten Hauptversammlung hat auch der Matte-Leist
ein neues Vereinsjahr gestartet. Viele Themen und Fragen stehen an, die nicht auf
einen Schlag lösbar sind.
Ein Ziel für mich ist der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, das heisst konkret,
auf das deutliche Resultat der Umfrage reagieren. Wie weit wir mit unserem Anliegen
(Buslinie tagsüber durchs Quartier) kommen, ist noch unklar.
Ein anderes Ziel des Leistes bleibt der Dialog, im Quartier wie auch als Verbindungsorgan
mit den Behörden. Ich fordere deshalb Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu auf,
sich direkt mit mir oder Vorstandsmitgliedern des Leistes in Verbindung zu setzen,
Ihre Anliegen zu formulieren. Ich freue mich auch über jede konstruktive Art des
Mitdenkens und Mitarbeitens.
Wir leben miteinander und wollen gemeinsam eine lebenswerte Matte gestalten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schwungvollen, fröhlichen Frühling!
Umfrage
Die Grundlagen. Es wurden rund 120 Personen (für die Matte-Bevölkerung eine wissenschaftlich
absolut repräsentative Anzahl) zufällig ausgesucht, die zwischen 12 und 61 und älter
sind, von der Badgasse bis zum Nydeggstalden ziemlich gleichmässig verteilt wohnen.
Eine Umfrage rund um den Mühleplatz hätte des Bild der Matte verzerrt und ungleich
wiedergegeben. Ein Vergleich mit andern Umfragen konnte aus methodischen Überlegungen
nicht vorgenommen werden. Das Alter wird entsprechend der Altersstruktur der Matte-Bewohnerlnnnen
ausgewiesen.
Die Befragten bescheinigen der Matte ein gute Schulnote, nämlich eine gute 4,5.
Die Hälfte der Mattebewohnerlinnen wird in irgend einer Form von Lärm belästigt.
Die häufigste Antwort (60%) war der Verkehr tagsüber und nachts. Ein spezielle Quelle
des Lärms konnte nicht genannt werden.
Knapp über 40% sind mit der Infrastruktur der Matte zufrieden. Viele haben sich
auch mit den Einschränkungen arrangiert und sich auf die Grossverteiler und die
Achsen" Kramgasse, Gerechtigkeitsgasse und die Parallelgassen" konzentriert.
77% befürworten einen Postomaten oder Bancomaten. 1/4 möchte die Einkaufsmöglichkeiten
verbessert sehen.
Fast 90% der Befragten haben schon mal die verschiedenen Matte-Restaurants besucht.
49% das Wasserwerk, die Silo-Bar und die Broncos -Bar 46%, 35% die neue "ONE more"-Bar
vom Fischerstübli und 1/5 der Matte -BewohnerInnen im Anderland. 2/3 der Befragten
waren schon mal in der Cinématte.
Knapp 90% befürworten einen Bus wie während der Renovation des Marzili-Bähnlis (auch
tagsüber) und davon würden ihn auch 90% benutzen.
Dies die Fakten.
Fazit: Insgesamt schneidet die Matte in dieser Umfrage gut ab. Die bereits
lange erkannten Diskussionspunkte "Verkehr, Lärm, Vandalismus" (ein Stadtproblem)
sind beim Leist seit längerem in Arbeit. Die Zusammenarbeit mit den Behörden hat
schon einige Anliegen realisiert (Blaue Zone, vermehrte Kontrolle der bestehenden
Verkehrsvorschriften, Problemerkennung "Schmierereien", etc. Die Umfrage hat keine
spezifischen " Sünderinnen" manifestiert, sondern lediglich den Umfang der Probleme
durch Fakten und Zahlen konkretisiert.
Einladung
zu einem informellen Treffen in der Matte
am Dienstag, 16. Mai 2000
ab 17.00 Uhr Einweihung Erinnerungsplakette
an den Höchststand vom 16. Mai 1999 mit Apéro
von Stadt und Kanton beim EWB, Wasserwerkgasse
ab 18.30 Uhr bis in die Nacht gemütlicher Höck im
Wöschhüsi bei Musik, Grill und Getränken
Diese Einladung gilt für alle, Mättelerlnnen,
AltenberglerInnen und weiteren
Überschwemmungsbetroffene, die Angehörigen
der Hilfsdienste, die uns im Mai 1999 tätkräftig
und unermüdlich beigestanden sind, an die
Verantwortlichen von Stadt, Kanton und Versicherungen,
die sich um unser Wohlergehen sorgten und
an die Medienvertreter und Vertreter.
Matte-Leist
Task Force Hochwasserschutz
Wöschhüsi-Verein
Von Paul von Kaenel. Erstmals möchte ich Rosetta Mischler und Shapoor Izadfar
im Vorstand des Matte-Leistes begrüssen (Ersatzwahl für die zurücktretenden Herren
Rene Stirnemann und Jörg Leuenberger an der Hauptversammlung vom 21.3.2000). Wir
danken ihnen im voraus bestens für ihre Mithilfe.
Der an der Hauptversammlung angekündigte Verkehrs-Info-Abend wird wegen terminlichen
Kollisionen der Hauptreferentin definitiv auf August 2000 verschoben. Wir informieren
Sie.
