Frisch notiert 27. Oktober 2004
Das Nachtfahrvebot bringt Ruhe ins Quartier. Für einige zu viel Ruhe! Die
Club- und Beizenszene in der Matte klagt über einen spürbaren
Besucherrückgang; nach Mitternacht und an Wochenenden trauen sich immer
weniger Gäste in die Matte. Und das ausgerechnet in dem Quartier, das früher
gerne als Amüsiermeile der Stadt gelobt wurde!
Deutlich zugenommen hingegen hat die Anzahl Taxis, die durch die nächtliche
Matte brettern, eigentlich nicht gerade die echte Verkehrsberuhigung. Die
Parkiermöglichkeiten ausserhalb des Quartiers werden kaum genutzt, sie sind
zu weit entfernt und werden zudem von den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht
bedient.
Polizeikontrollen? Bei Einführung waren sie oft und strikt - aber jetzt,
einige Zeit danach? Wen's erwischt, der kommt an die Kasse, alle andern
haben Glück gehabt.
30.4.05
Verbote sind da, um diese zu umgehen – oder doch nicht? Ich bin sehr
erstaunt, dass wir mit diesen vielen Verboten noch atmen können.
Mir kommt das so vor, wie früher als meine Mutter gesagt hat: Nach acht
Uhr darfst du nicht mehr draussen spielen. Oder wenn es Dunkel wird,
musst du im Hause sein. Und jetzt bin ich bald fünfzig und mir wird
wieder vorgeschrieben was ich zu tun habe.
Ich lebe seit 14 Jahren in der Matte und lebe in Verboten. Verboten ist
es, am Tag durch das Mattequartier zu fahren. Habe ich aber am Tag mein
Fenster geöffnet, muss ich meine Gesprächspartner oft anschreien, weil
ich vor lauter Autolärm nichts verstehe. Ich habe mich schon gewundert,
dass so viele Menschen in der Matte leben.
Ich habe gelernt, dass man Verbote ernst nehmen muss. Also am Tag für
Unberechtigte durch die Matte fahren – verboten – oder ist es wie auf
dem Pausenplatz beim Schulhaus? Fussballspielen gestattet –
Fussballspielen verboten – also, wenn das nun mit dem Durchgangsverbot
auch so ist – dann ist es doch eigentlich, egal ob ich in der Matte lebe
oder nicht und durchfahre oder nicht – Habe ich mich endlich an dieses
Verbot gewöhnt kommt schon das nächste.
Nachtfahrverbot: Das kann doch ganz einfach nicht sein, dass schon
wieder ein Verbot daher kommt. Ein Verbot mit vielen Ausnahmen und doch
ist es eben ein Verbot. Die meisten wissen, dass ich ein Nachtmensch bin
– ich sitze oft am Computer bis spät in die Nacht hinein. Ich weiss,
wann es zwölf geschlagen hat, nämlich dann, wenn es noch einige
"verrückte" gibt, die mit hundert Sachen durch die Matte blochen. Dass
wird es ruhig – bis um morgen um 05.00 – habe ich angenommen – weit
gefehlt – etwa um 02.00 rasen Autos wie die Wilden durch die Matte. Ich
öffne das Fenster und schaue, wer denn da so verrückt durch die Matte
braust. Es sind meist Taxifahrer, die nicht wissen, dass es in der Matte
eine weitere Einschränkung hat, nämlich 30 – also, wenn die mit 30 durch
die Matte fahren – ja dann habe ich ein eigenartiges Tempo empfinden.
Aber vielleicht bin ich ja um 02.00 auch schon ein bisschen müde,
deshalb kommen mir die Autos so schnell vor – oder aber, was ich
vermute, blochen sie mit doppelter Geschwindigkeit durch die Matte.
Früher war es der regelmässige Verkehr, der für mich etwas Beruhigendes
hatte – und nun passiert es eben, dass die Leute, welche eben nicht
durch die Matte fahren, grölend durch die Matte laufen. Ich weiss nicht,
ob wir tatsächlich mit verboten weiter kommen, die gar nicht eingehalten
werden.
Ich bin übrigens gespannt, wie es mit dem Lärm
sein wird, wenn dann erst das Schwellenmätteli mit einer vermutlich
wunderbaren Terrasse eröffnet wird. Müssen dann die Leute nach einem
feinen Nachtessen, Discobesuch, leise von dannen schleichen? Oder trägt
nicht das Wasser die Stimmen der Besucher in die Matte?
Wie schön wäre es, wenn wir ein bisschen weniger Verbote hätten und
dafür mehr Toleranz üben würden. Ja, wie schon geschrieben ich bin ein
Nachtmensch – vielleicht eine Ausnahme in diesem Quartier.
