Der Mattebach
Erinnerungen von Peter Probst - Alt-Münsterturmwart
Durch die Matte fliesst der Mattebach, und obwohl der ein kleiner Nebenfluss der Aare ist, leben darin weder Hechte noch Forellen, weder Nasen noch Barben. Im Mattebach gibt es nur Groppen. Über die steht "Brehm": wegen der geringen Grösse ein wertloser Fisch, wird aber als Angelköder benutzt.
Immerhin hat es dieser wertlose Fisch zu
einem Denkmal in der Mattenenge gebracht; die Brunnenfigur unter dem
mächtigen Bogen der Nydeckbrücke stellt einen solchen Mattebach-Bewohner
dar. Als Schulkinder des "Hodler-Schulhauses", das am Mattebach liegt,
retteten wir, wenn der Bach zu wenig Wasser führte, die Gröpplen, wie
wir sie nannten, vor dem Verenden, schenkten sie aber dann den Fischern,
die sie an die Angel steckten.
Noch heute habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich am
"Gröppu-Brunnen" vorbeigehe und mich der Bronze-Gröppu so freundlich
anlacht.
► Aus der Matte-Zytig April 1996
Der Vorstand des Matteleists im Einsatz


Der Mattebach wird 1360, als die Matte von den Bubenberg an die Stadt überging, erstmals erwähnt. Mehrere künstliche Kanäle versorgten das Gewerbe mit der benötigten Wasserkraft. Hauptkanal war der Schleifenbach, der die Stadtmühle antrieb, aber auch Sägen, Schleifen, Bläuen und anderen Werkstätten diente. Der Mattebach mit seinen daneben oder rittlings darüber angeordneten Schöpf- und Waschhäuschen stellte in erster Linie die Brauchwasserversorgung sicher.
Noch
1827 war er in seiner gesamten Länge offen. Die Eindeckung erfolgte im
östlichen Abschnitt aus verkehrstechnischen Gründen in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert war der Bachverlauf
in der Gerberngasse an einer Steinplattenabdeckung zu erkennen. Massnahmen
drängten sich auf, als bei den Werkleitungssanierungen im überdeckten
Bereich der Gerberngasse der schlechte Zustand des Bachlaufs festgestellt
wurde.
Im Gegensatz zum offenen Abschnitt hatten hier sekundäre Leitungen, die
Überdeckung und in der Folge die zunehmende Belastung durch den Verkehr den
teilweise noch aus Tuffsteinquadern bestehenden Wandungen des Kanals
erheblich zugesetzt. Ein erster Sanierungsvorschlag bestand in einem Neubau
als Betonkanal auf der gesamten Länge, was weder die Bedeutung und
historische Substanz des technischen Bauwerks noch den offensichtlich guten
Zustand des mittleren, unüberdeckten Abschnitts berücksichtigt hätte. Zur
Ausführung gelangten die Öffnung des Bachs im Bereich der Schulhäuser, die
Abdichtung des offenen Bachlaufs und die vollständige Erneuerung des
überdeckten Abschnitts der Gerberngasse mit einem vorfabrizierten
Betonprofil.
Grossen Anklang fand der Entscheid, den Mattebach im Schulhausbereich zu
öffnen und die Schleuse wieder in Betrieb zu nehmen. Pausenhof und
Spielplatz bedingten in diesem Abschnitt aus Sicherheitsgründen ein Anheben
der Bachsohle. Der Anfang des Mattebachs ist heute wieder sichtbar und
bietet als Spielbach eine besondere Attraktion. Auf der Sohle wurden grosse
Flusskiesel verteilt, um den Fischen bessere Verhältnisse zu bieten; die
Steine haben indessen den einfachen, technischen Kanalquerschnitt
verfremdet. Der offene Teil des Bachs war mit Geländern, einem gepflästerten
Übergang zum Mühleplatz und Schildern aller Art beeinträchtigt. Das unnötige
Beiwerk wurde entfernt; für die Unfallprävention waren neue Prellsteine zur
Abgrenzung der Fahrbahn und Geländer im Bereich des wieder geöffneten
Abschnitts bei den Schulhäusern unumgänglich. Die völlige Erneuerung des
historischen Kanalquerschnitts in der Gerberngasse war nicht zu vermeiden.
Allerdings wurde die Chance verpasst, den Bachverlauf in diesem Abschnitt an
der Oberfläche wieder sichtbar zu machen.
Insgesamt hat die Sanierung den für die Matte charakteristischen Kanal spürbar
aufgewertet.
Aus: Denkmalpflege in der Stadt Bern, Kapitel 7, Öffentliche Bauten
www.denkmalpflege-bern.ch