Frisch notiert 31. Mai 2009
Montag, 11. Mai 2009
Der neue Bärenpark stellte man sich als lauschige Parkanlage an einem lieblichen Fluss vor. Innen im Gehege die Bärenmutter mit ihren Jungen. Und aussen an der neuen Aaretreppe badet die junge Familie in der Aare. Das suggerierten Computerbilder in den Projektunterlagen (http://www.baerenpark-bern.ch/download/gesamtbericht_baerenpark_2006.pdf)

Der Bärenpark macht derzeit gewaltige Fortschritte und langsam nimmt er Gestalt an. Unabhängig vom gerade laufenden Gezänk um das geologische Gutachten und die versäumten Sondierbohrungen wird der Bärenpark eine gefreute Sache.
Am Samstag konnten Gärtner beim Einpflanzen der jungen Bäume und Sträucher beobachtet werden. Man
beachte die Leiter, ohne die man sich im stotzigen Bärenpark kaum bewegen kann.
Trotz aller Begeisterung beginnt man doch etwas zu zweifeln. Werden noch
weitere Leitern eingebaut, damit auch der Bär wieder von Unten nach Oben kommt?
Oder ob die Bären mit Steigeisen ausgerüstet werden? Oder wird in einem Jahr ein
Zoologe darauf hinweisen, dass er „Stadtbauten Bern“ schon immer darauf
hingewiesen habe, dass das kein bärentaugliches Habitat sei?
Wir hoffen
es nicht und wünschen dem Projekt viel Erfolg!
Samstag, 09. Mai 2009
Die Berner Stadtregierung muss eine dritte Variante zum Hochwasserschutz im Matte-Quartier vorlegen. Dies hat das Stadtparlament am Donnerstag, 7.5.2009, mit 33 zu 31 Stimmen beschlossen.
Bild unten: Werkhalle an der Wasserwerkgasse nach dem Hochwasser 2005
Je weiter die Schrecken der Hochwasser zurückliegen, um so mehr wird der Hochwasserschutz
in Frage gestellt. Das vermag nicht mehr zu erstaunen. Von der unmittelbar nach
dem Hochwasser 2005 vorgestellten Superlösung wird in bester helvetischer
Politikermanier schrittweise der Schutzgedanke demontiert. Ist doch nur halb so
schlimm. St. Nepomuk wird’s schon richten. Plötzlich wird die Liebe zum
Erscheinungsbild der Aarequartiere wiederentdeckt, schon wird ein Objektschutz
light gefordert.
Wir wollen hier nicht den Matte-Groove besingen, dazu
ist das Thema Hochwasserschutz zu ernst. Die Matte ist ein Trendquartier
geworden, im ehemals schwarzen und armen Quartier wird wirtschaftlicher Mehrwert
und mancher Steuerfranken generiert. Die Matte hat sich gewandelt und wird zu
einem Vorzeigequartier aktiven Lebens mitten in einer historischen Stadt. Das
ist ein einzigartiges Flair, das es nicht zu verlieren gilt.
Denn nach
dem Hochwasser 2005 sind sich viele hier unten einig: noch einmal Hochwasser in
grösseremn Ausmasse und wir ziehen fort. Noch ein weiteres Mal im Schlamm,
monatelange Betriebsunterbrüche, Evakuation, Einschränkungen im Wohnen – nein
danke.
So lautet die Botschaft aus der Matte an die Politik: macht etwas,
das Hand und Fuss hat. Eine Hochwasserschutzmassnahme die den Bewohnerinnen und
Bewohnern in den Aarequartieren das Vertrauen zurückgeben, das sich mit jeder
Verwässerung des Howasserschutzgedankens die Aare hinunter verabschiedet.
Die Idee zur dritten Variante, die einen
effizienten Hochwasserschutz weiter vertrödelt, stammt offenbar vom
pensionierten Denkmalpfleger Bernhard Furrer. Dieser bezeichnet seine Vision als
“den dritten Weg”, einer Kompromisslösung, die auf der Idee basiert:
"Das
Mattequartier sei dafür konzipiert worden, dass die Erdgeschosse in «extremen
Fällen» überflutet werden, erinnert Furrer. Sie würden auch heute nicht als
Wohnraum, sondern vornehmlich als Gewerberäume und Ateliers genutzt. Sein
Vorschlag sieht vor, dass sich auch in heutiger Zeit die Nutzer für eine
wiederkehrende Überschwemmung einrichten – dies sei auch in vielen anderen
Städten derWelt der Fall, etwa in Venedig."
Wir empfehlen Bernhard Furrer,
bei einem Spaziergang durch die Matte und seine Ideen den Ladenbesitzern, den
Ateliers, den Werkstätten und den Bewohnern der Parterrewohnungen schmackhaft zu
machen. Für uns klingt dies irgendwie makaber.
Donnerstag, 07. Mai 2009
Der Abend war gemütlich und das Abendessen im Restaurant zum Zähringer in der Berner
Matte bestimmt ein Erfolg, man liess es sich schmecken. Doch ganz geheuer war
der vifen Wirtin Patricia Villamor die Gäste M. nicht. Und tatsächlich, wenige
Minuten nach dem diese den Zähringer verlassen hatten, fiel dem Kellner eine
Unordnung im Weinschrank im Eingangsbereich auf. “So eine Frechheit!”, stellte
Patricia Villamor fest, “es fehlte eine der teuren Flaschen!”