Mir kommt noch ein anderes Verbot in den Sinn – in der Sauna steht – In
der Sauna darf nicht gesprochen werden – aber – müssen wir den alle
Verbote einhalten, die uns von aussen und ungewollt aufgezwungen werden?
Und ich lebe in der Stadt – mitten in Bern – stellen Sie sich vor Sie
leben auf dem Land und Sie hören jede Nacht das Gebimmel der Kuhglocken.
Aber das dürfte kein Problem sein – man zieht den Kühen die Glocke aus –
und dann ist Ruhe – absolute Ruhe – ausser der Hund bellt, Kinder
schreien – oder aber Sie haben nicht gemerkt, dass Sie in einem der
schönsten und noch lebendigsten Quartiere von Bern leben – nämlich in
der Matte.
Leider müssen wir feststellen, das genau das, was ich prophezeit
habe, eingetroffen ist. Wir als traditioneller Nachtbetrieb leiden unter
diesem völlig unnötigen Verbot. Da es sich bei unseren Gästen zu einem
erheblichen Teil um Leute handelt, die bis in die Nacht hinein arbeiten,
also bis nach Mitternacht, müssen wir eine erhebliche und von uns nicht
zu verkraftende Umsatzeinbusse hinnehmen.
Unsere Clubmitglieder,die nun das Lokal nicht mehr besuchen, setzen sich
unter anderem wie folgt zusammen :
Es ist also soweit, dass wir, da wir nicht auf einem hohen
Preisniveau arbeiten, eine Einbusse von über 30 % nicht verkraften
können. Die Konsequenz, die wir nun ins Auge gefasst haben ist, dass wie
einen neuen Standort suchen müssen.
Es ist uns nicht möglich, den Rückgang mit Einsparungen wett zu machen.
Unser Betrieb war nie gewinnorientiert betrieben worden. Wir können also
nicht einfach mit etwas weniger zufrieden sein. Nein, uns geht es direkt
an die Substanz.
Die, die das zu verantworten haben, also die Doris Schneiders und die
Margots und so weiter, werden sich wohl einfach draus stehlen und sagen,
so haben wir es ja nicht gemeint .Das wird uns wenig nützen. Aber es sei
gesagt ,dass wieder einmal bewiesen ist, dass ein Betrieb, sei es die
Loge, die Post, die Lädeli, die Beizen, von der Mattenbevölkerung nicht
leben kann und nie leben werden können. Um ein bischen ruhiger schlafen
zu können, haben es wenige geschafft (von 760 Haushalten in der Matte
waren es ca. 2%), einen Traditionsbetrieb zu ruinieren. Es passt also zu
unserer Stadt, in der eine Minderheit, seit Jahren ohne Rücksicht auf
andere Meinungen, ihren Willen aufzwingt. Ich hoffe, das der Trend, der
sich in der Matte ganz deutlich abzeichnet, anhält. Es wird nämlich in
Zukunft keinen billigen Wohnraum mehr geben.
Die Badgasse wird zu einer Nobeladresse, die Stadtmühlengebäude werden
zu teuren Lofts und das Kleingewerbe wird das Nachsehen haben und, und
das freut mich, auch die Stänkerer und Billigwohner werden sich nach
einem neuen Umfeld umsehen müssen.
So muss ich leider feststellen ,das es mit der Matte als Gewerbe und
Arbeiterquartier zu Ende geht. Schade,es het gfägt da unde a dr Ääru.
Liebe www.matte.ch
Nachdem ich bis heute nur negative Zuschriften bezüglich Nachtfahrverbot
auf der Homepage www.matte.ch gelesen habe, möchte ich doch auch einige
positive Punkte aufführen. Ich schreibe als Bewohnerin und sehe wohl
einiges anders als die Gewerbetreibenden.
So, das wars, was ich mir von der Seele schreiben wollte. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr meine Punkte gerne auf der Homepage veröffentlichen.
Schöne Ostern!
Ich möchte hiermit den Nachtfahrverbot- und Poller- Befürwortern
herzlichst gratulieren.
Als Ihr vor langer Zeit in die Matte gezügelt seid, hat euer
Leidensweg begonnen. Ihr seid in ein lebendiges, aktives und
attraktives Quartier mit Dorfcharakter mitten in Bern`s Altstadt
gezogen. Für eure Vorstellungen eines herzigen Dörflis
offensichtlich etwas zu aktiv und lebendig. Ihr musstet euch
zusammentun und etwas dagegen unternehmen, was euch nun endlich
gelungen ist.
Ihr habt der Matte und ihrer Bevölkerung, deren aller Meinung Ihr ja
vertretet, dieses wunderbare Nachtfahrverbot geschenkt.