In der Nacht vom 15. auf den 16. April 2000 läutete bei E.P. und G.V. in der
Schifflaube 40 gegen Mitternacht die Feuerwehr. Beide erklärten den Mannen sofort,
dass es hier nirgendwo brenne. Aber darum ging es auch gar nicht. Ein fremdes "Büsi"
namens "Elvis" hatte sich irgendwo im Dachgebälk der Schifflaube 40 verkrochen und
verharrte in seinem Versteck. E. hörte das "Miauen" des "Gesuchten", sie konnte
ihn aber nicht dingfest machen. Am Sonntag, 16.4.2000 nachmittags, rückte die Feuerwehr
nochmals an, wurde aber der "Ausreisserin" erneut nicht habhaft. Es wurde von der
Feuerwehr ein "Chatzestägli" ins Haus 38 eingerichtet, um dem verängstigten Tier
eine spätere Heimkehr zu ermöglichen. Eine Menge schaulustiger Passanten und Mätteler
beobachteten die mutigen Männer bei ihrer Arbeit. Der liebenswürdige Einsatz der
Feuerwehrmänner war grossartig, doch der Einsatz sozusagen für die "Katz".
Im grossen und ganzen gibt es in jeder Matte-Zytig einiges an Neuigkeiten zu
berichten. Fangen wir am Läuferplatz an: Der "Ääru" war vorübergehend geschlossen
und wurde unter neuen Besitzverhältnissen der Räumlichkeiten am 1. Mai 2000 wieder
geöffnet und interimsmässig, bis zum totalen Umbau im September 2000 und den neuen
Spitzen-Pächtern, wird der II Ääru II mit italienischem und chinesischem Angebot,
weitergeführt. Wir werden in der nächsten Zeitung mehr berichten können. Und übrigens
kennen Sie den Quartier-Elektriker? Hr. Lelli installiert ihr Telefon (auch ISDN!),
ihre Elektro-Installationen und vieles mehr. Rufen Sie ihn an (Tel. 3125767 oder
079334 34 35). Mehr zu II unserem II Elektriker in der nächsten Matte -Zeitung.
In dieser Ausgabe werden aktuell die Nähateliers "Medusa" und "mi.ka." (Mattenenge
4) vorgestellt.
Wir stellen Euch kurz das neue Restaurant "Santorini" vor, welches als letztes
Matte -Restaurant anstelle des II Moitié-Moitié" ab 1. Mai 2000 wieder, in neuem
Kleider, geöffnet hat.
Weiter möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, das unser besonderer Erotik-Laden
im Quartier in renovierter Umgebung auch ständig sein Sortiment erweitert. Ein Besuch
bei Frau Katrin Dällenbach im Planet Love ist bestimmt auch für Sie ein Ereignis.
Sie erhalten ein ganz neues Bild von der Erotik.
Sicher sind Sie schon mal durch die Wasserwerkgasse geschlendert. Dabei ist Ihnen
sicher die MATTE PUCE (unsere" Brocante") aufgefallen (lesen Sie den Bericht in
dieser Ausgabe).
Vor ziemlich genau einem Jahr hat das Hochwasser viel Leid und Elend in die Matte
gebracht. Dieses soll mit der eben gegründeten Task Force (Schnell-Eingreiftruppe)
künftig so weit als möglich verhindert werden. Lesen sie über die Zielsetzungen
der Task Force in dieser Ausgabe. Eine Chronologie des Hochwassers (von Res Margot)
auch in dieser Nummer. Auch können wir eine Einladung zur II Enthüllung" einer"
Hochwassergedenktafel" am Dienstag, 16. Mai 2000 und dazu ein Apero ankündigen (siehe
Details in dieser Ausgabe).
Ebenfalls haben wir neu einen Pressespiegel, der uns vermittelt, was die Presse
in letzter Zeit über die Matte veröffentlicht hat.
Santorini liegt nördlich von Kreta im Mittelmeer. Die Insel Santorini ist bekannt
durch ihre maIerische Architektur und ihr spezielles Licht. Nun haben wir auch ein
"Santorini II am Aarestrand. In den Räumlichkeiten des ehemaligen "Moitié-Moitié"
ist nach grossen Umbauten das Restaurant "Santorini" eingezogen.
Küche rund ums Mittelmeer soll serviert werden. Schwerpunkt natürlich Griechische
Küche (griechischer Koch). Christophe Resch, der Küchenchef, wird aber die Mittelmeerküche
mit spanischen französischen und italienischen Speisen ergänzen. Die Apero-Kultur
soll gepflegt werden, Auswärtige und Mätteler sollen mit dem Konzept und einem gesunden
Preis-Leistungsverhältnis angesprochen werden. Eventuell spielen von Zeit zu Zeit
kleine Kapellen aus dem Mittelmeerraum. Die Wirtin Petra Portmann hat begeisterte
Pläne und geht das "Santorini II mit viel Enthusiasmus an.
Wir wünschen viel Erfolg!
Die Matte-Puce in der Wasserwerkgasse 5, neben dem Wasserwerk ist nicht einfach ein weiterer Flohmarkt in Bern, nein, es ist eine grosse, gestylte und vielfältige Brocante und keine Brockenstube. Die MATTE PUCE hat sich seit ihrer Eröffnung zu einem Treffpunkt der Berner Brocante-Händler gemausert, d1e Berner Brocante-Szene trifft sich an der sympathischen Bar (Sandwichs sind sehr zu empfehlen !) in der Mitte der Verkaufsräumlichkeiten, bei der sympathischen Roberta Kramer (Inhaberin PUCE, zusammen mit Roberto Balmer, Co-Leitung). Sei es ein "Buch aus 1691" für CHF 80.-oder eine nicht mehr gebrauchte Leuchtschrift der VERLEIH AG, ein uralter, aber intakter Fotoapparat, ein Kuscheltier aus unserer Kindheit (... wann die auch immer gewesen sei!), Möbel, Schaufensterpuppen, geritzte Glaswaren, Globen, mit/ohne Beleuchtung, die Lampe, die schon lange für Ihr Wohnzimmer suchten, vielleicht ein Schlumpf, als originelles Geschenk für ihren Chef, oder als Anerkennung für eine(n) schreibende(n) Freund(in) eine funktionierende "Remington"-Schreibmaschine (noiseless & portable) für CHF 850.-, es ist im MATTE PUCE zu finden. Locker (nicht allzu dicht, wie sonst auf allzu vielen Flohmärkten!) wird die äusserst vielfältige Ware dem Publikum präsentiert" Eingemietet haben sich im MATTE PUCE auch die Hutmacherin Beatrix Kaufmann, das Nähatelier "2ndSkin" (Jeanette Hebeisen) und "42 Soul" (Andreas Maeschi)-möbel und objekte 1930 1940 1950. Ebenfalls ist umfunktioniertes und bearbeitetes Dekomaterial vom Atelier für Gestaltung KREISLAUF/ (Atelier an der Murtenstrasse 143, 3008 Bern) ausgestellt. Ein Besuch im MATTE PUCE lohnt sich bestimmt.