Was tun?
Den Wein sausen lassen? Die Polizei aufbieten? Die temperamentvolle Wirten
wählte die Praktikerlösung: gemeinsam mit dem Kellner stach sie den Weindieben
nach. Auf der Aarstrasse bemerkten diese, dass sie verfolgt wurden und
beschleunigten ihre Schritte. Die Verfolgungsjagd endete erst bei der
Marzilibrücke. Patricia Villamor verlangte resolut und erfolgreich die
Herausgabe des geklauten Weines.
“So etwas habe ich noch nie erlebt,”
entrüstete sich die Wirtin, noch etwas ausser Atem, “in Zukunft werden wir den
Wein wegschliessen müssen.”
Zurück im Zähringer: die Flasche Merlot
Immerhin, kurz nachdem Patricia Villamor den Wein wieder auf die Theke zurückgestellt und den Stammtischgästen ihre Story erzählt hatte, rief der zerknirschte Gast an und entschuldigte sich. Und so wurde aus einem unerfreulichen Erlebnis auf beste Matteart eine weitere Stammtischgeschichte, welche die Runde machen wird.
Mittwoch, 06. Mai 2009
Testtage
12. – 15. Mai 2009
16. – 17. Juni 2009
Seit dem 9. März 2009 wird der neu gebaute Entlastungsstollen
für den Hochwasserschutz in Thun getestet. Dabei wird die Funktionsweise des
Stollens geprüft. Gleichzeitig übt die BLS-Schifffahrt das Manövrieren ihrer
Schiffe bei geöffnetem Stollen.
Die Versuche verliefen bisher sehr
zufriedenstellend. Schäden, die am Ufer unterhalb des Stollenausgangs
aufgetreten waren, konnten behoben werden.
Seit dem 7. April 2009 ist
der Stollen für die Steuerung von Hand bereit und würde im Falle eines drohenden
Hochwassers eingesetzt.
Die Berufsfeuerwehr Bern überwacht während den
Versuchen an mehreren Stellen den Grundwasserpegel. Sie kontrolliert einzelne
Keller von Gebäuden, die bei hohem Aareabfluss in der Vergangenheit von
Grundwassereinbrüchen betroffen waren. Im Fall von Eintritt von Grundwasser in
Keller wird der Abfluss der Aare in Thun gedrosselt.
Samstag, 02. Mai 2009
Nach wie vor ungebrochen ist die Faszination der Berner “Ur-Sprache” aus dem Matte-Quartier. Gut 400 Mitglieder zählt der Verein, der dieses Sprachgut pflegt. Der Matteänglisch-Club zählt Mitglieder weit über die Matte-, Stadt- und Landesgrenzen hinaus.
Sonntag, 24. Mai 2009
Mitten in der Matte, direkt am Mattebach, an der Gerberngasse 29 steht das ehemalige Wöschhüsi.
Der kleine Platz mit Brunnen und dem Mattenbach vor der Türe runden das sympathische
Partyangebot beim renovierten historischen Gebäudes ab.

Das Wöschhüsi ist ein idealer Ort, sich zu treffen – für Apéros und
Geburtstagsfeiern … ein spezieller Ort im Berner Mattequartier. - www.woeschhuesi.ch
Sonntag, 24. Mai 2009
Im Gegensatz zu der in Bern sinkenden Bedeutung der sympathischen
“Geheimsprache” aus dem Berner Mattequartier findet das 50-Jahre Jubiläum des
Matteänglisch Clubs (MÄC) reges Medieninteresse. Nach Beiträgen in den
Lokalzeitungen fanden sich auch einige Zeilen im Blick. Und am 22. Mai 2009
veröffentlichte sogar die renommierte NZZ in der Onlineausgabe einen
ausführlichen Artikel über den MÄC und seine Sprach- Liebhaberei.
Wenn es
so weitergeht und die internationale Presse noch auf den fahrenden
Matteänglischzug aufspringt, steht der erste Schritt zur Weltsprache
Matteänglisch sozusagen vor der Türe.
Samstag, 23. Mai 2009
Eigentlich war ich immer der Ansicht, die aufgerissenen und geplünderten
Abfallsäcke seien auf nächtliche Streifzüge der gefrässigen Matte-Katzen
zurückzuführen. Meine Neugier war geweckt, als kürzlich die Nachricht
auftauchte, in der Matte seien Stadtfüchse am Werk. Tatsächlich, vor wenigen
Tagen bei einem späten Blick auf die Schifflaube hinunter erkannte ich einen
huschenden Schatten. Genaueres Hinsehen bestätigte: ein Fuchs auf Streifzug!
Der muss sich in der Matte wie im Schlaraffenland fühlen. Seine feine Nase
führt in von Abfallsack zu Abfallsack und in den Gärten zwischen Matte und
Oberstadt hat er ein schönes, grosses Revier.
Mehr zum Thema Stadtfüchse
ist liebevoll zusammengetragen auf der informativen Webseite www.stadtfüchse.ch.
Und übrigens: wen es stört, den Inhalt seines zerplatzten Abfallsackes
öffentlich ausgestellt zu sehen: Am sichersten ist, die Ghüdersäcke an den
Abfuhrtagen in der Matte, Dienstag und Freitag, erst am Morgen auf die Strasse
zu stellen. Erfahrungsgemäss kommt die Abfuhr kurz nach dem Mittag ins Quartier.
Sonntag, 17. Mai 2009
Untrügliches Zeichen, dass der Frühling nicht mehr weit von der Matte sein kann, ist jeweils der erste Flohmarkt Mitte Mai. Der Eröffnungstag der diesjährigen Flohmarktsaison auf dem Mühlenplatz begann noch recht kühl. Wahrscheinlich liessen die schmalen Erwartungen auf einen schönen Tag einige Händler zaudern, einen Stand aufzustellen. Doch der Samstag wurde ein prächtiger, warmer Frühlingstag. Tout Bern war in den Gassen, sass an der Sonne oder flanierte eben über den charmanten Flohmarkt in der Matte, bewunderte die Kuriositäten, die sich den Winter hindurch angesammelt wurde.
Sonntag, 17. Mai 2009
Es ist schon erstaunlich, wie viel Verkehr ein Quartier erdulden muss, das
mit Durchfahrverbot und Nachtfahrverbot belegt ist. Nach Schätzungen der Polizei
rollen täglich 2 500 Autos zu Unrecht durch die Matte. Die Oberstadt wird
herausgeputzt, ein verkehrsfreier Bahnhofplatz steht zur Diskussion. Kein
Problem. Wir haben ja die Matte, eine gut ausgebaute, schnelle und bequeme
Stadtumfahrung.
Die angestrebte Pollerlösung muss wohl als gescheitert
eingestuft werden. Weitere bauliche Verengungen seien nicht mehr möglich. Und
für Kontrollen fehlt der Kantonspolizei neuerdings das Geld, das komme zu teuer,
ist im Berner Bund vom 14.5.08 zu lesen. Aha. Gleichzeitig murrt das selbe
Parlament, die Stadt müsse zu viel Geld der kantonalen Polizei abliefern.
Irgendwie scheint uns in der Matte unten, das gehe nicht ganz auf: Recht ist,
wenn’s nichts kostet?
Derweil brausen zu Stosszeiten Fahrzeuge im
Sekundentakt und zu schnell durch die Tempo 30 Zone, Reiscars benutzen die Matte
als willkommene Abkürzung zum Bärengraben. Irgendwann aber wird es unumgänglich
werden, dass die Berner Stadtpolitik offen bekennt, was sie wirklich mit der
Matte will – ein schönes, hochwassertaugliches Wohnquartier an bester Lage oder
einen billigen Tummelplatz für alles, was in der eleganten Oberstadt keinen
Platz finden darf.
Dienstag, 12. Mai 2009
Am Auffahrtsdonnerstag, dem 13. Mai 1999, morgens,
wird die Lage als kritisch eingestuft. Weite Teile der aareseitigen Gärten sind
unter Wasser.
Vor dem Restaurant Mülirad dehnt sich ein unaufhaltsam
grösser werdender See Richtung Mühlenplatz und Nydegg-Brückenbogen aus. Kinder
haben ihre helle Freude und tummeln sich im Wasser, auch die Grossen ziehen die
Schuhe aus und krempeln ihre Hosen hoch. Man lacht und ist vergnügt. Niemand
rechnet damit, dass es noch schlimmer kommen könnte. Der Mattenbach ist
randvoll.
In einigen Häusern der Gerberngasse ergibt sich die Kanalisation: Keller und Hauseingänge werden von innen mit Wasser geflutet. Im Laufe des Morgens füllen sich auch die tiefer als das Strassenniveau gelegenen Lauben auf. In der Wasserwerkgasse staut sich an ihrem tiefsten Punkt, bei der ehemaligen Stadtmühle, Aarewasser. 1000 Sandwiches, die für den alljährlichen Auffahrts- Motorradausflug vom Broncos-Club bereit standen, schwimmen in einer Garage durch das Wasser. Man wird sich wohl in einem Restaurant verpflegen müssen! Das Wetter verbessert sich am Nachmittag, es wird mit Auspumpen, Abdichten und Aufräumen begonnen. Gafferinnen und Gaffer behindern die Aufräumarbeiten. Eine Zuschauerin meint beim Spazieren durch die Matte recht überheblich: «Wenn man am Wasser wohnt, muss man halt mit Überschwemmungen rechnen.» Bemerkungen, die man in solchen Situationen selbstverständlich nicht missen möchte und gut gebrauchen kann! Ein respektloser Hochwassertourismus überschwemmt die Matte – es gibt offenbar nichts Schöneres, als Hochwasseropfern zuzuschauen. Aber vielleicht sind auch Menschen darunter, die betroffen am Schicksal anderer teilnehmen wollen, wer kann das in Krisen so ganz genau unterscheiden?