Dafür danke ich euch wirklich von Herzen, Merci viu, viu Mau!
Dass wegen dem Nachtfahrverbot ein langeingesessener Traditionsbetrieb
wie die Broncos-Loge, in der einige von Euch auch gerne ihre Biere
tranken, Billard spielten und ihren Apéro bei Brigitta genossen, nun
über die Klinge springen muss............
Uuuuu , das habt ihr halt schon nicht gewollt.....
Dass das Party-Volk und andere Mattebesucher, auf deren Gelder die
Beizen, Clubs und Restaurants angewiesen sind, weil sie von den
Mattebewohnern alleine nicht über die Runden kommen, bei
Beizenschluss wegen des Nachtfahrverbots kein bisschen ruhiger,
sondern lauter den Heimweg antreten, weil sie ja jetzt eine halbe
Stunde mehr Zeit zum umemöögge, spraye und randalieren haben, bis
sie bei ihren ausserhalb der Matte parkierten Autos
angelangen.......
Uuuu, ja, das hei mir nid bedänkt.............
Dass meine in der Nacht arbeitende Freundin, wenn sie spätnachts zu
mir kommen will, nun zu Fuss durch die, dank dem
Nachtfahrverbot(Gründe siehe oben)manchmal nicht wirklich mehr
sichere Matte zu mir gelangen muss, weil sie sonst einen Lappen
hinblättern muss..........
Uuuuuuu..........
Aber vielleicht wird’s ja besser mit dem nächsten Gschänkli, welches
Ihr für uns vorbereitet; vielleicht bringen die versenkbaren Poller
die gewünschte (Toten-)stille.
Merci viu,viu mau für das tolle Gschänk!
z.B. das Matte-Nacht-Fahr-Verbot (MNFV?)
Welche Vorgeschichten dem zugrunde liegen, wer diese injiziert hat,
wer diese vertreten hat - und wer nicht und weshalb genau – dies ist heute alles
Nebensache.
Hauptsache ist die Tatsache, dass ich in meiner persönlichen Freiheit
erschreckend und beispielslos eingeschränkt werde.
I Tatsache z. B. ist, dass ich mich als Mattebewohnerin nach
24.00h einer Kontrolle unterziehen muss, um nach Hause zu kommen. Oft mit
längerer Wartefrist. (Massive Einschränkung des Zutritts zu meinem Eigentum
analog Krisensituationen.)
II Tatsache ist, dass mein Partner (nicht in Bern Zentrum
wohnhaft), nach 24.00h nicht mehr zu mir zu Besuch/ zur Übernachtung kommen
kann. (Andere Parkmöglichkeiten sind weitherum besetzt)
III Tatsache ist ebenfalls, dass beispielsweise nach einem
Konzert oder anderem Anlass keine Freunde mehr zu mir nach Hause eingeladen
werden können.
V Tatsache ist, dass die Polizei keine (Sonder-)Lösungen
kennt, keine Auskünfte geben kann und
VI Tatsache ist auch, dass das sog. Städtische
Bewilligungswesen zwar die Situation äusserst bedauert und verständnisvoll
reagiert, aber ebenfalls keine einzige Lösung anbieten kann (ausser tonnenweise
Beschwerde-Schreiben).
VII Tatsache ist auch noch, dass mich kein/e Bekannte/r nach
24.00h nach Hause fahren darf, selbst wenn ich in dessen Auto sitze und mich
ausweisen kann.
VIII Unter obenerwähnten Bedingungen für private Mattebewohner
bedeutet dies in meinem Fall eine nicht unbeachtliche Entwertung meiner
Liegenschaft.
Nebst meinem Unverständnis bleibt jetzt noch die Frage: welches
Thema mit welcher Beschwerde oder Einsprache bei welchem Amt oder Wesen, mit
welcher juristischen Unterstützung oder nicht – ich zuerst anpacken soll!
Freitag, 27. Februar 2004, 00. 30 Uhr: Nach einem gemeinsam
verbrachten Abend bot ich meiner Kollegin an, sie auf dem
Nachhauseweg mit dem Auto vor ihrem Haus in der Matte abzusetzen.
Auf Höhe Restaurant Zähringer wurden wir von der Polizei angehalten.
Wir wiesen uns aus und teilten unsere Absicht mit. Der
kontrollierende Polizist erklärte uns, dass nur Ortsbusse, Taxis und
Anwohner, die selbst am Steuer sässen, befugt seien, in die Matte zu
fahren. Ich durfte nicht weiterfahren, und meine Kollegin musste den
Heimweg allein und zu Fuss durch die dunkle Matte antreten, was nach
Mitternacht eine Zumutung ist. Dessen noch nicht genug: Es wurde uns
auch eine Busse von 100 Franken aufgebrummt!
