Frisch notiert 18. August 2004
Stadtentwicklung findet durch Erhalten wertvoller Gebäude mit allfälligen baulichen Anpassungen an heutige Bedürfnisse sowie durch qualitativ gute Neubauten statt. Drei Objekte an der Brunngasse, an der Schifflaube und an der Wasserwerkgasse wurden besichtigt.

← Architekt Baumann, Schifflaube 48
Architekt Somazzi, Wasserwerkgasse →


Wasserwerkgasse 6
← Brunngasse 54
Brunngasse, Dachstock →
← Schifflaube 48, klein und fein ...
Bauherr Francis Pauchard, Schifflaube 48 →
Die Denkmalpflege zeigt, was sie alles tut, macht und leistet ...
nicht immer ist Denkmalpflege gleich alt, altertümlich, rückständig ...
Denkmalpfleger Fuhrer und Keller leiteten den Rundgang durch drei
beachtenswerte Neubauten in der Altstadt.
Ich erinnere mich gut daran, wie man immer wieder munkelte, die Stadt
hätte zuwenig Geld, um ihre eigenen Liegenschaften umzubauen. Doch was
ich heute gesehen habe, widerspricht diesem Klischee. Frau Mäder an der
Brunngasse empfängt uns zur Besichtigung ihre Wohnung. Eine wunderschöne
umgebaute Wohnung bekomme ich zu sehen. Sofort fühle ich mich wie
zuhause und finde sie herrlich und schön umgebaut. Diskretes Schweigen,
als jemand wissen wollte, wie hoch denn der Mietzins sei. Frau Mäder
meinte diplomatisch "Ach wissen Sie, diese Wohung motiviert mich, den
Mietzins zu erarbeiten." So, dann ist es also doch angenehm eine schöne
Wohnung in der Altstadt zu haben, denke ich für mich.
Wir wandern weiter in die Schifflaube 48. Dort erwartet uns Francis
Pauchard der Bauherr und Herr Baumann, der Architekt. Humorvolle
Menschen, die sich an ein Projekt gewagt haben, das nicht jeder in
Angriff genommen hätte. Ich hatte den Eindruck, dass der Architekt
Baumann hier einen seiner Träume verwirklichen konnte. Aus alt macht neu
– oder aus altem etwas neues machen. Ich bin einmal mehr fasziniert -
wenn jemand einen Traum verwirklichen will und kann und daran glaubt,
dann wird der Traum wahr. Herzlichen Dank Francis für das kühle Wasser,
welches wir bei dieser Wärme geniessen durften.
Weiter ging's an die Wasserwerkgasse 6 zu den Architekten Somazzi und
Partner. Der Hausherr begrüsste uns herzlich. Voller Stolz zeigte er
sein Werk. Büroräumlichkeiten in denen man sich wohl fühlen kann. Ich
war etwas erstaunt, als ich die elektrischen Kanäle im Boden gesehen
habe. Wer die Matte kennt und weiss, dass es ab und zu Hochwasser gibt,
würde wohl die Kanäle nicht unter den Fussboden verlegen - aber bei der
Hitze kommt sowieso kein Hochwasser daher.
Für mich als Quartierfrau war es ein spannender und lehrreicher
Nachmittag. Ich bin erstaunt, wie altes und neues nebeneinander Platz
finden. Fuhrer führte aus: "Ich bin derjenige, der bewahren will, ich
kann und will aber dem Architekten nicht zuviel dreinreden, denn 2004
ist 2004 und nicht 1900 oder noch früher. So geht es immer wieder darum
eine Konsens zwischen Bauherren, Denkmalpflege und Architekten zu
finden, um eine optimale Lösung zu verwirklichen. "
Und für mich habe ich gedacht "Eigentlich wohne ich schon in einem
schönen und spannenden Quartier" und die Geschichten liegen in den
Häusern der Matte.
Der Kopfbau der charakteristischen Häuserzeile an der Schifflaube weist
einen ins späte 16. Jh. zurückreichenden Gebäudekern und eine wohl
proportionierte, qualitätvolle Fassade des frühen Regence auf. Das Gebäude
wurde 1999-2000 gesamthaft saniert und 2001 unter Schutz gestellt.
Der Umbau zeichnet sich durch den überlegten, sorgfältigen Umgang mit alter
Substanz aus. Die historischen Wohnräume gegen Süden und Norden blieben
ungeschmälert erhalten und wurden instand gestellt. In der zentralen
Raumschicht dazwischen waren bautechnisch tief greifende strukturelle
Eingriffe unumgänglich. Im erneuerten Kern wurde mit nicht alltäglichen, auf
Kontrast angelegten technischen Räumen in zeitgenössischen Formen
individuell reagiert. Von besonderer ästhetischer Qualität ist der
ausserordentlich schlichte, dezidiert moderne Teilausbau des Dachstocks.
Auch hier wurden ungewöhnliche ältere Befunde, wie der spezielle
Holzplattenboden, mehrheitlich wieder verwendet.
Bauherr: Francis Pauchard
Architekt: Boabaumann, Bern / www.boabaumann.ch
Das ehemalige Werkstattgebäude der Kupferschmiede Rueff wurde E. 19. Jh.
erbaut und bis in die Gegenwart von der Fa. Kündig genutzt. Nach der Abgabe
im Baurecht 1993 wurde der Altbau 1994-1995 gesamthaft renoviert, für das
Architekturbüro und weiteren Atelieraum hergerichtet sowie um ein
Neubauvolumen im angrenzenden ehemaligen Hofareal ergänzt.
Die Renovation des zweigeschossigen Altbaus wurde auf das Notwendigste
beschränkt. Die stimmige neue Einfachdeckung des Dachs hat sich dabei sehr
positiv ausgewirkt, die historischen Fenster wurden ersetzt. Der Neubautrakt
ist aus der Gassenflucht zurückgenommen und dadurch klar vom Altbau
abgesetzt. Der mit zweckmässiger, qualitätvoller Fassade in Erscheinung
tretende Neubau ist eine moderne Variante der in der Matte traditionell
angesiedelten Gewerbebauten.
Bauherr: Vincenzo Somazzi + Partner Architekten AG, Bern
Architekt: Vincenzo Somazzi + Partner Architekten AG, Bern