Wenn man vom Nydeggstalden in die Mattenenge einbiegt, fällt einem alleine das
Schaufenster schon auf. Valerie Keller (Medusa) und Monika Imhof (mi.ka.) haben
sich gemeinsam in der Mattenenge 4 eingemietet. Die zwei jungen Frauen sind Damenschneiderinnen
und arbeiten als MEDUSA (Valerie) und mi.ka. (Monika).
Kreationen aus eigenen oder mitgebrachten Stoffen bestechen als Unikate alleweil,
und sollten es mal gemeine Schneiderarbeiten sein, machen sie diese möglicherweise
auf Anfrage. Ein spontaner Besuch bei den beiden Damenschneiderinnen lohnt sich
bestimmt, denn sie haben auch einige Modell-Kleider vorzuweisen, die ihre Arbeit
dokumentieren. Gehen mal Sie vorbei oder rufen Sie sie an:
Telefon 031 312 90 48 und verlangen Sie Valerie Keller (Medusa) oder Monika Imhof
(mi.ka.), sie werden Sie gerne beraten.
Forderung von Sofortmassnahmen zur Abwehr der durch das Hochwasser vom Mai 1999
zusätzlich entstandenen Gefahren und von weiteren Hochwasserschutzmassnahmen.
TASK FORCE
HOCHWASSERSCHUTZ AARE BERN
am 30. März 2000 gegründet
Forderung von Sofortmassnahmen zur Abwehr der durch das Hochwasser vom Mai 1999
zusätzlich entstandenen Gefahren und nach weiteren Hochwasserschutzmassnahmen. Innert
kürzester Frist haben 707 Personen die Petition für einen besseren Hochwasserschutz
unterschrieben. Das grosse Echo bei der Bevölkerung vom Altenberg über Matte bis
Marzili hat die Diskussion wieder angeregt und gezeigt, dass wir am Ball bleiben
müssen. Die Petition wurde am 17. März 2000 an den Regierungsrat des Kantons Bern
eingereicht. Das Thema darf bei den Behörden nicht wieder verkiesen oder ins Wasser
fallen, deshalb wurde am 30. März 2000 die Task Force gebildet. Zu diesem Anlass
trafen sich engagierte Mätteler und Bewohner aus dem Altenberg-Quartier zu einem
ersten Gedankenaustausch. Die Task Force wird nur nach Bedarf aktiv werden und weist
keinen Vereinscharakter auf (weder Statuten noch Beiträge).
Zielsetzung der Task Force
Die Task Force ist gerne bereit zusammen mit Stadt/Kanton und den Verantwortlichen
nach Lösungen zu suchen.
Koordinationsstelle Task Force
Claudia Candrian
Gerberngasse 3,
Postfach 275
CH-3000 Bern 13
Tel. 031 311 1780, Fax 031 311 8856 e-mail: ibb.bern@spectraweb.ch
Wally Bregenzer
Die Iiladig zum Spysl-Ässe
die wärded mir Eu nie vergässe,
äs läbt halt doch im Matte-Leist
eifach na - en - guete Geist.
So verzellt dr Kobi Fritz
nüd nur immer fuuli Witz.
Und dr Rene Stirnema
cha itz plötzlichg z'Rouche lah...
D'Sonja Reber, immer fit,
isch für d'Matte -n -au en Hit.
En schöne Rossschwanz treit dr Kees,
(ich gloube d' Jacqueline schätzed es).
De von Känel macht Matte-Zytig,
mängisch chunnt si nid rächtzytig.
U z'underscht det, da sitzt d'Frou Schläfli,
für mi vo allne's gröschte Schäfli.
De Rolf und d'Sonja vo Brämgarte
ghöred au zu dene Zarte.
De Willi Iseli und z'Heidi
die hämmer gärn, ja alli Beidi.
Und d'Präsidentin Stefanie:
sisch keis vo -n - eus so jung wie sie.
Zum Schluss seit's Rösli u de Wally:
Eus gfallt's bi - n - Eu. Vill' Dank an alli.
Die unten abgebildeten Postkarten wurden uns freundlicherweise von Rolf Badertscher, Bremgarten, zur Verfügung gestellt.


Dienstag, 11.5.1999
Kritischer Pegelstand der Aare von 503.80 m über Meer. Freiwillige Feuerwehr
aufgeboten zum Abfüllen von Sandsäcken.
Mittwoch,12.5.1999
Erste Liegenschaften in der Matte mit Sandsäcken geschützt. In der Nacht wird
Durchfahrt durch die Matte gesperrt. Die Turbine des Kraftwerks muss wegen zu kleinem
Gefälle des Wassers abgestellt werden.
Donnerstag (Auffahrt), 13.5.1999
Aare an verschiedenen Stellen über die Ufer getreten. Situation verschärft sich.
80 Angehörige der Feuerwehr, Nachtwache, Brandkorps und Zivilschutz kämpfen mit
Sandsäcken und Wasserpumpen gegen die ansteigende Aare.
Wasserstand WS: 504.12 m über Meer
Es werden gegen 5000 Sandsäcke abgefüllt und Barrikaden eingebaut. Pausenloser
Einsatz der Pumpen. ??? Kabelradio und Fernsehen steigen aus, Batterien für Notradios
und Taschenlampen nicht erhältlich, NATELS aufladen, EASY Cards "nachfüttern".
WS gegen Abend 504.17
Freitag, 14.5.1999
Einrichtung eines Sorgentelefons für die betroffene Bevölkerung. Die Mattebewohner
werden aufgefordert, Keller und Parterre zu räumen, abgestellte Fahrzeuge aus dem
Gebiet umzuparkieren und Einstellhallen zu räumen. Die Gewerbepolizei teilt mit,
dass der Flohmarkt auf dem Mühleplatz nicht stattfindet.
WS: 504.30
Stromzufuhr muss unterbrochen werden. Probleme mit Kühlschränken und Tiefkühltruhen.
Einsatzkräfte werden auf 100 Mann verstärkt. Sperrung der Dalmazibrücke. Grossräumige
Absperrung der Matte zwischen Zähringer und Mattenenge. Bei der Schwelle verschärft
sich die Situation stetig. Alle Schleusen sind voll geöffnet, und das anfallende
Geschwemmsel beginnt zusehends den direkten Abfluss zu erschweren. Es werden Massnahmen
vorbereitet, für den Fall, dass das Wasser den direkten Weg vom Tych in die Wasserwerkgasse
finden sollte.
Um 17.30 Uhr beginnt die Evakuation von Personen und Haustieren. Wegen der grossen
Gefahr der Verstopfung der Schwellen durch Treibholz und der plötzlichen Überflutung
der Matte fordert die Polizei die betroffene Bevölkerung zwischen Schifflaube 48
und der Nydeggbrücke auf, Wohnungen, Geschäfte und Häuser zu verlassen. Vorbeugend
evakuiert werden vorerst 80 Personen. Leute, die sich weigern, müssen unterschreiben,
dass sie auf eigene Verantwortung bleiben. Über das Sorgentelefon erklären sich
viele Privatpersonen bereit, Mätteler bei sich aufzunehmen.
Das Hochwasser verschiebt Senklochdeckel, die Abwasserschächte sind durch das
schlammbraune Wasser nicht sichtbar und sind eine grosse Gefahr für Personen, insbesondere
Kinder. Erziehungspersonen werden aufgerufen, ihre Verantwortung wahrzunehmen.
Unterstützung der Einsatzkräfte Rekrutenkompanie 111/76 aus Genf.
Die Bevölkerung ist stark verunsichert durch schlimme Gerüchte. Sie bittet die
Behörde um sachliche Information. www.matte.ch bringt minutenschnell (schon ab Mittwoch)
neuste Meldungen aufs Internet und für stromlose Mätteler auf Papier an öffentlichen
Anschlagbrettern.
Samstag, 15.5.1999
WS: 08.00 Uhr 504.58
Schadengebiet hat sich ausgedehnt. Evakuation von bisher 113 Personen. Die meisten
Personen haben bei Verwandten und Bekannten Unterschlupf gefunden. Ein kleiner Teil
hat die Hilfe der städtischen Fürsorge angenommen. Insgesamt 500 Wehrkräfte im Dienst,
zusätzlich 80 Armeeangehörige. Probleme mit Abwasserentsorgung. Wassermassen unterspülen
das Ufer. Sorgentelefon bisher 250 Anrufe. Personen- und Warentransporte mit Schiffen
in den überfluteten Gassen zu den abgeschnittenen Liegenschaften zwischen Mühleplatz
und Mattenenge durch Sanitätspolizei, Wasserfahr- und Pontonierfahrvereine. Durch
die Wehrdienste und Bewohner sind erste grosse Schäden in Millionenhöhe an Mobiliar
und Fahrhabe festgestellt worden.
Beim Betreten der markierten Sperrgebiete besteht Lebensgefahr.
LOEB verkauft zu Gunsten der Geschädigten T-Shirts mit der Aufschrift: Isme Irzhe
itschle irfe d'lttume (Mys Härz schlat für d' Matte)
Sonntag, 16.5.1999
WS: Höchststand 504.63
Nach langem Regen ein warmer Sonnenstrahl. Erstaunlich wenig Geruchbelästigung.
Ungefähr 550 Tonnen Wasser in der Sekunde drücken durch die Bogen der Untertorbrücke.
Beobachtungen von grossen Kiesablagerungen in der Aare (Geschiebe). Schwemmholz
bei Schwellen in der Matte. Alphornkonzert und Notbeiz auf dem Mühleplatz. Die Behörde
beginnt, mit farbigen Flugblättern an die Eingangstüren, die stark verunsicherte
Bevölkerung zu informieren.
Montag,17.5.1999
WS: leicht gesunken auf 507.47
Ausbau und Befestigung der kritischen Stellen. Unterstützung der Wehrdienste
durch Feuerwehrangehörige der umliegenden Gemeinden. In einer dringende Mitteilung
an die Bevölkerung heisst es, dass die Kanalisation nicht mehr funktioniere, Abwässer
zu vermeiden seien und ein Toilettenwagen auf dem Mühleplatz gebraucht werden solle.
Das evakuierte Gebiet wird polizeilich überwacht.
WS gegen Abend: 504.33
Wiederinbetriebnahme des Pumpwerks Nydegg hat Entschärfung des Abwasserproblems
zur Folge. Erstellung einiger provisorischer Stromversorgungen. Da man die Dauer
des Hochwassers nicht abschätzen kann, erachtet auch das E WB die Evakuierung der
Anwohner als beste Lösung.
Die Lädeli und die drei mittleren Matte-Restaurants sind seit Tagen geschlossen.
Der Zähringer offeriert mit der BZ zusammen den Mätteler herrliche Mittagessen zum
halben Preis (Fr. 7.50). Anwohner organisieren in der Schifflaube eine Gassenbeiz
für gemeinsame Nachtessen.
Behörden informieren vor dem Schulhaus.
Dienstag, 18.5.1999
WS: 504.21
Warnung vor möglichem, erneuten Anstieg des Wassers im Verlauf von Donnerstag/Freitag.
Verstärkung der bestehenden Wassersperren, Wartung des eingesetzten Materials. Information
zur Situation der Schulhäuser.
Mittwoch, 19.5.1999
WS: 504.05
Stromversorgung durch Normalnetz/Notstromnetz wieder sichergestellt. Sämtliche
Pumpwerke wieder in Betrieb. Bäume werden entlang der Schwelle aus dem Wasser geborgen,
am Abend wurde mit dem 250-Tonnen-Pneukranwagen ein Baum von rund 1.80 m Durchmesser
und 23 Tonnen Gewicht bei der Marzilibrücke entfernt. 136 Leute sind evakuiert,
12 davon durch städtisches Fürsorgeamt betreut.
Die enormen Geschiebemengen füllen das Flussbett ständig auf, so dass den Wassermassen
immer weniger Platz bleiben. Warnung, dass in den nächsten Monaten Überschwemmungsgefahr
herrschen wird. Instabile Bäume an Aareufer. Bergung angeschwemmter Bäume im Wehr
hat höchste Priorität, sonst droht neue Überschwemmung.
Gemeinderat bewilligt erste Kredite für Notmassnahmen und Vorbereitung von Sanierungsarbeiten
an öffentlichem Grund und Boden.
Donnerstag,20.5.1999
Bestehende Wassersperren wurden weiter ausgebaut, neue erstellt. Vorrat an Sandsäcken
wird laufend erhöht. E WB hofft, dass bis abends alle Liegenschaften wieder an die
Grundnetzversorgung angeschlossen sind. Notstrom bleibt jedoch vorsorglicherweise
bestehen. Trinkwasserqualität ist einwandfrei, Kanalisation funktioniert. Aare wieder
um 10 cm gestiegen. Noch immer Probleme mit entwurzelten Bäumen in der Schwelle.
Versicherungsexperten haben auf dem Känzeli ein mobiles Büro eingerichtet.
WS 504.15
Freitag 21.5.1999
Stadtpräsident dankt den Bewohnern für die Geduld, Eigenhilfe und Unterstützung
der Einsatzkräfte. Aus Sicht der Klimatologen kann noch keine Entwarnung gegeben
werden.
WS 503.96
Gesperrte Aareübergänge werden wieder geöffnet, darunter Dalmazibrücke und Altenbergsteg,
sie werden jedoch rund um die Uhr überwacht. Die Bevölkerung hat mehrere Flugblätter
erhalten. Behörden informierten vor Ort die Matte-Bevölkerung über aktuelle Situation.
Mediendienst informierte über äusserst engagierte private Internet-Seite www.matte.ch.
Das Sorgentelefon erhielt 660 Anrufe. Weitere Kontakte zur Einsatzleitung bestanden
über den Matte-Leist, über die Schadenplatzkommandanten sowie über den auf dem Mühleplatz
stationierten Wagen für mobile Führung. Von den insgesamt 136 Evakuierten wurden
deren 12 durch die städtische Fürsorge betreut.
Meldungen der Stadtpolizei und Berufsfeuerwehr, Gemeinderat der Stadt Bern, E
WB, aus den Internetseiten der www.matte.ch, Brunnezytig, Tagespresse. Dazu eigene
Aufzeichnungen.
Die Matte war ziemlich sicher schon vor der Gründung der Stadt Bern besiedelt.
Die Menschen leben hier im Spannungsfeld der Aare. Auch heute spüren die Mätteler
die Bedrohung durch Hochwasser und Geschiebe. Davon wird auch regelmässig am runden
Tisch im Mühlerad gesprochen. Die meisten eingesessenen Anwohner begutachten täglich
das Wasser nach Farbe, Temperatur, Bewegung, Höhe, Rauschen, auch sein Geschiebe.
Anderseits spielte das Wasser eine wichtige Funktion für die Matte. Über die
Aare wurden lange Zeit wichtige Güter in grossen Mengen geschifft und geflösst,
teilweise aus dem weiten Ausland, zum Beispiel grosse Mengen von Stein und Holz
zum Bauen der Stadt Bern. Diese Waren wurden in der oberen und unteren Landern aus
und eingeladen, Dazwischen wurde mit dem Wasser, geregelt durch die uralte Schwelle,
hergestellt und verarbeitet. Bauholz, Baustein, wunderschöne Möbel der Brüder Funk,
Gold und Silber, Gips, Gerbereien, Schiffe, Bier, Schokolade, Seide, Tuch, Korn,
Knochen usw. Dank dem Wasser entstanden auch die, lange Zeit berüchtigten, Badstuben
(Schwitzen und Fricken), Sehr wichtig war auch der reiche und kostbare Fischfang
(Lachse).
Die Kraft des Aarewassers prägte die Geschichte der Matte. Im 14. Jahrhundert
lebten auf einer heute verschwundenen Insel unterhalb der Untertorbrücke im Kloster
Mariental die Inselfrauen. Im Jahr 1360 erwarb die Stadt vom Ritter Johann von Bubenberg
den Grund des heiligen Reiches an der Aare (ungefähr die Gegend der Matte) mit der
Schwelle. 1409 "Überstand die Untertorbrücke die Wassergrösse", während die andern
Aarebrücken "dahingeführt und zerbrochen wurden". Dagegen litt die Brücke im Winter
1460 derart, dass neue Pfeiler nötig waren und kurz darauf eine steinernen Brücke
gebaut wurde.
Diebold Schilling beschrieb, dass es kurz vor St.Marie-Magdalena im Juli 1480
3 Tage und 3 Nächte ununterbrochen regnete. Vielen Mattebewohnern drang das Wasser
in die Häuser. Viele Leute wurden evakuiert. Man hatte auch grosse Sorge für die
Untertorbrücke. "Und nachdem es dann in der nacht gar vinster und als sorglich was,
do mocht man niemand dannen füren und bliben dieselben nacht mit iren kinden in
iren Häusern mit grossen engsten und sorgen, Und da sonnentag frü, wart, als man
voim tage begonde sechen, da fürt man die biderben lüte mit iren kinden us den häusern,
die alle vol wassers hinder und vor warent. Si liessen ouch vast das ir, was si
mochten usbringen, haruf in die stat tragen, dann das wasser alweg wuochs und tet
inen und andern grossen schaden, und fürt merenteils alle die flöss und hölzer hinweg,
die an der Aaren oder darin gebunden waren. Darzu fürt es ouch etlich häuser und
schüren hinweg und tet merglichen schaden an spichern, matten, garten, velden und
andern narungen der menschen und unvernünftigen tieren. Und man was ouch in grossen
nöten und sorgen, das die swelli in der Are, ouch die mülinen und sagen an der Matten
wurden verfahren -das beschach von Gottes gnaden nit, doch wart vil daran verwüst
und ran ouch vil holzes und laden dannen, Man hat ouch gros sorge für die nidern
Arbruck, der beschach ouch nit."
Der Berner Chronist Johann Haller beschrieb 1566: "Im Juni ward die Aren (Aare)
so gross wegen der vile des schnees, so im letzten Winter gefallen. Die schwelle
ward schier nit meer gesehen, dass das undere und obere wasser gleich was."
Im Winter 1706 spazierte man über die dickgefrorene Aare ins Schwellenmätteli.
Trotz grosser Korrekturen der Aare und ihrer Zuflüsse (z.B. 1713 Kanderableitung)
blieb die Matte auch in den letzten 100 Jahren vor dem Hochwasser nicht verschont.
Vor wenigen Jahren wurde das Aarebett regelmässig ausgebaggert, es wurden jährlich
bis 30'000 m3 Kies und Sand entnommen. Alte Mätteler schüttelten in den letzten
Jahren den Kopf. Sie finden, dass ihre fru gepflegt werden will, sonst rächt sie
sich.
1.1.2000/BZ
Änderung der Bauordnung
Widerstand aus dem Berner Nachtleben
Der Berner Gemeinderat will in der Unteren Altstadt und in der Matte keine neuen
Tanzbetriebe. Die Lokalbetreiber treten nun gemeinsam gegen die vorgesehene Änderung
der Bauvorschriften an.
*Urs Küenzi
In der Berner Altstadt gärt's. Vor allem im unteren Bereich und in der Matte.
Dort sollen gemäss einer vorgesehenen Änderung der Bauordnung keine neuen Nachtclubs,
Discos, Bars und Restaurants mit Überzeitbewilligung entstehen können (die BZ berichtete).
Ebenfalls dürften bestehende Betriebe nicht entsprechend umgebaut werden.
Für lebendige Unterstadt
So soll ruhiges Wohnen in der als Wohngebiet deklarierten Unteren Altstadt möglich
bleiben, sagt der städtische Bau- und Planungsdirektor Adrian Guggisberg (CVP).
Er wolle verhindern, dass das «einzigartige Weltkulturerbe» verkomme, meint Guggisberg.
Doch gegen das Vorhaben der Regierung formierte sich Widerstand. Dies in Form der
«Interessengemeinschaft lebendige Unterstadt» (IGLU). Unter Leitung des Ex-Stadtrates
Michael Burkard (Jungfreisinnige) haben zehn Betriebe-Broncos-Club, Wasserwerk,
Joystick, Lirurn Larum, Lorenzini, Les Amis, Schwarz & Trionfini, Silo, Soundwerk
und U1 -Ende Dezember eine Einsprache gegen den neuen Zusatz zur Bauordnung eingereicht.
Gestern erläuterte die Gruppe ihre Sicht der Dinge. «Die Untere Altstadt war schon
immer eine Ausgehzone», bemerkte Guy Froidevaux vom Restaurant Lirurn Larurn an
der Kramgasse. Er verglich die Altstadt gar mit dem Zürcher Niederdorf. Für Jimi
Hofer von den Broncos, der sich auch gegen das vorgesehene Nachtfahrverbot in der
Matte wehrt, verkommt die Unterstadt zu einer Schlafstadt. Und genau da teilen sich
die Meinungen. Während für Guggisberg Bern «eine lebendige Stadt» ist, finden andere,
es laufe nichts. Veranstalter und DJ Manuel C. Widmer geht sogar noch weiter: «So
wird innovatives Potential abgewürgt», zeigt er sich überzeugt. Stimmvolk entscheidet
Eveline Cavatassi vom «Joystick» an der Gerechtigkeitsgasse fürchtet gar, dass
ihr die Überzeit wegen Lärms nicht mehr bewilligt werde. Und das bedeute für ihr
Nachtlokal das Aus. Eine gute Lösung des Lärmproblems wäre für Cavatassi, wenn die
Polizeistunde aufgehoben würde. Es werde eben lärmig, wenn alle Leute gleichzeitig
aus dem Lokal müssten und mangels Alternativen gleich dort stehenblieben.
Dieser Meinung sind auch andere IGLU-Mitglieder, deshalb erwägt die Gruppe sogar
einen Vorstoss zur Aufhebung der Polizeistunde - dies in Koordination mit entsprechenden
Vorstössen im Grossen Rat. Vorerst wollen sie aber Politiker und Bevölkerung für
ihre Anliegen gewinnen. Denn über die Angelegenheit wird letztlich das Berner Stimmvolk
entscheiden. (11.1.2000/Berner Zeitung)
8.4.2000/BZ
Wohnen statt Nachtlokale
Der Gemeinderat will Bauvorschriften erlassen, welche neue Nachtlokale und Restaurants
mit Überzeitbewilligung in der Untern Altstadt verbieten. Schon im Herbst soll das
Geschäft an die Urne kommen. Im Kampf gegen Unsitte und Nachtleben in der Unteren
Altstadt und in der Matte hat Planungs- und Baudirektor Adrian Guggisberg (CVP)
einen Etappensieg erzielt: Wie der «Bund» gestern berichtete, ist der Gemeinderat
einem Antrag Guggisbergs gefolgt, welcher sich gegen eine Zunahme von Nachtclubs,
Tanzbetrieben, Stripteaselokalen und Restaurants mit Überzeitbewilligung richtet.
Diese Einschränkungen sind in eine Änderung der Bauordnung verpackt. Gegen Guggisbergs
Ansinnen wehrt sich die Interessengemeinschaft Lebendige Unterstadt (Iglu), der
zehn Restaurants und Clubs angehören. «An Dreck, Vandalismus und Nachtverkehr ändert
die Bauordnung nichts», ist Iglu-Koordinator Michael Burkard überzeugt. Das Beste
wäre es seiner Meinung nach, wenn eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Planungs-
und Baudirektion, der Polizeidirektion, mit Bewohnern und Iglu-Vertretern zusammensitzen
und Lösungen suchen würde. «Eine vertiefte Diskussion ist nötig. Es fehlt eine Stadt-Vision,
ein Konzept für das Herz der Stadt», sagt der Ex-Stadtrat der FDP. Adrian Guggisberg
geht mit Burkard einig, dass die ergänzte Bauordnung nichts an den heutigen Problemen
ändere. «Und auch dort besteht Handlungsbedarf», sagte er gestern. Die Ergänzung
sei aber prospektiv zu verstehen. «Ich will für die Zukunft verhindern, dass die
Untere Altstadt immer mehr zum Vergnügungsviertel mutiert», erklärte er. Noch vor
den Sommerferien soll sich der Stadtrat mit der abgeänderten Bauordnung befassen.
Die Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger würden am 24. September darüber abstimmen,
falls der Stadtrat die Änderung des Baureglements nicht zurückweist.
uho
Cinématte vor dem Ende? 1.5.2000/DER BUND
Kino / Wenn bis Ende Mai keine neue Trägerschaft gefunden wird, muss das Reprisenkino
Cinématte geschlossen werden.
mmü. Während im Tierpark Dählhölzli ein Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser dank
Spendengeldern ein Neuanfang gemacht werden konnte (vgl. Artikel unten), leidet
eine andere Einrichtung, die überschwemmt worden ist, noch immer unter den Spätfolgen
des Wassers: Dem Cinématte, das sich in den letzten knapp fünf Jahren zu einem festen
Bestandteil der Berner Kinoszene gemausert hat, droht die Schliessung, wenn nicht
bis Ende Mai eine neue Trägerschaft gefunden wird.
An der Generalversammlung vom Samstag mussten die Aktionäre der Cinématte AG
ein negatives Jahresergebnis zur Kenntnis nehmen, so dass die AG unmittelbar vor
dem Ende steht, wie Verwaltungsratspräsident Daniel Waser dem «Bund» bestätigte.
Das heisst aber nicht zwingend, dass das Kino nun geschlossen werden muss. Wie
Waser sagte, reagierten die Aktionärinnen und Aktionäre gefasst auf die schlechte
Nachricht und erklärten sich bereit, bei einem Neuanfang mitzuhelfen und eine neue
Form der Trägerschaft zu suchen. Anlass zu Optimismus geben laut Waser die guten
Besucherzahlen der letzten drei Monate.
Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
"piano et forte"I Werksatt für Klaviere und Flügel
von Alexandra Flury
Wer den Hinterhof gegenüber vom Idele Ittume noch nie besucht hat und zudem ein
Klavier oder gar einen Flügel besitzt, sollte dies gelegentlich nachholen. Einerseits
weil sich die Matte dort für alle Nichthinterhöfler von einer unbekannten Seite
zeigt und andererseits - nun folgt das eigentliche Argument - weil zwei junge Klavierbauer
seit vergangenem November ebenda ihre Werkstatt haben. In" piano et forte" werden
zwar keine Klaviere gebaut, doch die beiden Handwerker bieten jegliche Art von Reparaturservice
an. Auf Hausbesuchen oder bei aufwendigeren Arbeiten werden beispielsweise verstimmte
Klaviere, Flügel und Ähnliches wieder zum Wohlerklingen gebracht, abgenutzte Teile
ersetzt. Oder es wird, wie ich mir habe zeigen lassen, der Resonanzboden des Klangkörpers
ausgespänt, die Tastenführung ausgarniert, neue Saitenbezüge angebracht oder es
wird Intoniert, damit der Ton seinen gewünschten Charakter bekommt.
All das, und natürlich noch einiges mehr, haben Mathias Minder und Alex Russius
in der Ausbildung zum Klavierbauer gelernt. Über vier Jahre sind die beiden gemeinsam
einen Tag lang pro Woche nach Zürich zur Schule gefahren und haben in je verschiedenen
Werkstätten in und um Bern gearbeitet. Ein Jahr nach dem Abschluss der Lehrzeit,
mit reichlichem fachlichem Wissen und viel praktischer Erfahrung, entschlossen sich
die beiden, ihr langgehegtes Vorhaben, gemeinsam eine Werkstatt zu eröffnen, zu
realisieren.
Die Matte ist somit um einen Gewerbezweig reicher. Es ist eine Branche, die nicht
gerade als modern gilt; schwebt doch der Zeitgeist eher in Richtung Elektronisches
oder Esoterisches, denn in Richtung Mechanisches. Ausserdem gibt es im Raum Bern
schon mehrere alteingesessene Betriebe, die sich um Klaviere kümmern; darunter auch
ziemlich grosse. Daher war eine meiner unumgänglichen Fragen an Alex Russius und
Mathias Minder, wieviel Mut es den brauche, sich hier in Bern als Klavierbauer selbständig
zu machen? Ein gutes Angebot habe die endgültige Entscheidung zur Selbständigkeit
ausgelöst, meint Alex Russius. Kurz vor seinem Auswandern verkaufte ihnen ein Klavierbauer,
der über zehn Jahre lang in Bremgarten war, seine Kundenkartei sowie einige Spezialwerkzeuge.
Eine gute Ausgangsposition war dann zusätzlich mit der Möglichkeit geschaffen, sich
in einem ausgezeichneten Atelier in der Gerberngasse 34a einzumieten.
Ausserdem kennen die beiden die Berner Klavierbauerszene ziemlich gut. Das Risiko,
wenn man sich mit den Grossen messen will, war abschätzbar und letztlich eben nicht
so gross. Es komme dann auch auf das seriöse Arbeiten an, und was man oft vergesse:
Die Hörfähigkeit bei jungen Leuten sei noch voll entwickelt, mit zunehmendem Alter
verringere sie sich deutlich, erklärt mir Mathias Minder. Und schliesslich seien
sie ein ausgezeichnetes, sich ergänzendes Team, was unter Klavierbauern auch eher
selten ist.
Wer nun also noch nie in jenem besagten Hinterhof gewesen ist, sollte dies wirklich
nachholen, denn die beiden jungen Klavierbauer verstehen sich als Ansprechpartner
in allen Fragen oder Problemen betreffend Klavier und zeigen ihre Werkstatt gerne
allen Interessierten.
Die drei Geheimsprachen unserer Matte leben und stossen auch heutzutage auf reges
Interesse. Laufend melden sich Leute, die hauptsächlich das Alte Matteänglisch besser
kennenlernen wollen. Monika Friedli und einige weitere Studenten haben die Geheimsprache
als Thema für Diplom- und Semesterarbeiten gewählt. Der Basler Schriftsteller Daniel
Zahno lässt in seinem nächsten Buch seine Geschichte "Der Hund" in mehrere Sprachen
übersetzen. Dabei wurde "Irde Inghe" auch ins Matteänglisch übersetzt. Mit grossem
Erfolg spielen die Mättelerin Christine Wittwer und Maja Vogelsanger im Rundgang-Theater
Bern "begeistert". Dabei spielt der geheime Matteänglisch-Brief in der Flaschenpost
aus dem Mattebach eine wichtige Rolle. Five und ihre Freunde, die Eltern vom grausig-schönen
Marzili-Kreisel-Käfer, haben uns für diesen Herbst eine neue Überraschung angekündet.
(Mail aus Paris: ..irde ichschtne lichstre isch ir Inigple... im Irbschthe itsge
ippise iisne irfe d' Ittume...). Wir freuen uns darauf! Oli, Markus und Dänu liessen
die Mühlirad-Speisekarte auf Matteänglisch übersetzen. Der feine Salat heisst nun
Ise-itle und nicht wie früher Ilatse. Der Grossvater von Martin König lebte in der
Matte. Martin hat das Matteänglisch von ihm und mit dem Matteänglisch-Buch gelernt
und schreibt in dieser Sprache wunderbare Geschichten. Das Buch "E Ligu Lehm" von
Otto von Greyerz ist nach vielen Jahren wieder erhältlich (ISBN 3-85681-437-X),
es zeigt unsere Geheimsprachen aus Sicht des Wissenschaftlers. Res Margot erhält
laufend Fragen übers Matteänglisch, immer mehr übers Internet (margotres@hotmail.com),
die er gerne beantwortet. Etliche Mattefreunde freuen sich auf den nächsten Matteänglisch-Kurs
mit Tschaaggehach Res, der nach den Sommerferien in der Matte geplant wird (siehe
weiter unten). Das raffinierte Übersetzungsprogramm von Res Margot, das fehlerfrei
ins Matteänglisch übersetzt, ist immer noch bei Rosmarie Bernasconi und Peter Maibach
ab www.matte.ch/mattenenglisch.htm gratis beziehbar. Mit grossem Bedauern mussten
wir von Albin Peter Abschied nehmen. Sein unerschöpfliches Wissen über das Matteänglisch
und unsere Geschichte und besonders die spannenden Gespräche werden uns sehr fehlen.
Ankündigung für den nächsten MatteängIischkurs
Voraussichtlich beginnt am Donnerstag, 24 August 2000 in einem gemütlichen Lokal
in der Matte der nächste Matteänglisch-Kurs. Einsteiger und Kenner, Einheimische
und Auswärtige erhalten über den Kurs Auskunft bei Res Margot, Gerberngasse 21,
3011 Bern, Tel. 031/312 02 08, margotres@hotmail.com.