Warum werden nun auch Matte-Bewohner mit dem neu eingeführten
Nachtfahrverbot gestraft?
Dem Nachtfahrverbot in der Matte gingen lange Diskussionen zwischen
Vertretern der Anwohnerschaft Matte und der Behörden voraus. Das schliesslich
erzielte Resultat stellt einen Kompromiss dar zwischen der das Verbot
befürwortenden und der ablehnenden Anwohnerschaft. Die Stadtpolizei hat die
Pflicht, die Einhaltung der Regelung durchzusetzen.
Das Nachtfahrverbot erstreckt sich zeitlich von Mitternacht bis 5.
00 Uhr. Ausgenommen davon sind Anwohner, Geschäftsbetriebe, Berufstätige,
Linienverkehr und Taxis. Insbesondere gilt das Fahrverbot für Besucherinnen und
Besucher von Gastwirtschaftsbetrieben, Unterhaltungslokalen, Firmen, aber auch
von Anwohnenden.
Die Fahrt zum Domizil ist Anwohnenden nur als Selbstfahrende
gestattet. Diese Auslegung ist eng gefasst, bietet aber in der praktischen
Durchsetzung keinen Raum für eine Missdeutung der Ausnahmeregelung. Ansonsten
müssten die signalisierten Ausnahmen mit dem Hinweis «Besucherinnen und Besucher
von Anwohnenden» erweitert werden. Dadurch würden der freien Zufahrt in die
Matte Tür und Tor geöffnet, und es herrschten bald einmal Zustände wie vor dem
Nachtfahrverbot.
Die Stadtpolizei orientiert am 30.1.2004:
Einführung Nachtfahrverbot in der Matte
bpid. Die Umsignalisation des vor vier Jahren erstmals publizierten
Nachtfahrverbotes für die Matte kann per Ende Januar 2004 vorgenommen
werden. Die Umsetzung der Signalisation erfolgt koordiniert mit verstärkten
Kontrollen der Stadtpolizei Bern. Mit dem Aufstellen der Neusignalisation
ist das Regime rechtsgültig.
Das Nachtfahrverbot für Motorwagen gilt ab Mitternacht bis um 5 Uhr früh in
der Badgasse, Gerberngasse, Mattenenge, Mühlenplatz, Schifflaube,
Wasserwerkgasse und in einem Teil der Aarstrasse (ab Höhe Haus Badgasse 53
bis Schifflaube). Ausserhalb dieser Zeiten ist in den oben genannten
Strassen der Zubringerdienst gestattet. Vom Nachtfahrverbot ausgenommen sind
Anwohner, Geschäftsbetriebe, Berufstätige in der betroffenen Zone,
Linienverkehr und Taxis.
Ebenfalls per Ende Januar 2004 ist ab 22 Uhr bis 9 Uhr für BesucherInnen der
Matte das Parkieren in der Aarstrasse, zwischen Weihergasse und Badgasse
(Haus Nr. 53), gestattet.
Die Stadtpolizei Bern teilte am 23.2.04 mit:
Verkehrskontrolle Nachtfahrverbot im Mattequartierpid. Seit dem 1. Februar 2004 ist das Nachtfahrverbot in der Matte in
Kraft. Von Mitternacht bis fünf Uhr morgens bleibt das Quartier gesperrt.
Davon ausgenommen sind nur gerade die Anwohner, Geschäftsbetriebe,
Berufstätige sowie der Linienverkehr und die Taxis.
Anlässlich mehrerer Infoaktionen wurden die fehlbaren Verkehrsteilnehmenden
mit Flugblättern auf die neue Signalisation aufmerksam gemacht – Bussen
wurden vorerst nicht ausgestellt.
Am vergangenen Sonntag führte die Stadtpolizei Bern nun zum ersten Mal eine
"scharfe" Verkehrskontrolle durch. Die vorgängigen Flugblattaktionen
schienen jedoch kaum Wirkung gezeigt zu haben und so mussten nicht weniger
als 100 Ordnungsbussen ausgestellt werden.
Zwei Autofahrer und eine Autofahrerin mussten zudem aufgrund übermässigem
Alkoholkonsums vor Ort ihre Führerausweise abgeben.
28.2.04/pid: Bei einer weiteren Kontrolle des Nachtfahrverbots in der
Berner Matte wurden in der Nacht auf heute Freitag zwischen Mitternacht und
3 Uhr 44 Widerhandlungen geahndet.
Vor Wochenfrist hatte die Polizei bei ihrer ersten Kontrolle nach Einführung
des Nachtfahrverbots noch 100 Widerhandlungen festgestellt.
Hier die Flyer, welche die Stadtpolizei den nächtlichen Mattebesuchern verteilt:

