Frisch notiert 31. März 2009
Sonntag, 01. März 2009
Vor rund zwei
Wochen zog ein Mieter aus einem Nachbarshaus an der Schifflaube aus. Wohin er
zog wissen wir leider nicht. Denn wenn wir es wüssten, würden wir ihm gerne
seine Matratze nachliefern, die er aus Versehen wahrscheinlich, an der
Schifflaube auf dem Trottoir vergessen hat. Wir hoffen nur, dass es sich an
einem andern Ort besser liegen lässt …
Aber der Reihe nach: am Samstag
16. Februar zog der Mieter aus – fast alles nahm er mit, ausser einem defekten
Staubsauger und einer schweren Matratze. Ob er in der Matte nicht so gut
geschlafen hat sei dahin gestellt. Der Staubsauger stand an verschiedenen Orten
zwischen der Schifflaube 28 und Schifflaube 20 – ein “Wander-Staubsauger”
sozusagen. Als er wieder einmal vor unserer Haustüre stand fragte mich eine
Kollegin.” So, willst du sauber machen?” Wir lachten.
Die Matratze
hingegen liegt beharrlich seit zwei Wochen vor dem Eingang Schifflaube 20. Seit
der Fasnacht sogar auf einem öffentlichen Parkplatz. Jetzt wird es ernst,
dachten wir, als am Sonntag den 1. März – endlich, endlich – die Müllabfuhr
auftauchte. Nun würden die Matratze und der Wander-Staubsauger verschwinden.
Hoffnungsfroh schauten wir dem Mann von der Kehrichtabfuhr zu, der Sonntags
seine Runden mit dem kleinen Lastwägeli durch die Altstadt dreht – doch weit
gefehlt. Die schwere Matratze lehnte der Gute wieder fein säuberlich an die
Hauswand, immerhin, der Staubsauger wurde vom Kehrichtmann mitgenommen.
Wir meinen, dass man diese Matratze mit etwas gutem Willen hätte enstorgen
können. Der Mieter, der die Matte verliess, hätte dies problemlos erledigen
können, denn der Egelsee ist nicht weit. Aber auch die städtische Reinigung
hätte mit gutem Willen und etwas Kraft dieses Objekt mitnehmen können. He nu so
de, einmal wird die Matratze wegkommen und schlussendlich zahlen wir
Steuerzahler diese Entsorgung so oder so.
Montag, 23. März 2009
Könnte sein – gegenüber Rosmarie Bernasconi äusserte sich Sigg im März 2007 im
Interview der Matte-Zytig:
«Was machst du in zwei Jahren, wenn du
pensioniert wirst.»
«Ich werde Liftboy beim Matte-Lift», und dies sagt er
so ernst, dass ich es ihm wirklich glaube.
«Wieso Liftboy?»
«Als
Liftboy ist man am Puls der Zeit und hört vieles was so geschieht. Ich höre den
Liftboys gerne zu. Während meiner Zeit bei Bundesrat Ogi habe ich oft erlebt,
dass mir der Liftkondukteur noch das Wort zum Tag mit auf den Weg gegeben hat.
Im Mattelift höre ich Gespräche, die für mich sehr wertvoll sind. Sie
widerspiegeln oft, was das «Volk» vom Bundesrat denkt.»
Noch ist es nicht so weit. Aber Ende März beschliesst der Oswald Sigg seine
Tätigkeit als Informationsspezialist in der Bundesverwaltung. Beruflicher
Höhepunkt war – ab 2005 – das Amt als Vizekanzler und Sprecher des
Gesamtbundesrates.
Wir wünschen dem sympathischen Mätteler alles Gute für
die Zeit nach dem Bundeshaus und freuen uns auf eine gemütliche Plauderei unter
den Lauben der Berner Matte oder natürlich im Matte-Lift.
Montag, 23. März 2009
Etwas seltsam mutet das Graffiti auf dem Trottoir an der Aarstrasse schon an. Direkt unter der Kirchenfeldbrücke ist eine schematische Umrisszeichnung eines Körpers auf den Boden gemalt. Das Graffiti erweckt den Eindruck einer Unfallaufnahme durch die Polizei nach einem selbstmörderischen Sprung eines Menschen von der Brücke.
Tatsächlich übt die Kirchenfeldbrücke eine Anziehungskraft aus für den „grossen
Absprung“.
Aber wenn das Leben unerträglich scheint, leistet Telefon 143
oder www.143.ch als niederschwelliges, leicht zugängliches Angebot einen
wichtigen Beitrag, um Krisensituationen aufzufangen und Kurzschlusshandlungen zu
verhindern. Und das ist viel besser als derartige Kreidezeichnungen.
Samstag, 21. März 2009
Beim abendlichen Spaziergang Richtung Marzili trafen wir auf 8 junge, hübsche Frauen: Schneewittchen, mit ihren sieben Zwergen, hatte offenbar die Aufgabe das Nachtessen für ihren Polterabend in der Matte zu erkaufen. Dem Charme von Schneewittchen erlagen auch wir und so kauften wir uns einen Apfel. Dafür durften wir noch ein Foto von dieser illustren Frauenschar schiessen.
Ich nehme an, dass die jungen Damen ihr Nachtessen für die ganze Gruppe problemlos zusammen bekam. Und schon bald ist Schneewittchen vergeben.
Nach dem wir uns wieder hinter den sieben Bergen befinden und den obligaten Rausch ausgeschlafen haben, waren meine Zwerge und ich doch neugierig, ob die Matte unsern gestrigen Ausflug bereits veröffentlicht hat. Voller Freude haben wir den gelungenen Schnappschuss entdeckt.
Mit dem Verkauf der Äpfel konnte ich meine Zwerge gut durchfüttern und Durst hatten wir bis morgens um Vier. Es war ein unvergesslicher Abend für uns in der Grossstadt.
Ein liebes Hei-hoo Hei-hoo von Schneewittchen und den sieben Zwergen
Donnerstag, 19. März 2009
Ab nächster Woche gilt auf der
Nydeggbrücke und in der Nydeggasse sowie auf der Untertorbrücke, dem
Nydeggstalden und dem Langmauerweg die Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30.
mattepflasterDie Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün und die
Vereinigten Altstadtleiste versprechen sich von Tempo 30 ab dem Kreisel
Bärengraben eine bessere Akzeptanz der Höchstgeschwindigkeit von Tempo 20 und
des Vortrittsrechts für Fussgängerinnen und Fussgänger in der Begegnungszone
Untere Altstadt, die bei der Haltestelle Nydegg beginnt.
Gleichzeitig
wird die bestehende Tempo-30-Zone der Matte auf den Läuferplatz, den
Langmauerweg, den Nydeggstalden und die Untertorbrücke ausgedehnt. Die
Untertorbrücke bildet mit dem Übergang von Hartbelag zu Strassenpflästerung
einen gut ablesbaren Zugang zur erweiterten Tempo-30-Zone. Auf dem Nydeggstalden
wird zudem der Velogegenverkehr eingeführt. Velofahrende dürfen künftig gegen
die Einbahnrichtung des motorisierten Verkehrs aus der Matte hinauf in die
Untere Altstadt fahren.
Die langsamere Fahrweise auf den grösstenteils
gepflästerten Strassenabschnitten wird weniger Lärm verursachen, die
Verkehrssicherheit verbessern und dadurch zu einer Aufwertung zu Gunsten der
Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Touristen zwischen Altstadt und Bärengraben
führen.
www.matte.ch begrüsst diese Verkehrsberuhigungen in der nahen
Umgebung. Werden die neuen Tempolimiten aber gleich nachlässig kontrolliert wie
bisher in der Matte wird wohl einmal mehr alles beim alten bleiben.
Mittwoch, 11. März 2009
26. – 29. März 2009 - Kunstraum Oktogon - Aarstrasse 96 – 3005 Bern
Die Bilder von
Bernhard Hodler aus den Achtziger und frühen Neunziger Jahren waren
fabulierender, narrativer Art. In meist kräftigen Farben liess er verfremdete
Tiere, Fabelwesen, artifizielle Figuren erstehen. Seine Kompositionen erzählten
Geschichten und luden dazu ein, neue Geschichten zu erfinden. Die erfolgreiche
Ausstellung seiner Bilder 1994 .in einer angesehenen Berner Galerie fand ihren
Niederschlag im Bilder – Buch Elephantman (Fischer – Verlag). In der Folge erlag
Bernhard Hodler dem Sog der Farben. In seinen Gemälden wich das Gegenständliche
mit seinen spielerischen Verklausulierungen der Abstraktion. Durch
vielschichtige Prozesse in Verbindung mit Strukturierungen durch Spachtelmasse
brachte er – häufig in mehrteiligen Reliefs – monochrome Welten, Gründe und
Abgründe zum Leuchten, zum Explodieren. Diese Werke sind geeignet, Räumen eine
neue Dimension zu geben.
Schliesslich wird die Totalität der Farben für
Bernhard Hodler zu seinem Orkus und zu seinem Schwert, mit dem er den Kampf
gegen seine tückische Krankheit während langer Zeit umsetzte. Acht Reliefs in
differenziertem Rot sind sozusagen das transzendierende Finale seines Schaffens.
Bereits eine andere Welt verkündet der schemenhaft rosa strahlende Eiger.